Bei meiner Ankunft wurde ich zuerst einmal von einer Meute fremder Menschen überrumpelt. Glücklicherweise waren alle mit einem Business-Nametag versehen, welches auch mir um den Hals gelegt wurde. Zu meiner grossen Überraschung waren nebst den erwarteten Personen (Familie, Liasion-Person von Oskar und mir, Franka und deren Freundin) geschätzte 20 Leute mehr da. Das beinhaltete viele AFS-Mitarbeiter, sowie meinen Klassenlehrer und 2 Klassenkameradinen. Ich hatte mit beiden noch nicht viel zu tun, doch ihr Erscheinen freute mich sehr.
Nach dem Eintreffen und Platzieren der Leute folgte eine kleine Ansprache von mehreren Personen. Der Organisator dieses Anlasses, mein Klassenlehrer, sowie meine Liasion-Person verloren einige Worte über mich. (Kleine Bemerkung am Rande: Eine Liasion-Person ist eine Kontaktperson für den Notfall, in Problemsituationen ist sie mein Anwalt sowie mein Psychiater.)
Diese Ansprachen liefen natürlich ordnungsgemäss japanisch: Mit viel Verbeugungen und Höflichkeitsfloskeln. Es ist gruselig, wenn man weiss, dass über einen gesprochen wird, man jedoch den Zusammenhang nicht versteht.
Anschliessend wurden wir Austauschschüler nacheinander mit unseren Angehörigen nach vorne gerufen und ich durfte wieder mein altgedientes Sprüchlein aufsagen. Meine Mutter handelte die Situation etwas besser und erzählte von unserem bisherigen Familienleben.
Schliesslich wurde ein Dessert aufgetragen und nach dessen Verzehr wurden Oskar und ich gebeten, von Tisch zu Tisch zu wandern, Fragen zu beantworten und Konversation zu betreiben.
Den Abschluss bildete natürlich eine Fotosession, wo auch jeder Erwachsene auftaute und lächelte.
Ich bin sehr überrascht, wieviel Zuwendung wir Austauschschüler von der Organisation erhalten: Meine LP wollte mich unbedingt auf Facebook adden, um im April ein Treffen zu dritt (mit einem Sub-LP) über meinen psychologischen Zustand zu sprechen. Ebenfalls erstaunten mich die vielen fremden Leute, die offensichtlich alle von meiner Situation und Existenz bescheid wussten. Vermutlich kennen alle meine gesamte Akte, während ich gerade mal ihr Gesicht und Namensschild zu Gesicht bekommen habe. Dieses Phänomen geschieht häufiger: Meistens habe ich keine Ahnung über die Pläne und Absichten von Personen, Events etc. Man setzt mich am Abend vorher in Kenntniss: Das heisst, Ort, Uhrzeit und Transportmittel und schon geht's los. Häufig liegt das auch daran, dass SMS von der Organisation bei meiner Mutter allein eintreffen. Die Mitgliedschaft von AFS setzt keine Sprachkenntnisse voraus, so wählt man lieber einen sicheren Empfänger. Was ich allerdings weiss, ist, dass ich nächsten Donnerstagnachmittag frei habe: Ich werde vor der Schule von AFS aufgesammelt und mit einigen anderen Leuten aus meinem Chapter(AFS-Austauschschüler in der Nähe) in den Takada-Park verfrachtet, wo wir hoffentlich ein wunderschönes Hanami geniessen können.

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