Freitag, 3. April 2015

Kleider machen Leute

Meinen wunderbar sonnigen Samstagmorgen verbrachte ich damit, eine Krawatte zu binden. Meine kleine Gastschwester übte mit mir geduldig den gängigsten Krawatten-Knopf. (Ich entschuldige mich für mein Deutsch, irgendwie scheinen mir gelegentlich Wörter abhanden zu kommen). Wenn man das System erstmals durchschaut hat ist es ganz einfach. Meine Schuluniform besteht aus einer weissen Bluse, einem schwarzen Blazer, einer schwarzen Krawatte mit rosa/blauen Streifen, einem schwarzen Rock und schwarzen Kniestrümpfen. Dazu kommen die Schuhe. Man benötigt dafür 2 Paar: Eines ausserhalb der Schule und das andere für innerhalb und den Sportunterricht. Da ich mir einige Utensilien noch zulegen musste, begaben sich meine Mutter, kleine Schwester und ich in die riesigen Departement-stores ausserhalb von Joetsu. Ich bin nun im Besitz eines weitern Paar Schuhe (weiss, nach Schulregelung), einem schwarz-rosa Trainingsanzug und einem weissen T-shirt. (Ebenfalls nach Schulregel). Die Sportbekleidung ist hier in einem riesigen Laden zu haben, der einem "Decathlon" in Frankreich aufs Haar gleicht. Bis auf ein kleines Detail, das ich missachtet habe: Wenn man die Umkleidekabine betritt, sollte man darauf achten, sich die Schuhe auszuziehen. Der Boden der Kabine ist erhöht und aus Holz. Natürlich bin ich gleich ohne darauf zu achten hineingetreten, bis mich die erschrockenen Rufe meiner Begleitung sogleich wieder herausspringen liess.
Die Grössen hier funktionieren ziemlich ähnlich: S, M, L und 0. Nein, Size 0 ist nicht die Amerikanische Magergrösse sondern unser XL.
Meine Uniform ist bis auf die typisch japanischen Kniestrümpfe nun komplett. Ich werde sobald als möglich ein Foto davon machen. Es ist ziemlich ungewohnt und eine heikle Sache (Geschirr abwaschen), eine Krawatte zu tragen. Ausserdem haben alle Highschool-girls den Kawaiifaktor. Ob er von den schwarzen Haaren und weitaufgerissenen Augen stammt, weiss ich nicht. Auf jeden Fall fühlt sich bei mir eine Uniform ziemlich fremd an und die Kombination aus zusammengebundenen Haaren und schwarzer Brille hat einen etwas zu biederen (seriösen?) Effekt.
Meine Schule ist eine Privatschule. Deshalb scheinen Regeln noch etwas strenger zu gelten. (Beispielsweise sind Smartphones nicht erlaubt, was trotzdem niemanden daran hindert, seines bei sich zu tragen.) So sind Makeup, Acessoires, Schmuck und Co. tabu. Ich werde dann am ersten Schultag herausfinden, wie streng diese Regel gehandhabt wird. Ich würde nur ungern mit zugewachsenen Ohrlöchern zurückkommen und jeden Abend die Stecker wieder zu montieren, ist mir zu anstrengend.
Jedes Schulmitglied ist auch dazu verpflichtet seine Fingernägel und vorallem Haare im Originalfarbton zu tragen. Das werde ich auch tun, und so als blondes Schaf der Schule herumtrotten. Einer meiner ersten Momente in der Schule wird sich eher als Kaninchen vor der Schlange herausstellen, da ich von meinem Klassenlehrer dazu aufgefordert worden bin, eine Rede vor der ganzen Schule zu halten.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen