Wenn sich Mädchen und Junge berühren, steht höchstwahrscheinlich die Schule still. Man berührt sich nie, auch unter Mädchen halten wir den Körperkontakt knapp. Dies hatte zur Folge, dass ich nach 2 Monaten Sehnsucht nach einer richtigen Umarmung hatte, glücklicherweise gibt es Emma und Pamela.
Meine Klasse ist ziemlich normal, wir sind viele und laut (37 Schüler). Ich komme mit allen aus, und habe auch Freunde ausserhalb der Klasse. Natürlich gibt es auch diejenigen Mädchen, welche nonstop am Haarebürsten sind und trotz der Schulregelung eine Tonne Makeup tragen. Bei mir in der Turnklasse befinden sich einige dieser Gattung, stets darauf bedacht, dass beim "Rennen" ja kein Schleifchen verrutscht. Die meisten Mädchen krempeln ihren Rock an der Taille, damit die Proportionen Rock und Beine stimmen. Für japanische Schulrock-Standards sind meine Beine genug lang, dass ich meinen nie kremple und mir knapp ans Knie reicht. Letzte Woche wechselten wir auf die Summeruniform, welche nur einen leichten Rock, die üblichen Socken und Bluse beinhaltet. Krawatte ist allerdings freiwillig, doch ich trage meine nicht mehr.
Ich habe ebenfalls meinen Namen Laura abgelegt und werde praktisch immer "Loora", "loora-chan oder -san" angesprochen. Letztere Versionen beinhalten Endungen unterschiedlicher Bedeutung. Da Emma und ich vorübergehend hier und nicht Asiaten sind, sind wir natürlich unglaublich populär. Wenn wir allerdings für immer hier blieben, würde uns niemand beachten. Dieses Schicksal hat ein ursprünglich chinesischer Junge aus meiner Klasse erteilt: Wenn es nicht um Englisch-Hausaufgaben geht, spricht niemand mit ihm, was ich sehr schwach finde.
Kommen wir zu dem Part, zu welchem ich schon häufig befragt wurde: Ja, die meisten japanischen Menschen sind schön, dies gilt für beide Geschlechter. Mir sind vor allem die Hände aufgefallen: 90% aller Hände, die ich bis jetzt gesehen habe, sind unglaublich elegant und schön. (Ja, auch die der Männer!!) das Schönheitsideal ist dasselbe wie auf der übrigen Welt: Möglichst dünn und ebenmässige Proportionen, sprich lange Beine, schlanke Statur. Aufgrund ihres Körperbaus erreichen Japaner allerdings spektakulärere Ergebnisse in Sachen Dünn-sein. Die meisten Mädchen halten häufig nicht viel von Sport, das heisst praktisch nichts essen. Muskeln sind deshalb nicht existent, weshalb sie häufig dünne, weiche Extremitäten aufweisen. Meine Schwester, (hallo Nora!) bezeichnet diesen Zustand gerne als "skinny-fat", wenn ich mich richtig erinnere. Leider gibt es auch häufig Mädchen, die, sobald sie mit einem Jungen zusammen kommen, schlichtweg aufhören zu essen. Die perfekte Figur ist in Manga ein beliebtes Thema und Emma erzählte mir ebenfalls von so einem traurigen Schicksal. Hautfarbe muss allerdings so weiss wie möglich, das Gesicht einer Puppe gleichen. Mit meiner Hautfarbe bin ich da nicht schlecht im Kurs.
Eine weitere beliebte Sache (nicht nur unter Jugendlichen) ist Karaoke. Letzten Montag hatte unsere Schule schulfrei. Das bedeutet Arbeit für alle Hauptlehrer und Clubaktivität für alle Sportler(Volleyball, Baseball..) Emma, Pamela und ich trafen uns für einen Nachmittag mit Karaoke. Für mich das erste Mal, weswegen ich doch etwas nervös war, weil ich selten alleine in einem Raum stehe und singe. In Japan findet man Karaoke überall, dabei handelt es sich im ein Gebäude mit mehreren Räumen. Man bezahlt für die Stunden, welche die jeweilige Person in einem Raum verbracht hat. Schlussendlich waren wir ca. gute 4 h in einem winzigen Raum, dessen Klimaanlage erst nach einer guten Weile funktioniert hat. Ich war überrascht, wie viele englische Songs die Anlage auf Lager hatte, von Disney (na klar..) bis The Offspring, Within Temptation und Enya. Japanische Songs zu singen traue ich mir nicht zu. Die Untertitel sind nämlich sehr schnell. Meistens hat man im Hauptkorridor eine Getränkebar neben der Kasse, Eismaschine inklusive. Am Ende bezahlt dann jeder seine Anzahl Stunden, nicht nurneinfach die Raummiete.
Karaoke ist häufig auch eine Gelegenheit für die After-Party eines Meetings. Schulfreunde treffen sich nach ihrem Clubtraining für eine Runde, auch Familien lassen sich ein Ständchen nicht entgehen. So trafen wir zufälligerweise einige Mitglieder des Baseballteams, die Welt ist klein.
Karaokebars sind auch gerne Location eines Dates. Ein Date gilt, so bald sich Junge und Mädchen alleine treffen, ein freundschaftliches Treffen zu zweit existiert nicht in den japanischen Köpfen.
Man kann also mit seinen europäischen Vorstellungen sehr schnell in ein Fettnäpfchen treten, glücklicherweise habe ich mehrere erfahrene Berater an meiner Seite.
Dieses Selfie von Emma, mir und Pamela entstand beim Karaoke.

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