Den gesamten Samstag verbrachten wir mit Sightseeing: Wir besuchten 4 der berühmtesten Tempel, einschliesslich Jagd auf Mitbringsel. Wir starteten mit dem "Sanjusangendoo", einem länglichen Tempel mit hunderten von einzigartigen Buddhastatuen. Jedes Gesicht sieht anders aus. Aus Repsekt vor der ursprünglich indischen Religion war es verboten, im Inneren Fotos zu machen, jedoch der kleine Garten konnte ich in Fotos festhalten. Wir trafen auf sehr viele Schüler in Uniform: In der Mittelstufe (7-9 Schuljahr) ist Kyoto eine beliebte Destination für den alljährlichen Schultrip.
Der nächste Stopp war ein Tempelgelände mit farbenfrohen Tempeln, üppigem Grün und viel Mystik: Man kann sich für 200 Yen ein Orakel vorlesen lassen oder von geweihtem Wasser trinken. Die Aussicht muss man sich allerdings erst verdienen, in dem man die zum Tempel führende Shoppingmeile durchquert. Die Läden haben allerdings tolle Souvenirs und lokale Spezialitäten im Angebot. Kyoto ist berühmt für Matcha und verschiedene Süssigkeiten, weshalb ziemlich viele Läden vor grüner Farbe nur so strahlten.
Nach einem Mittagessen in einem Restaurant (In Schweizerdeutsch würde es man wohl "Spunte" nennen), besuchten wir den berühmten "Ginkokuji"(Silbertempel) und anschliessend den "Kinkokuji"(Goldtempel). Auch wenn sie einen sehr ähnlichen Namen tragen, sind sie nicht nur historisch betrachtet sehr weit entfernt. Man benötigt circa eine halbe Stunde Fahrt zwischen den beiden Orten. Die Atmosphäre ist auch total anders: Der "Ginkokuji" ist von einem dicht bewachsenen Garten umgeben und trotz einiger Leute ist es total still und meditativ. Bei der Besichtigung des "Kinkokuji" traf ich das erste Mal auf chinesische Touristen, welche ich nicht nur an der Sprache erkannte, sondern auch an dem Gerempel und Herumgeschreie. Ich persönlich sehe mich nicht als Tourist, schliesslich wohne ich derzeit hier und bin in der Lage mich mit den Einheimischen zu verständigen. Die Einheimischen sprechen mich auch häufig an, wenn sie sehen, dass ich a) mit Stäbchen umgehen kann und b) mit meinem Gastgeschwistern in der Landessprache sprechen kann. Mein Selbstwertgefühl hat in den letzten 24 Stunden eine Menge Streicheleinheiten erhalten.
Nach einem unglaublich spannenden Tag verbrachten wir Abend und Nacht in einer Pension mit dem Namen "Leblanc". Japaner lieben den französischen Flair. Allerdings nicht nur der Name ist französisch sondern auch grösstenteils Inneneinrichtung sowie sogar den Geruch! Wer einmal in einem "maison d hôte" übernachtet hat, kennt den Geruch von getrockneten Blumen und dem Geruch von Holz in Baumwollkissen festgehalten. Das Bad war zur Freude meiner schmerzenden Beine japanisch: Circa 1m hoch stand das 42 Grad (warme?) Wasser in der Badewanne. Die Zimmer bestehen nur aus Betten, 2 Tischchen und einem Fernseher in der Grösse von etwas mehr als einem A-4 Blatt(Wifi gab es allerdings). Toiletten, Waschbecken, sowie Bad sind ausserhalb der Zimmer und Gemeinschaftsgut. Da Japaner ca. 10 Minuten (kein Scherz, ich sehe das jeden Tag in der Mittagspause!) sich die Zähne putzen, hat man genügend Zeit um durch die Gegend zu wandern. Ein lustiger Fakt: Japaner putzen sich die Zähne vielleicht deswegen solange, weil der Zahnbürstenkopf der halben Grösse von unseren entspricht. Deswegen schaffen sie dies auch ohne zu sabbern.
Das Abendessen war zu meiner grossen Überraschung französisch/italienisch. Man begannn mit Proscuitto(Kein Kommetar zu meiner Rechtschreibung) und Parmensan Salat, ging über zu einer Schüssel Cazpaccio und die Hauptgänge bestanden aus einem Stück Lachs mit Gemüse und anschliessend Schweinefleisch am Stück, welches den Gebrauch von scharfen Messern erforderte. Hierbei konnte ich mit meinen Kenntnissen über mediterrane Küche sowie Essensmanieren glänzen. Meine ältere Schwester ass zum ersten Mal ein Stück Fleisch am Stück: Hier ist Fleisch immer in Stäbchen gerechte Häppchen geschnitten. Häufig so dünn, dass schweizer Metzger grosse Augen machen würden. Ich allerdings machte grosse Augen bei dem Austeilen der scharfen Messer: Es handelte sich um praktisch diejenigen, welche wir auch in Frankreich besitzen: Eine leicht gebogene Klinge mit Kante und einer Zikade zur Zierde. Die Welt ist klein!
Bei einem anschliessenden Spaziergang zum nächsten Konbini wurde mir mal wieder die Ruhe dieser alten Stadt bewusst: Man verzichtet meist auf Strassenlaternen und auch die Ampeln, welche in Joetsu 24h am Tag bimmeln, geben in der Nacht keinen Piep von sich. Dies dient alles um das Bild der Stadt zu bewahren. Kyoto war früher die Hauptstadt von Japan, ihre Kanji bedeuten beide Hauptstadt. die Kanji von Tokyo (東京) bedeuten Osten und Hauptstadt Die stolzen Bewohner der alten Hauptstadt behaupten heute allerdings gerne noch, dass Kyoto die wahre Hauptstadt ist. Auch wenn sie es in einer halbernst gemeinten Tonlage sagen, ist die andere Hälfte ihres Bewusstseins von der Wahrheit dieser Aussage überzeugt.
Am Sonntag habe ihc zum ersten Mal seit meiner Ankunft wahres, knuspriges Brot gegessen. (Ich entschuldige mich für die Irrelevanz dieser Information, doch es musste mal gesagt werden). Unser erster Stopp hierbei war ein Tempel mit dem Namen Ryuanji, der einen Innenhof ausgelegt mit weissen Kieseln und Felsen darin hat. Das ganze ergibt den Eindruck von Felsen in einem stillen Meer, was unglaublich schön anzusehen ist. Der Garten beherbergt einen Teich mit Lotusblüten, welche im August ihre Hauptblütezeit haben. Grün ist die Farbe des Sommers in Japan und Moos wächst dicht und überall auf Boden und Bäumen.
Zur letzten Lokalität fuhren wir einige Zeit in den Stadtbezirk "Arashiyama", wo viele berühmte Tempel sind, und es vor Souvenirs sowie Touristen nur so wimmelt. Kurz nach unserer Ankunft begann es leider zu regnen, was allerdings nicht sonderlich überraschend ist, da hier momentan Regenzeit herrscht. So flüchteten wir zu erst in einen kleinen Tempel, der allerdings berühmt für die Deckenmalerei des japanischen Himmmelsdrachen ist. Die ganze Decke ist ausgefüllt mit der Malerei und unglaublich beeindruckend. Leider waren Fotoapparate nicht erlaubt.
Als letztes besuchten wir den nebenanliegenden Tempel "Tenryuji", was Tempel des Himmelsdrachen bedeutet. Den Tempel selbst haben wir nicht betreten, doch dafür den Garten, der die Hauptattraktion darstellt. Es gibt einen riesigen Koi-Teich, diverse Pflanzen und einen Pfad, der meterhoch mit Bambus gesäumt ist. Viele Fotos und später verliessen wir das Gelände. Es folgten 45 Minuten für individuelle Einkäufe auf der Touristenmeile, danach 7h Fahrt zurück nach Joetsu.
Kyoto war ein Highlight meiner Reise nach Japan, man kann findet Tempel an jeder Strassenecke. Nachts ist es ruhig, tagsüber sprudelt die Stadt voll Leben und hat doch ihre Mystik bis heute bewahrt. Man findet Ausländer und flippige Klamotten nebst jungen Mädchen in Yukatas.





















Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen