Mittwoch, 10. Juni 2015

Gebrauchsanweisung für Japaner

Japaner sind unglaublich  liebe Menschen. Sie sind neugierig und stellen ihre eigenen Bedürfnisse meistens in den Hintergrund, ihre Höflichkeit ist bewundernswert. Aber ich wiederhole mich.
Ich hörte schon  von einigien weniger schönen Ereignissen, bin allerdings davon selbst kaum betroffen. Es gibt Dinge, die mich nerven, aber das gehört einfach dazu. Die meisten meiner Bekannten hier sind auch unglaublich einfach zu beeindrucken. Zum Beispiel...
1. VIEL und blondes Haar zu haben ist hier nicht existent.
2. Um als Genie in der Schule zu gelten, muss man nur etwas Englisch beherrschen-Davon verstehen die wenigsten Japaner etwas.
3. Ich gehöre unter die Top 3 der grössten Mädchen der Klasse, dabei halte ich mich für durchschnittlich.
4. Man kann als Ausländer mit Esstäbchen umgehen.
5. Freiwillig joggen zu gehen oder andersweitig Sport zutreiben, kann für viele Japaner überraschend sein.
6. Typisch japanische Dinge, wie ein Besuch im Onsen(man trägt keine Kleidung), kann angeblich nur ein waschechter Japaner geniessen.
7. Wenn man mehr als nur 今日は(guten Tag) sagen kann, gilt man als grosser japanisch-Experte.
8. Wenn man dann auch noch, wie ich eben, gelegentlich etwas Kanji benutzt, flippt jeder Japaner aus vor Begeisterung.
9. Umeboshi(eingelegte Pflaumen), Natto, Wasabi und Co. kann kein Ausländer mögen.
10. Mehr als nur seine Muttersprache zu sprechen kommt hier immer gut an. (Französisch gilt als Mode-Sprache, Deutsch ist sowieso exotisch und Englisch ein Ding des Unmöglichen).

Grundsätzlich ist man als Ausländer unglaublich beliebt, aber auch als seltsam betrachtet. Natürlich ist auch hier Feindlichkeit gegenüber Ausländern ein Thema, und Angestarrt-werden keine Seltenheit. Das liegt allerdings daran, dass Joetsu eine Kleinstadt ist und mittlerweile auch mir die Spucke wegbleibt, wenn ich einen Ausländer sehe. Gestern war ich als AFS Freiwilliger an einem Highschoolfest. Da mich Oskar begleitete wurden wir unzählige Male angehalten und um ein Foto gebeten. Japanische Teenagegirls finden ihn "mejia kakkoii"(supercool). Ich bin eher der "kawaiii"-Typ. Ich weiss nicht, ob man je vollständig dazugehören kann. Pamela mit ihren fast 7 Jahren hier, wird noch heute für ihr wunderbares Japanisch gelobt, auch wenn sie nur "Guten Tag" sagt. Ich bin hier deshalb froh um meine Schuluniform: Von Anfang an hatte ich das Gefühl, bereits dazugehören. In der Schweiz würde ich sie allerdings kaum tragen wollen, hier gehört es dazu. Auch muss ich am Morgen nur überlegen, ob ich ein Shirt unter der Bluse benötige, praktisch nicht wahr? 

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