Ein Haus, wie ich bewohne, hat nur unter dem Wohnzimmertisch, der sich auf der Höhe meiner Schienbeine befindet, eine Bodenheizung. Sonst benuzen Japaner kleine Heizkörper, die im Haus verteilt werden. Im Hause Toda allerdings nicht, das einzig beheizte Zimmer ist das Wohnzimmer/Küche/Esszimmer.
Japaner sind bodenständige Menschen, das bin ich (mittlerweile?) auch. Ich verbringe mehr Zeit auf Sitzkissen als im Stehen, dass meine Beine ständig taub sind. Während man auf den Kissen um den Wohnzimmertisch sitzt, hat man eine Decke über die Beine gebreitet, die die von der Bodenheizung ausgehende Wärme abfängt. Ihr könnt euch ja vorstellen, wo mein Lieblingsplatz im Haus ist.
Wenn meine Nase beim Aufwachen bereits eine Temperatur von einem Pinguinschnabel hat, stehe ich freiwillig um 6 auf und flüchte ins Wohnzimmer. Vorher werden allerdings die Vorhänge geöffnet- um die Wärme hereinzulassen- und mein Bett, bzw. Futon gemacht.
Wie ich bereits erwähnt habe, hat ein japanischer Haushalt viele (teilweise überflüssige) Gadgets. Mittlerweile weiss ich allerdings einen beheizten Toiletten-ring sehr zu schätzen, ein
Bad von 42 Grad Celsius ist der Höhepunk von meinem Tag. Dies könnte sich im Sommer allerdings ändern, der Sommer von Joetsu-shi soll eine Temperatur von 30 Grad umfassen.
Morgen soll es allerdings sonniger werden- vielleicht bewege ich mich dann mal zu einem Spaziergang vor die Tür. Ausser der katholischen Kirche von Joetsu und einigen Einkaufsläden habe ich noch nicht viel gesehen. In der Kirche findet mein japanisch Unterrichtstatt. Während 2 Stunden am Stück (morgen sogar 3) ist unheimlicher Kindergesang oder Flötenklang zu hören. So scheint Christus sogar den Weg zu den japanischen Inseln gefunden zuhaben.
Nebst den Weltreligionen haben noch viele andere Dinge ihren Weg in die japanische Kultur gefunden. Die Japaner haben sie nur ein wenig ihrem Geschmack angepasst. So finden sich Spaghetti Bolognese, Curryreis und sogar Mille-feuilles (Crème-Schnitten) in den leicht futuristischen Kühlschränken.
Im Austausch dafür haben natürlich Sushi & Co. ihren Weg ins Migroskühlregal gefunden. Allerdings ebenfalls angepasst. Den berühmten und leckeren Algensalat, der zurzeit fast ein Trend in der europäischen Kultur ist, schmeckt etwa gleich. Nur ist die Farbe und Konsistenz etwa die, die Harry Potter und Ron Weasly in ihrem 1. Abenteuer in der Nase eines Höhlentrolls finden. Der Algensalat zieht ebenfalls etwa einen halben Meter lange grün-glasige Fäden. Die fermentierten Soyabohnen (Natto) sind dagegen gar nichts. Sie überzeugen geschmacklich, visuell und vom Geruch nicht, weshalb ich diesen Leckerbissen lieber den Erfindern überlasse.
Hierbei handelt es sich um die Herstellung von Onigiri, das asiatische Variante von Sandwiches
Das berühmte Curry. Es ist braun und schmeckt lecker! Und ja, wir trinken alle Getränke aus Teetassen, weshalb ich aber trotzdem nicht häufiger Tee als Zuhause trinke.
DO, 26.3.15
Mein Tag war tatsächlich so sonnig, dass meine Gesicht nun die Farbe von einer Crevette hat. Die Sonne von Japan sei sehr stark, nun wenn sie denn mal scheint. Am Nachmittag ging's auf Stadtbesichtigungstour: Ich kenne nun den Weg zum nächsten Konbini (Convenience Store), Bahnhof und zum nächsten Lebensmittelladen.
Konbinis sind grossartig: Sie umfassen alle kleinere Gegenstände, die in keinem Haushalt fehlen dürfen, von Manga bis zur Fertigessen. Am Ende meiner Reise werde ich dort defintiv die Snackregale räumen. Dort habe ich 2 "Daifukus" gekauft: Das sind die runden weichen Dinger aus Reismehl, mit Anko gefüllt. Zuhause kennen wir sie als Mochi, aber nicht in Japan. Mochi sind die salzigen Mikrowellenklötzchen, die man zum Frühstück isst.
Die grösseren Einkaufsläden haben Ähnlichkeit mit einem französischen Supermarkt: Eine riesen Gemüseauswahl mit exotischen Allerleien. Nur die Fischabteilung ist grösser und.. spezieller. Ich meine, wo findet man sonst noch Austern im Plastikbeutel und eine Art von Surimi mit einem Pikachugesicht drauf?
In der Käseecke habe ich sogar Fondue entdeckt, Käse kennen sie auch nur in Scheiben, nicht wir wir, die den Käse als Stück eines Laibes abgeschnitten kaufen.
Die Süssigkeiten hier bestehen grösstenteils aus Anko oder Matcha. Was heute bei uns erst ein Trend ist, findet man in fast jeder Süssigkeit: Von KitKat bis Daifuku. Matcha ist Grüntee ganz fein gemahlen, die genaue Prozedur kenne ich nicht. Es gibt die japansiche After-Eight Version: Schokolade mit Matcha, was allerdings besser schmeckt als ihr englischer Bruder.
Das kleine, pinke Ding ist ein Daifuku. Die anderen verpackungen enthalten Kuchen aus Matcha. Hier kann man allerlei Sachen aus Matcha kaufen: Von KitKat bis zur Eiscrème.


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