Das Leben auf den japanischen Inseln ist anders. Sehr anders. Japaner sind Meister in Gegensätzen, sie lieben Traditionen und neuesten Schnick-schnack. Jeder Tag beginnt früh, die japanische Hausfrau wäscht Wäsche jeden Tag und bereitet das Frühstück vor. Ich selbst habe schon sehr spezielle Dinge gegessen. Im Olympia-Center gab es Algensalat, frische Algen und sogar Fritten zum Frühstück. Letztere habe ich nicht angerührt.
Im Hause meiner Gastfamilie gibt es die Reste des Abendessens, gekochten Brokkoli, omochi, ohagi aber auch Rührei. Ohagi ist Klebreis mit Anko (SEHR süsse Soyabohnenpaste oben drauf, Omochi sind irgenwelche Klötzchen, die man in die Mikrowelle gibt, bis sie auf das 3-fache ihrer Grösse aufgegangen sind. Danach tauch man das omochi in Soyasauce und umwickelt sie mit einem Noriblatt (Algen)). Zum Frühstück darf Reis natürlich nicht fehlen, davon verstehen Asiaten definitiv etwas. Brot ist bis auf Milchbrötchenpappe nicht existent, das wird wohl das erste sein, was mir an Essen von der Schweiz fehlen wird. Yoghurt kennen sie auch: Es gibt alle Sorten von Früchtemix bis Aloe Vera- was besser schmeckt als klingt.
Für westliche Menschen gibt es 2 Prinzipien: Zuschauen, nachmachen und zuerst versuchen, dann urteilen. Sashimi von Mini-Calamares (im Ganzen, mit gruselig weiss-gekochten Augen) ist etwas vom ersten, das ich hier Zuhause versucht habe. Dafür steht mir der Ausländer-Schreck Natto noch bevor: Fermentierte Soyabohnen (die ziehen Fäden), die unglaublich widerlich riechen sollen und auch so aussehen, sind der Stolz der Japaner: Nur ein wahrer "nihon-jin" kann sie trotz des Gestanks lecker finden und essen. Ich bin ja mal gespannt, bei uns im Kühlschrank habe ich bereits welche gesichtet.
Zurück zum Thema. Das Frühstück, das sehr süss, sehr salzig, warum und kalt zugleich sein kann wird am Tisch gemeinsam gegessen. Dabei spricht man zuerst die Worte "Ittadakimasu" und danach "Gozoosamadeshita" und faltet dabei die Hände. Man kann dies nach Übersetzung mit einem Tischgebet vergleichen und obwohl die meisten Japaner nicht sehr religiös in unserem Sinne sind, haben sie einige uralte Traditionen bewahrt.
Japaner sind ebenfalls Meister im Lava- (Man-darf-den-Boden-nicht-berühren)-Spiel. Am Eingang jedes japanischen Hauses befindet sich ein kleiner Absatz,der in die Höhe geht. Wenn man den Eingangsbereich betritt, entfernt man zuerst einen Schuh, steigt auf den Absatz und danach den anderen, ohne den Boden zu berühren. Danach werden die Schuhe mit Blick zur Türe am Absatz hingestellt. Diese Probe habe ich bis jetzt ohne Peinlichkeit bestanden. Das Haus gilt als rein und Japaner sind unglaublich saubere Menschen. Wenn man nun in den Wohnbereich gelangt, wäscht man sich die Hände und spült den Mund mit Wasser aus. Das soll vor Krankheiten bewahren und macht Sinn, da die Bevölkerungszahl unglaublich hoch und dicht ist.
Zum Thema Reinheit gibt es noch die Episode mit dem Bad: Man wäscht sich abends. Der Körper wird ausserhalb der Wanne mit Seife abgewaschen und danach steigt man sauber ins Wasser. Die Haare werden jeden Tag gewaschen. (Diese Angewohnheit habe ich zum Schutz meiner Haare abgelehnt, auch wenn ich jetzt vermutlich ihren Ekel erregt habe).
Ein weiteres Thema wäre hierbei das Örtchen worüber keiner spricht. Lasst uns doch einmal über das Washlet vs. die japanische Toilette sprechen. Von den ersteren haben wir 2 im Haus, ich kann beide bedienen, was allerdings nur das Drücken zweier Knöpfen mit Piktogrammen erfordert. Erstere wäre das Öffnen/Schliessen des Klodeckels und zweitere der Eco-Button, wo das im Spülkasten eingebaute Waschbecken installiert wird. Es muss einen Kreislauf vorhanden sein, dass das Hände-Wasch-Wasser als Spülwasser verwendet. Strom und Wasser ist unglaublich teuer und rar in Japan. Das erklärt das Badewasser und den Eco-Button des Washlets. An einigen Punken muss gespart werden, sonst geht der Stromverbrauch der Familie ins Unsermessliche (mh.. Washlet), aber dazu später mehr.
Die traditionelle Toilette habe ich bis jetzt gemieden. Sie sieht aus wie eine türkische, nur dass sie länglich ist und ein Ende wie eine Kapuze hat. In diese Richtung hockt man sich dann hin. Spülung ist nicht existent.
Es gibt viele Details, die einem Europäer ins Schwitzen treiben können. Dazu werde ich hin und wieder einen Eintrag verfassen um nicht nur meine Erlebnisse sondern die Kultur der aufgehenden Sonne beschreiben. Die Unterschiede sind teilweise nur klein, aber sichtbar.
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