Sonntag, 22. März 2015

Das erste Wochenende "Zuhause"

Letzten Samstagmorgen wurden wir von den AFS Volunteers zum Bahnhof Tokyo gebracht. In meinem Fall genauer Tokyo-Station. Was für ein Chaos! Rush-hour am Zürich Hauptbahnhof ist gar nichts dagegen: Ströme von Menschen von überall her, ein riesen Gewusel. Man wird ganz klaustrophobisch, da die Decken sehr niedrig sind und man zu sehr damit beschäftigt ist, seine Gruppe nicht in der Masse zu verlieren. Glücklicherweise stehen an den Schaltern noch mehr Menschen herum, die die strikte Anweisung haben, jedem zu sagen, dass er sein Ticket nach dem Einführen in den Automaten (zur Kontrolle) auch wieder mitnehmen muss. Das Ticket muss man am Ende seiner Reise an einem Bahnhof wieder in einen Schalter einführen, um den Bahnhof wieder verlassen zu können.
Nach 2h Fahrt in einem Shinkansen mit einem schwedischen Gefährten, der im selben Chapter (AFS Austauschschüler derselben Gegend) gelandet ist wie ich, kamen wir am Bahnhof Joetsu an. Meine kleine Gastschwester wartete dort auf mich. Klein trifft es ziemlich gut, sie ist 16, sieht aber jünger aus und ist etwa einen knappen Kopf kleiner als ich. Mein LP (liason Person) war ebenfalls da und hat mir ihre Karte überreicht.
Nach einigen Fotos (um die kommt man in Japan nicht herum) brachte mich meine Gastfamilie zum Auto und schliesslich zu ihrem Wohnsitz, der nun mein Zuhause für 5 Monate sein sollte. Meine neue Familie besteht aus 2 Schwestern und den Eltern. Haustiere haben wir keine, dafür einen elektrischen Staubsauger.
Ich teile mir mein Zimmer mit meiner kleinen Schwester, allerdings ist unser Zimmer mithilfe eines Regals in 2 Teile geteilt. Ich schlafe auf einem zusammengeklappten Sofa, wo ein Futon mit 2 riesigen Decken darauf aufgebreitet ist.
Am Nachmittag gingen wir erst mal einkaufen: Das Abendessen (aus Sukiyaki und Reis bestehend) und in einer Art japanischer IKEA, wo ich meine eigenen Stäbchen, Miso-Suppe-Schüssel und Reisschüssel und ein Kopfkissen mi Bezug erhielt.
Nach einem Abendessen durfte ich als allererste ins Bad: Wie schon erwähnt, badet man hier abends und die ganze Familie benutzt dasselbe Wasser. Ich als Ehrenperson durfte als erste baden und im Gegensatz zum öffentlichen Bad im Olympia-Center ist das Wasser hier 42 Grad, weshalb meine Haut danach die Farbe von einem Hummer hat. Es ist allerdings ziemlich entspannend, deshalb freue ich mich jeden Abend auf das Bad.
Auch Sonntags wird früh aufgestanden: Ich habe allerdings zuerst den Fehler gemacht, zu sagen, dass ich normalerweise um etwa 9 Uhr aufstehe. Nachdem ich erfahren habe, dass meine Gastmutter um spätestens 5 aufsteht, war mir das ziemlich peinlich und ich war dementsprechend am nächsten Morgen schon um viertel vor 6 in der Küche.
Frühstück gibt es am Sonntag um 7, dabei wird wie zu jeder Mahlzeit in die topmoderne Röhre geguckt, wo meisten eine Sendung über japansiches Essen läuft. Zu meinem zwar nicht ersten japanischen Frühstück, das aus seltsamen Dingen bestand (Vom Westen aus betrachtet), lief eine Sendung über eine Fischerei und beim Anblick der blutigen Fische im Fernsehen, fing das Sukiyaki von gestern Abend und der Aloe-Vera-Yoghur (kein Scherz) etwas zu rumoren an.
Später wurde ich kurz den Grosseltern vorgestellt. Dort erhielten wir ein Tässchen Tee und eine Menge Esswaren: Offensichtlich erfüllen auch die östlichen Grossmütter das Klischee, ihre Nachkommen reichlich mit Essen zu versorgen.
Mein Nachmittag verbrachte ich  dann mit japanisch Lernen- bis Onkel und Tante inklusive 2 Kinder hereinschneiten um Hallo zusagen.
Am Abend assen wir schliesslich im Auto auf einem Schulhausparkplatz einige japanische Varianten von Sandwich. Das 28. Jahreskonzert der Brass-Band der Senior Highschool stand an, und man würde erst spät Nachhause kommen (9 Uhr heisst das). Das Konzert allerdings war ziemlich japanisch: Praktisch fehlerlos und jede noch so schwierige und künstlerische Formation, die die Drummer einnahmen, sass perfekt. Eine ziemlich interessante Erfahrung, mir hat es ziemlich gefallen, auch wenn ich den ersten der drei Teile etwas verschlafen habe. Vielleicht ist das noch das ungewohnte japanische Leben und Jetlag.
Den Montagmorgen verbrachte ich vor dem Fenster und in einer christlichen Kirche. Dort findet mein japanisch Unterricht, den ich bis diesen Freitag mit meinem schwedischen Kollegen besuche. Nach 90 Minuten Unterricht fragten wir uns, warum wir auf die Idee gekommen sind, Japanisch zu lernen und mein Magen wann und mit was er als nächstens gefüttert wird.
Mein Nachmittag verbrachte ich darauf hin mit meinen Büchern und diesem Blogeintrag.


Mein neues Zuhause (Aussicht aus Fenster)



                                        Mein Zimmer mit gemachtem Futon: Dieser wird jeden Morgen  
                                               umgedreht, um verlüften zu können

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