Für einen Deutsch-Muttersprachlichen Menschen ist die japanische Aussprache nicht einmal besonders schwer. Ein U bleibt ein U, nur J wird nicht wie Joghurt sondern wie "Jetski" (also Englisch) ausgesprochen. In meinem 5-tägigen Kurs war das Beherrschen von Hiragana und Katakana absolut notwendig. Das können meine Vokabellisten mit Verben, Substantiven und Adjektiven bezeugen.
In der Schweiz habe ich bereits Ende Dezember mi einem Crashkurs Japanisch von 10 Lektionen und dem Selbststudium eines Vokabulars begonnen. Dies war die beste Entscheidung, die ich bereits getroffen habe: Ich bin auf jedes Wort stolz, das ich bereits kenne. Auch wenn es nur das Schneidebrettchen in der Küche ist. Hier im Kurs war vieles Repetition, wie zum Beispiel der grundlegende Satzbau, einige Verbbildungen und Adjektiv-Konjugation (Ja, einige kann man konjugieren).
Im Japanischen funktioniert der Satzbau umgekehrt als im Deutschen: Zuerst kommt das Subjekt, dann soviele Objekte mit zugehörtigen Partikeln (als Präposition oder Deklaration von Fall) und immer am Ende das Verb. Substantive kennen weder Genus, Numerus, Kasus oder Artikel. Verben existieren nur affirmativ, negativ, vorzeitig oder gleichzeitig/nachzeitig. Das sind mal 4 grundlegende Varianten. Des Weiteren werden Verben nicht nach Person konjugiert, was ein unglaublicher Vorteil ist. Es werden nur verschiedene Endungen zur Präzision der Aussage gebildet: Höflichkeitsstufe oder Benutzung eines Modalverbs (Ich will/kann usw.)
Bei Adjektiven gibt es 2 Gruppen: Na-Adjektive ("neuere" Gruppe mit Endung -na) und I- Adjektive ("ältere" Gruppe mit Endung -i). Da es sich bei zuletzt genannten um ehemalige Verben handelt, kann man sie dementsprechend nach Zeitverhältnis und affirmativ/negativ anpassen.
Um das Ganze zusammenzufassen: Es ist lohnenswert, vor einem Austausch sich mit den Grundlagen einer Sprache vertraut zu machen: Man muss mit der Sprache zumindest ein wenig umgehen können um sich verständigen können und man soll im Austausch nicht nur die Sprache lernen, sondern auch mit ihr umgehen können, da das Hauptziel ein Kulturaustausch ist. Ich gebe zu, ich konnte anfangs noch nicht viel, doch immerhin konnte ich die wichtigsten Floskeln und Begrüssungsformeln um nicht ins "Hände-Schüttel-Fettnäpfchen" zu treten. In Japan verbeugt man sich zur Begrüssung und spricht die Worte "Hajimemashite! Doozo yoroshiku onegaishimasu". Übertragen heisst das übersetzt: Sehr erfreut, ich freue mich Sie kennen zu lernen. Auf höchstem Höflichkeitsniveau.
4 von 5 Tagen habe ich mit dem Studium von Grammatik verbracht, wo ich stundenlang Sätze wie "Ich schnitt gestern ein Blatt Papier mit einer Schere" aufsagen konnte. Heute (am Freitag) aber, begann ich mit den Kanji. Zur korrekten Strichfolge (um auch eine Sauklaue lesen zukönnen) muss man Bedeutungen in der eigenen Sprache, so wie ALLE Aussprachen auswendig lernen. Es gibt 2 Lesungen: Die chinesische und japanische. Die Schwierigkeit stellt sich jetzt darin, im Zusammenhang die korrekte zu finden, da es manchmal mehr als eine chinesische Lesung gibt. Ich denke, da hilft nur Übung und viel lesen. Auf jeden Fall hatte meine Stirn nach der Stunde die Oberfläche der Schweizer Alpen und in meinen Augen müssen Fragezeichen förmlich geblinkt haben. Ausserdem ist meine Lehrerin nicht gerde eine Freundin grosser Worte oder klaren Anweisungen. Doch die Kanji sind etwas Einzigartiges: Sie haben alle ihren Ursprung in Piktogrammen und ein japanischer Text ist eigentlich eine Geschichte in Bildern erzählt. So lernte ich heute zum Beispiel, warum China das Reich der Mitte genannt wird und Elektrizität aus den Zeichen Regen und Blitz besteht. Für die nächsten paar Monate habe ich mich bereits selbst mit Lernmaterial versorgt und im Arrival-Camp erhielten wir je noch ein Kanji- und ein Grammatikbuch. Es ist die Pflicht eines jeden Austauschschülers, teilweise sogar während der Schulzeit, aber zumindest immer nach der Schule für sich selbst die Sprache zu lernen. Schliesslich muss man beweisen, dass man sich in Land und Kulur infügen will.
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