Dienstag, 31. März 2015

Japaner und ihre Verkehrsmittel

Praktisch alle Japaner über 18 Jahre, haben brav ihre Autoprüfung absolviert. Alle Teenager gelangen typischerweise mithilfe von Fahrrädern von A nach B. So nun auch ich. Am Samstag wurde mir ein Fahrrad zugeteilt, dass während einer Stunde geputzt, geölt und gewachst wurde. Dann hiess es: Ab auf die Strasse! Schliesslich musste ich meinen Schulweg im Voraus kennen. So machten mein Vater, meine Schwester, die ausgedruckte Google-Maps Karte von Joetsu und ich einen Ausflug zur Joetsu Senior Highschool. Mein Schulweg verläuft ganz japanisch an Reisfeldern, Tempeln vorbei. Ich überquere Brücken und einen Bahnübergang, die wollknäuelartigen Telefonleitungen begleiten mich dabei.


       (Einige Impressionen meines Schulwegs...)

Am 6. April ist mein erster Schultag. Doch zuvor mussten einige Vorbereitungen getroffen werden. Am Montag fuhren meine Mutter und ich zur Schule, wo wir einen AFS Volunteer, den Englisch-lehrer und den Rektor antrafen. Es folgte eine lange, mir nicht sehr verständliche Unterhaltung in einem Raum, der die doppelte Grösse meines Wohnzimmers aufweist. Der School Principal ist ein sehr freundlicher, doch eindrucksvoller Mann, so dass ich vor lauter Höflichkeit all mein Japanisch vergessen habe. Die meiste Zeit verbrachte ich während den Erläuterungen nickend, verbeugend und die Augen höflich niedergeschlagen. Ich erhielt meine Schuluniform (Foto folgt später einmal), die aus einem Blazer, Kniestrümpfen, Rock, weisser Bluse und Krawatte besteht. danach folgte ein Rundgang durch die ziemlich grosse Schule, durch die ich vermutlich ahnungslos die ersten Tage durchstreifen werde. Ich werde die Abschlussklasse der Seniors besuchen. In Japan hat man 12 Jahre Unterricht bis zur Universität und ich besuche das letzte davon. Das ist im Moment einen Jahrgang höher als mein Jahrgang in der Schweiz. Meinen Stundenplan habe ich von meiner Gastmutter noch nicht erhalten, doch ich weiss, dass ich das Fach "Alte Chinesische/Japanische Literatur" nicht besuchen muss und vermutlich auch nur die Englisch-Klausuren schreiben werde. Höchstwahrscheinlich werde ich aber die Prüfung nicht lesen können. Tja, Pech. 
Bei Regenwetter bewege ich mich via Bus/Zug in die Schule. Joesu hat aber mehrere Bahnhöfe. Der grösste heisst Miyoko-Station, den ich bereits bei meiner Ankunft mit dem Shinkansen besucht habe.


Winter-Sommer-Joetsu

Wie bereits erwähnt, wohne ich in Joetsu-shi. Man hat Aussicht auf die Berge, von denen ich den Namen nicht weiss. Bei meiner Ankunft lagen nur noch Überreste von Schnee herum. Das ist mittlerweile wieder so. Jeden Morgen liegt auf dem Rasen Schnee, im Laufe des Vormittages und auch gerne während des ganzen Tages regnet es. Unser Garten besteht eigentlich aus Beeten, zurzeit sieht es eher nach Reisfeld aus. Meine Gastschwester sagt, dass dies früher nicht so gewesen wäre, und der Grund dafür die Klimaerwärmung sei. Normalerweise schneie es Ende März nicht mehr und dafür werde der Sommer immer heisser. Sogar in Joetsu.
Ein Haus, wie ich bewohne, hat nur unter dem Wohnzimmertisch, der sich auf der Höhe meiner Schienbeine befindet, eine Bodenheizung. Sonst benuzen Japaner kleine Heizkörper, die im Haus verteilt werden. Im Hause Toda allerdings nicht, das einzig beheizte Zimmer ist das Wohnzimmer/Küche/Esszimmer.
Japaner sind bodenständige Menschen, das bin ich (mittlerweile?) auch. Ich verbringe mehr Zeit auf Sitzkissen als im Stehen, dass meine Beine ständig taub sind. Während man auf den Kissen um den Wohnzimmertisch sitzt, hat man eine Decke über die Beine gebreitet, die die von der Bodenheizung ausgehende Wärme abfängt. Ihr könnt euch ja vorstellen, wo mein Lieblingsplatz im Haus ist.
Wenn meine Nase beim Aufwachen bereits eine Temperatur von einem Pinguinschnabel hat, stehe ich freiwillig um 6 auf und flüchte ins Wohnzimmer. Vorher werden allerdings die Vorhänge geöffnet- um die Wärme hereinzulassen- und mein Bett, bzw. Futon gemacht.
Wie ich bereits erwähnt habe, hat ein japanischer Haushalt viele (teilweise überflüssige) Gadgets. Mittlerweile weiss ich allerdings einen beheizten Toiletten-ring sehr zu schätzen, ein
Bad von 42 Grad Celsius ist der Höhepunk von meinem Tag. Dies könnte sich im Sommer allerdings ändern, der Sommer von Joetsu-shi soll eine Temperatur von 30 Grad umfassen.
Morgen soll es allerdings sonniger werden- vielleicht bewege ich mich dann mal zu einem Spaziergang vor die Tür. Ausser der katholischen Kirche von Joetsu und einigen Einkaufsläden habe ich noch nicht viel gesehen. In der Kirche findet mein japanisch Unterrichtstatt. Während 2 Stunden am Stück (morgen sogar 3)  ist unheimlicher Kindergesang oder Flötenklang zu hören. So scheint Christus sogar den Weg zu den japanischen Inseln gefunden zuhaben.
Nebst den Weltreligionen haben noch viele andere Dinge ihren Weg in die japanische Kultur gefunden. Die Japaner haben sie nur ein wenig ihrem Geschmack angepasst. So finden sich Spaghetti Bolognese, Curryreis und sogar Mille-feuilles (Crème-Schnitten) in den leicht futuristischen Kühlschränken.
Im Austausch dafür haben natürlich Sushi & Co. ihren Weg ins Migroskühlregal gefunden. Allerdings ebenfalls angepasst. Den berühmten und leckeren Algensalat, der zurzeit fast ein Trend in der europäischen Kultur ist, schmeckt etwa gleich. Nur ist die Farbe und Konsistenz etwa die, die Harry Potter und Ron Weasly in ihrem 1. Abenteuer in der Nase eines Höhlentrolls finden. Der Algensalat zieht ebenfalls etwa einen halben Meter lange grün-glasige Fäden. Die fermentierten Soyabohnen (Natto) sind dagegen gar nichts. Sie überzeugen geschmacklich, visuell und vom Geruch nicht, weshalb ich diesen Leckerbissen lieber den Erfindern überlasse.

    Hierbei handelt es sich um die Herstellung von Onigiri, das asiatische Variante von Sandwiches


Das berühmte Curry. Es ist braun und schmeckt lecker! Und ja, wir trinken alle Getränke aus Teetassen, weshalb ich aber trotzdem nicht häufiger Tee als Zuhause trinke.


DO, 26.3.15

Mein Tag war tatsächlich so sonnig, dass meine Gesicht nun die Farbe von einer Crevette hat. Die Sonne von Japan sei sehr stark, nun wenn sie denn mal scheint. Am Nachmittag ging's auf Stadtbesichtigungstour: Ich kenne nun den Weg zum nächsten Konbini (Convenience Store), Bahnhof und zum nächsten Lebensmittelladen.
Konbinis sind grossartig: Sie umfassen alle kleinere Gegenstände, die in keinem Haushalt fehlen dürfen, von Manga bis zur Fertigessen. Am Ende meiner Reise werde ich dort defintiv die Snackregale räumen. Dort habe ich 2 "Daifukus" gekauft: Das sind die runden weichen Dinger aus Reismehl, mit Anko gefüllt. Zuhause kennen wir sie als Mochi, aber nicht in Japan. Mochi sind die salzigen Mikrowellenklötzchen, die man zum Frühstück isst.
Die grösseren Einkaufsläden haben Ähnlichkeit mit einem französischen Supermarkt: Eine riesen Gemüseauswahl mit exotischen Allerleien. Nur die Fischabteilung ist grösser und.. spezieller. Ich meine, wo findet man sonst noch Austern im Plastikbeutel und eine Art von Surimi mit einem Pikachugesicht drauf?
In der Käseecke habe ich sogar Fondue entdeckt, Käse kennen sie auch nur in Scheiben, nicht wir wir, die den Käse als Stück eines Laibes abgeschnitten kaufen.
Die Süssigkeiten hier bestehen grösstenteils aus Anko oder Matcha. Was heute bei uns erst ein Trend ist, findet man in fast jeder Süssigkeit: Von KitKat bis Daifuku. Matcha ist Grüntee ganz fein gemahlen, die genaue Prozedur kenne ich nicht. Es gibt die japansiche After-Eight Version: Schokolade mit Matcha, was allerdings besser schmeckt als ihr englischer Bruder.

Das kleine, pinke Ding ist ein Daifuku. Die anderen verpackungen enthalten Kuchen aus Matcha. Hier kann man allerlei Sachen aus Matcha kaufen: Von KitKat bis zur Eiscrème.

Montag, 30. März 2015

25 Details, die einem das Leben vereinfachen/erschweren können

1. Der Japanische Haushalt kennt kein Pfannenwender oder Schöpflöffel: Dazu gibt es Stäbchen.
2. Die Suppe, in der Nudeln wie Ramen oder Udon schwimmen, wird selten getrunken: Sie dient nur zur Würze
3. Nudeln werden geschlürt. Das sorgt für Geräusche die keineswegs unanständig sind. (Ich werde mir das Schlürfen trotzdem nicht angewöhnen)
4. Strassenverkehr funktioniert immer links.
5. Japaner stehen auf die Minute 5 Minuten vor verabredetem Zeitpunkt auf der Matte.
6. Bei Erhalten eines Geschenkes ist die Familie verpflichtet, bald ein Gegengeschenk zu machen.
7. Ein Japaner sagt selten direkt "Nein": Er weicht auf die Option: "Mh.. Das ist schwierig.." aus.
8. Lehrer werden alle 3 Jahre an eine andere Schule versetzt. Auch wenn der Schulweg  über eine Stunde dauert, Einwände werden nicht akzeptiert.
9. Das Lesen einer Zeitung erfordert Kenntniss von ca. 2000 Kanji (Zeichen).
10. Zeitungen, Schulbücher etc. werden von "hinten-nach-vorne" (nach europäischer Sicht) gelesen.
11. In öffentlichen Verkehrsmitteln ist es strikt verboten zu telefonieren. (Kein Kommentar...)
12. Ein Fernseher hat fast den Status eines Familienmitglieds.
13. Zum Frühstück werden gerne Chicken-Nuggets, Salat und Donuts kombiniert.
14. Auf japanischen Landkarten befindet sich das Land der aufgehenden Sonne in der Mitte.
15. Reis wird mit solchem Respekt behandelt, dass jedes Körnchen aus der Schüssel gekratzt wird.
16. Autofahren hat die Alterslimite 18, Alkohol/Zigaretten 20 und Tattoos, sowie Piercings, keine.
17. Jemanden mit dem Wort "du" anzusprechen macht man höchstens in der engsten Familie.
Ansonsten redet man in der 3. Person zu der Person. In der Familie wird auf korrekte Grammatik
verzichtet und ein Personalpronomen/Namen wird nicht verwendet.
18. Japaner berühren selten jemanden. Umarmungen sowie Begrüssungsküsschen gibt es nicht.
19. Strassen haben keine Namen: Für die Adresse werden Präfektur, Stadt, Region, Nachbarschaft und Hausnummer notiert. (So viel habe ich zumindest erfahren.)
20. Die meisten Bewohner der japanischen Inseln sprechen keine Sprache ausser ihrer eigenen.
21. Küchenmesser sind unglaublich scharf und effektiv. (Meine Finger können das zum Glück (noch?) nicht bezeugen)
22. Slipper, die man in der Öffentlichkeit (Schule) erhält, tragen ihren Namen zu Recht: Durch schlüpfrige Gänge zu watscheln und eine Treppe zu erklimmen, ohne die Schuhe zu verlieren, ist eine wahre Kunst.
23. Google, Siri und Wikipedia erhalten die ehrenhafte Endung -san (Auf Deutsch: Herr/Frau)
24. Die Bezeichnung Fuji-san hat nichts mit Punkt 23. zu tun: Das Kanji wird so ausgesprochen.
25. Beim Lachen darf man seine Zähne zeigen, ich habe noch nie jemanden getroffen, der die Hand vor den Mund hält. (Das beinhaltet Schuldirektor, Familie und AFS Volunteers.)



Freitag, 27. März 2015

日本語 の 勉強 (Japanisch-Studium)

In den letzten 5 Tagen habe ich viele Stunden in einem kleinen Zimmer und einer ebenso kleinen Japanerin verbracht, die mir Japanisch beibringen sollte. Schriftliche Sprache besteht aus drei Varianten: Hiragana, Katakana (Silbenalphabete) und den berühmten aus dem Chinesischen übernommenen Kanji. Ich kann jedem Japanischinteressierten nur empfehlen, zumindest die Hiragana vor dem eigentlichen Beginn oder von Beginn des Studiums an zu lernen. In Romanji (Lateinisches Alphabet) zu schreiben provoziert gerne Fehler und unsere Buchstaben sind eigentlich nur eine Annäherung/Übersetzung des eigentlichen Klangs, bzw Wortes. Die Betonung der einzelnen Wörter ist nicht so komplex wie das berühmt berüchtigte Chinesische, doch gibt es doch einige Details die entscheidend zur Identifikation eines Wortes beitragen. Gleichzeitig gibt es noch Wörter die genau gleich klingen, aber in der geschriebenen Sprache unterschiedliche Kanji aufweisen. 
Für einen Deutsch-Muttersprachlichen Menschen ist die japanische Aussprache nicht einmal besonders schwer. Ein U bleibt ein U, nur J wird nicht wie Joghurt sondern wie "Jetski" (also Englisch) ausgesprochen. In meinem 5-tägigen Kurs war das Beherrschen von Hiragana und Katakana absolut notwendig. Das können meine Vokabellisten mit Verben, Substantiven und Adjektiven bezeugen. 
In der Schweiz habe ich bereits Ende Dezember mi einem Crashkurs Japanisch von 10 Lektionen und dem Selbststudium eines Vokabulars begonnen. Dies war die beste Entscheidung, die ich bereits getroffen habe: Ich bin auf jedes Wort stolz, das ich bereits kenne. Auch wenn es nur das Schneidebrettchen in der Küche ist. Hier im Kurs war vieles Repetition, wie zum Beispiel der grundlegende Satzbau, einige Verbbildungen und Adjektiv-Konjugation (Ja, einige kann man konjugieren).
Im Japanischen funktioniert der Satzbau umgekehrt als im Deutschen: Zuerst kommt das Subjekt, dann soviele Objekte mit zugehörtigen Partikeln (als Präposition oder Deklaration von Fall) und immer am Ende das Verb. Substantive kennen weder Genus, Numerus, Kasus oder Artikel. Verben existieren nur affirmativ, negativ, vorzeitig oder gleichzeitig/nachzeitig. Das sind mal 4 grundlegende Varianten. Des Weiteren werden Verben nicht nach Person konjugiert, was ein unglaublicher Vorteil ist. Es werden nur verschiedene Endungen zur Präzision der Aussage gebildet: Höflichkeitsstufe oder Benutzung eines Modalverbs (Ich will/kann usw.)
Bei Adjektiven gibt es 2 Gruppen: Na-Adjektive ("neuere" Gruppe mit Endung -na) und I- Adjektive ("ältere" Gruppe mit Endung -i). Da es sich bei zuletzt genannten um ehemalige Verben handelt, kann man sie dementsprechend nach Zeitverhältnis und affirmativ/negativ anpassen. 
Um das Ganze zusammenzufassen: Es ist lohnenswert, vor einem Austausch sich mit den Grundlagen einer Sprache vertraut zu machen: Man muss mit der Sprache zumindest ein wenig umgehen können um sich verständigen können und man soll im Austausch nicht nur die Sprache lernen, sondern auch mit ihr umgehen können, da das Hauptziel ein Kulturaustausch ist. Ich gebe zu, ich konnte anfangs noch nicht viel, doch immerhin konnte ich die wichtigsten Floskeln und Begrüssungsformeln um nicht ins "Hände-Schüttel-Fettnäpfchen" zu treten. In Japan verbeugt man sich zur Begrüssung und spricht die Worte "Hajimemashite! Doozo yoroshiku onegaishimasu". Übertragen heisst das übersetzt: Sehr erfreut, ich freue mich Sie kennen zu lernen. Auf höchstem Höflichkeitsniveau.
4 von 5 Tagen habe ich mit dem Studium von Grammatik verbracht, wo ich stundenlang Sätze wie "Ich schnitt gestern ein Blatt Papier mit einer Schere" aufsagen konnte. Heute (am Freitag) aber, begann ich mit den Kanji. Zur korrekten Strichfolge (um auch eine Sauklaue lesen zukönnen) muss man Bedeutungen in der eigenen Sprache, so wie ALLE Aussprachen auswendig lernen. Es gibt 2 Lesungen: Die chinesische und japanische. Die Schwierigkeit stellt sich jetzt darin, im Zusammenhang die korrekte zu finden, da es manchmal mehr als eine chinesische Lesung gibt. Ich denke, da hilft nur Übung und viel lesen. Auf jeden Fall hatte meine Stirn nach der Stunde die Oberfläche der Schweizer Alpen und in meinen Augen müssen Fragezeichen förmlich geblinkt haben. Ausserdem ist meine Lehrerin nicht gerde eine Freundin grosser Worte oder klaren Anweisungen. Doch die Kanji sind etwas Einzigartiges: Sie haben alle ihren Ursprung in Piktogrammen und ein japanischer Text ist eigentlich eine Geschichte in Bildern erzählt. So lernte ich heute zum Beispiel, warum China das Reich der Mitte genannt wird und Elektrizität aus den Zeichen Regen und Blitz besteht. Für die nächsten paar Monate habe ich mich bereits selbst mit Lernmaterial versorgt und im Arrival-Camp erhielten wir je noch ein Kanji- und ein Grammatikbuch. Es ist die Pflicht eines jeden Austauschschülers, teilweise sogar während der Schulzeit, aber zumindest immer nach der Schule für sich selbst die Sprache zu lernen. Schliesslich muss man beweisen, dass man sich in Land und Kulur infügen will.

Montag, 23. März 2015

A japanese life

Das Leben auf den japanischen Inseln ist anders. Sehr anders. Japaner sind Meister in Gegensätzen, sie lieben Traditionen und neuesten Schnick-schnack. Jeder Tag beginnt früh, die japanische Hausfrau wäscht Wäsche jeden Tag und bereitet das Frühstück vor. Ich selbst habe schon sehr spezielle Dinge gegessen. Im Olympia-Center gab es Algensalat, frische Algen und sogar Fritten zum Frühstück. Letztere habe ich nicht angerührt.
Im Hause meiner Gastfamilie gibt es die Reste des Abendessens, gekochten Brokkoli, omochi, ohagi aber auch Rührei. Ohagi ist Klebreis mit Anko (SEHR süsse Soyabohnenpaste oben drauf, Omochi sind irgenwelche Klötzchen, die man in die Mikrowelle gibt, bis sie auf das 3-fache ihrer Grösse aufgegangen sind. Danach tauch man das omochi in Soyasauce und umwickelt sie mit einem Noriblatt (Algen)). Zum Frühstück darf Reis natürlich nicht fehlen, davon verstehen Asiaten definitiv etwas. Brot ist bis auf Milchbrötchenpappe nicht existent, das wird wohl das erste sein, was mir an Essen von der Schweiz fehlen wird. Yoghurt kennen sie auch: Es gibt alle Sorten von Früchtemix bis Aloe Vera- was besser schmeckt als klingt.
Für westliche Menschen gibt es 2 Prinzipien: Zuschauen, nachmachen und zuerst versuchen, dann urteilen. Sashimi von Mini-Calamares (im Ganzen, mit gruselig weiss-gekochten Augen) ist etwas vom ersten, das ich hier Zuhause versucht habe. Dafür steht mir der Ausländer-Schreck Natto noch bevor: Fermentierte Soyabohnen (die ziehen Fäden), die unglaublich widerlich riechen sollen und auch so aussehen, sind der Stolz der Japaner: Nur ein wahrer "nihon-jin" kann sie trotz des Gestanks lecker finden und essen. Ich bin ja mal gespannt, bei uns im Kühlschrank habe ich bereits welche gesichtet.
Zurück zum Thema. Das Frühstück, das sehr süss, sehr salzig, warum und kalt zugleich sein kann wird am Tisch gemeinsam gegessen. Dabei spricht man zuerst die Worte "Ittadakimasu" und danach "Gozoosamadeshita" und faltet dabei die Hände. Man kann dies nach Übersetzung mit einem Tischgebet vergleichen und obwohl die meisten Japaner nicht sehr religiös in unserem Sinne sind, haben sie einige uralte Traditionen bewahrt.
Japaner sind ebenfalls Meister im Lava- (Man-darf-den-Boden-nicht-berühren)-Spiel. Am Eingang jedes japanischen Hauses befindet sich ein kleiner Absatz,der in die Höhe geht. Wenn man den Eingangsbereich betritt, entfernt man zuerst einen Schuh, steigt auf den Absatz und danach den anderen, ohne den Boden zu berühren. Danach werden die Schuhe mit Blick zur Türe am Absatz hingestellt. Diese Probe habe ich bis jetzt ohne Peinlichkeit bestanden. Das Haus gilt als rein und Japaner sind unglaublich saubere Menschen. Wenn man nun in den Wohnbereich gelangt, wäscht man sich die Hände und spült den Mund mit Wasser aus. Das soll vor Krankheiten bewahren und macht Sinn, da die Bevölkerungszahl unglaublich hoch und dicht ist.
Zum Thema Reinheit gibt es noch die Episode mit dem Bad: Man wäscht sich abends. Der Körper wird ausserhalb der Wanne mit Seife abgewaschen und danach steigt man sauber ins Wasser. Die Haare werden jeden Tag gewaschen. (Diese Angewohnheit habe ich zum Schutz meiner Haare abgelehnt, auch wenn ich jetzt vermutlich ihren Ekel erregt habe).
Ein weiteres Thema wäre hierbei das Örtchen worüber keiner spricht. Lasst uns doch einmal über das Washlet vs. die japanische Toilette sprechen. Von den ersteren haben wir 2 im Haus, ich kann beide bedienen, was allerdings nur das Drücken zweier Knöpfen mit Piktogrammen erfordert. Erstere wäre das  Öffnen/Schliessen des Klodeckels und zweitere der Eco-Button, wo das im Spülkasten eingebaute Waschbecken installiert wird. Es muss einen Kreislauf vorhanden sein, dass das Hände-Wasch-Wasser als Spülwasser verwendet. Strom und Wasser ist unglaublich teuer und rar in Japan. Das erklärt das Badewasser und den Eco-Button des Washlets. An einigen Punken muss gespart werden, sonst geht der Stromverbrauch der Familie ins Unsermessliche (mh.. Washlet), aber dazu später mehr.
Die traditionelle Toilette habe ich bis jetzt gemieden. Sie sieht aus wie eine türkische, nur dass sie länglich ist und ein Ende wie eine Kapuze hat. In diese Richtung hockt man sich dann hin. Spülung ist nicht existent.


Es gibt viele Details, die einem Europäer ins Schwitzen treiben können. Dazu werde ich hin und wieder einen Eintrag verfassen um nicht nur meine Erlebnisse sondern die Kultur der aufgehenden Sonne beschreiben. Die Unterschiede sind teilweise nur klein, aber sichtbar.


Sonntag, 22. März 2015

Das erste Wochenende "Zuhause"

Letzten Samstagmorgen wurden wir von den AFS Volunteers zum Bahnhof Tokyo gebracht. In meinem Fall genauer Tokyo-Station. Was für ein Chaos! Rush-hour am Zürich Hauptbahnhof ist gar nichts dagegen: Ströme von Menschen von überall her, ein riesen Gewusel. Man wird ganz klaustrophobisch, da die Decken sehr niedrig sind und man zu sehr damit beschäftigt ist, seine Gruppe nicht in der Masse zu verlieren. Glücklicherweise stehen an den Schaltern noch mehr Menschen herum, die die strikte Anweisung haben, jedem zu sagen, dass er sein Ticket nach dem Einführen in den Automaten (zur Kontrolle) auch wieder mitnehmen muss. Das Ticket muss man am Ende seiner Reise an einem Bahnhof wieder in einen Schalter einführen, um den Bahnhof wieder verlassen zu können.
Nach 2h Fahrt in einem Shinkansen mit einem schwedischen Gefährten, der im selben Chapter (AFS Austauschschüler derselben Gegend) gelandet ist wie ich, kamen wir am Bahnhof Joetsu an. Meine kleine Gastschwester wartete dort auf mich. Klein trifft es ziemlich gut, sie ist 16, sieht aber jünger aus und ist etwa einen knappen Kopf kleiner als ich. Mein LP (liason Person) war ebenfalls da und hat mir ihre Karte überreicht.
Nach einigen Fotos (um die kommt man in Japan nicht herum) brachte mich meine Gastfamilie zum Auto und schliesslich zu ihrem Wohnsitz, der nun mein Zuhause für 5 Monate sein sollte. Meine neue Familie besteht aus 2 Schwestern und den Eltern. Haustiere haben wir keine, dafür einen elektrischen Staubsauger.
Ich teile mir mein Zimmer mit meiner kleinen Schwester, allerdings ist unser Zimmer mithilfe eines Regals in 2 Teile geteilt. Ich schlafe auf einem zusammengeklappten Sofa, wo ein Futon mit 2 riesigen Decken darauf aufgebreitet ist.
Am Nachmittag gingen wir erst mal einkaufen: Das Abendessen (aus Sukiyaki und Reis bestehend) und in einer Art japanischer IKEA, wo ich meine eigenen Stäbchen, Miso-Suppe-Schüssel und Reisschüssel und ein Kopfkissen mi Bezug erhielt.
Nach einem Abendessen durfte ich als allererste ins Bad: Wie schon erwähnt, badet man hier abends und die ganze Familie benutzt dasselbe Wasser. Ich als Ehrenperson durfte als erste baden und im Gegensatz zum öffentlichen Bad im Olympia-Center ist das Wasser hier 42 Grad, weshalb meine Haut danach die Farbe von einem Hummer hat. Es ist allerdings ziemlich entspannend, deshalb freue ich mich jeden Abend auf das Bad.
Auch Sonntags wird früh aufgestanden: Ich habe allerdings zuerst den Fehler gemacht, zu sagen, dass ich normalerweise um etwa 9 Uhr aufstehe. Nachdem ich erfahren habe, dass meine Gastmutter um spätestens 5 aufsteht, war mir das ziemlich peinlich und ich war dementsprechend am nächsten Morgen schon um viertel vor 6 in der Küche.
Frühstück gibt es am Sonntag um 7, dabei wird wie zu jeder Mahlzeit in die topmoderne Röhre geguckt, wo meisten eine Sendung über japansiches Essen läuft. Zu meinem zwar nicht ersten japanischen Frühstück, das aus seltsamen Dingen bestand (Vom Westen aus betrachtet), lief eine Sendung über eine Fischerei und beim Anblick der blutigen Fische im Fernsehen, fing das Sukiyaki von gestern Abend und der Aloe-Vera-Yoghur (kein Scherz) etwas zu rumoren an.
Später wurde ich kurz den Grosseltern vorgestellt. Dort erhielten wir ein Tässchen Tee und eine Menge Esswaren: Offensichtlich erfüllen auch die östlichen Grossmütter das Klischee, ihre Nachkommen reichlich mit Essen zu versorgen.
Mein Nachmittag verbrachte ich  dann mit japanisch Lernen- bis Onkel und Tante inklusive 2 Kinder hereinschneiten um Hallo zusagen.
Am Abend assen wir schliesslich im Auto auf einem Schulhausparkplatz einige japanische Varianten von Sandwich. Das 28. Jahreskonzert der Brass-Band der Senior Highschool stand an, und man würde erst spät Nachhause kommen (9 Uhr heisst das). Das Konzert allerdings war ziemlich japanisch: Praktisch fehlerlos und jede noch so schwierige und künstlerische Formation, die die Drummer einnahmen, sass perfekt. Eine ziemlich interessante Erfahrung, mir hat es ziemlich gefallen, auch wenn ich den ersten der drei Teile etwas verschlafen habe. Vielleicht ist das noch das ungewohnte japanische Leben und Jetlag.
Den Montagmorgen verbrachte ich vor dem Fenster und in einer christlichen Kirche. Dort findet mein japanisch Unterricht, den ich bis diesen Freitag mit meinem schwedischen Kollegen besuche. Nach 90 Minuten Unterricht fragten wir uns, warum wir auf die Idee gekommen sind, Japanisch zu lernen und mein Magen wann und mit was er als nächstens gefüttert wird.
Mein Nachmittag verbrachte ich darauf hin mit meinen Büchern und diesem Blogeintrag.


Mein neues Zuhause (Aussicht aus Fenster)



                                        Mein Zimmer mit gemachtem Futon: Dieser wird jeden Morgen  
                                               umgedreht, um verlüften zu können

Samstag, 21. März 2015

Endlich da, aber wirklich da?

PpNun haben es auch die letzten Austauschschüler der Schweiz in die Ferne geschafft: Nach 12h Flug erreichten wir den Flughafen Narita in Tokyo. Um zuerst dorthin zugelangen, mussten wir uns bereits den ersten Problemen in den Weg stellen, wie beispielsweise sich einen Sitzplatz im Flugzeug zu ergattern. Trotz Reservation scheint bei einem überbuchten Flug ein Sitzplatz nicht immer garantiert zu sein -Beim online-check-in erhielten 4 von 5 von uns ein "standby" Ticket. Bei diesem handelt es sich um ein Provisorium ohne konkrete Sitzplatznummer. Doch schliesslich konnten wir im Flug LX160 pünkltich losfliegen. Ganz ohne Turbulenzen ausserhalb wie innerhalb des Flugzeugs konnten wir unsere 12 Stunden absitzen um endlich unserem Traum näher kommen zu können.
Leider bereiteten uns bis jetzt unverstandene Probleme bei der Immigration Sorgen. Unsere kleine Gruppe vertrödelte bei den Schaltern sehr viel Zeit ohne zu wissen warum. Doch schliesslich konnten wir uns doch noch bei AFS Japan melden und wir wurden freundlich empfangen- in schönem Japanisch und ein klein wenig Englisch. Erschöpft von der Reise war unsere Sehnsucht nach Dusche und Hotel sehr gross, doch leider wollte sich dieser Wunsch nicht erfüllen- Unsere Zimmer seien erst ab 3 Uhr verfügbar, weshalb wir diese Zeit nun am Flughafen verbringen sollten. Natürlich wurde zuerst der Duty-free besichtigt. Berge von Kitsch türmen sich in den Läden, wunderschönes Tradidtionshandwerk und eine Menge nicht identifizierbares Essen. In den restaurants ist beim Eingang in der Vitirine das ganze Menu ersichtlich, doch nicht in schriftlicher, sondern plastischer Form. Viele Teller mit wirklich appetitlichen Gerichten aus Plastik erleichtern dem Touristen seine Wahl nach Essen und sparen Kunde und Kellner Zeit, Nerven und Peinlichkeiten.
Einige Minuten nach 12 hiess es Hiru-gohan: Das mittagessen. Uns wurde ein Onigiri (japanisches Sandwich aus Reis gefüllt mit Allerlei) und ein Melon-pan (Süsses "nature"-Brötchen, das den teig von Windbeuteln hat) serviert. Danach war unsere Wartezeit noch auf 2 h geschrumpft. Nach einem weiteren Spaziergang durch den dutyfree (der auf der Aussichtsplatform des Flughafens endete) waren wir wirklich komplett übermüdet und erschöpft. Hier konnte Eis-kaffee helfen- und die Nachricht, das es nun endlich weiterging.
Den 10-minütigen Weg zum Narita Nikko Hotel legten wir mir einem Shuttlebus zurück. Weitere Volunteers wareten auf uns, doch wenigstens wurden uns nun den Treffpunkt zum
Abendessen und der Zimmerschlüssel überreicht, dann durften wir endlich den Schmutz der Reise abwaschen und uns auf den Betten entspannen.
Die Versuchung war gross, einfach einzuschlafen, doch um dem Jetlag zu widerstehen muss man sich unbedingt dem jetzigen Rhythmus anpassen.
Ganz Japan liegt in einer Zeitzone, die 8 Stunden voruauszählt. Dies macht sich erst auf weichen Möblen bemerktbar und resultiert darin, dass die Grativation zuzunehmen scheint und die Augendeckel unweigerlich zuklappen möchten.
Das Programm für heute Abend sieht wie folgt aus: Essen und Schlafen. Dies ist uns allen nach den vielen Stunden am Flughafen nur recht und Schlafentzug macht bekanntlich auch Hunger.  Es ist allseits bekannt seine Uhren, Essgewohnheiten und Schlafenszeiten sofort nach Ankunft ohne Ausnahme in den Tagesablauf der Japaner einzu planen, sonst wird man das Jetlag nie los.
Ich teilte mein Zimmer miteiner schwedin und Grönländerin- Die eine Anfängerin wie ich, die andere erprobt wie die anderen aus meiner Schweizer-japanisch-Gruppe.


Narita Airport: Plastikmenüs im Schaufenster




                      



                                 (Auch In Tokyo findet man tranditionelle Orte wie Stadtparks/Brücken)
Nach einem Frühstück in einem total prunkvoll dekorierten Saal machten wir uns auf den Weg durch Tokyo zum Olympia-Center.  Dort wohnten viele Geschäftsleute, es gibt tonnenweise Getränkeautomaten mit nicht identifizierbarem Inhalt und eine Cafeteria wo wir alle paar Stunden aufgefordert wurden, etwas zu uns zunehmen. Das Arrival-camp sollte uns wichtige Informationen mitteilen und uns auf die Ankunft in der Gastfamilie vorbereiten. Das heisst, wir sollten auch im Umgang mit japanischen Bädern geübt sein und uns "relaxt" fühlen, wie man uns mitteilte.
In Japan wird am Abend gebadet, man sitzt wäscht sich da bei ausserhalb der Badewanne mit Seife (Die Haare werden jeden Tag gewaschen..). Danach setzt man sich in die Badewanne, die meistens eine Temperatur über 40 Grad Celsius aufweist. Die Temperatur in dem öffentlichen Bad (ja öffentlich, jeder wäscht sich im Eva-Kostüm nebeneinander) war ganz angenehm warm. Nach etwa 20 Minuten wird es dann wirklich heiss, die Poren öffnen sich und man fühlt sich ganz entspannt. Danach trocknet man sich ab und legt direkt einen Pijama an. Ich kann jedem das Bad nur empfehlen, vor allem wenn man dank seinem Alltagsleben zu schmerzhaften Verspannungen neigt.
Das japanische Frühstück ist kein Frühstück im westlichen Sinne: Man isst Reis, Miso-Suppe und genau das, was man auch zum Abendessen würde. Seetang inklusive. (Ich glaube meine Ernährung hat 120 Punkte auf einer Skala erreicht.) Einfach probieren und danach urteilen, nicht umgekehrt heisst das Prinzip. Meistens ist man Positiv überrascht. Der ultimative Ausländerschreck, Natto (googelt es mal) steht mir allerdings noch bevor.
Auf jeden Fall habe ich eine super Zeit mit Austauschschülern aus aller Welt verbracht und fuhr am Samstagmorgen via Tokyo nach Joetsu zu meiner Gastfamilie.


Tokyo by night

Montag, 16. März 2015

Ich packe in meinen Koffer...

Nun wird es ernst: Ein Koffer- 20 kg Gepäck Limite, was kommt mit?

Natürlich zuerst einmal Gastgeschenke. In Japan wird Wert auf solche Gepflogenheiten gelegt. Da auch bei uns in der Migros mit Ostereiern und Hasen um sich geworfen wird, darf nebst der Toblerone auch kein Lindt-Goldhase fehlen. Dazu gibt's noch die passenden Schokoladen-Täfelchen mit Schweizer Sujets drauf.
Japaner lieben Kitsch. Deshalb habe ich mir bereits etwas an patriotischem Nippes zugelegt- den Rest findet sich am Flughafen. Dort finden sich so viele Ziergegenstände wie Schweizer-Gummienten, dass selbst einem Nicht-Patrioten wie mir das Herz weich wie Fonduekäse wird.
Nun muss Frau sich für Kleidung entscheiden. Glücklicherweise kann ich auf eine Skijacke verzichten- laut Klimadiagramm wird eine Regenjacke nötiger sein.
Was ebenfalls eine Menge Platz in Anspruch nimmt, sind die Berge an Dokumenten: Informationen über Japan, Regeln seitens AFS, meine Japanisch-Bücher, Passfotos, Notfallnummern und und und..
Vieles lässt sich dort kaufen, fragt sich bloss, wann ich die Gelegenheit dazu habe.
In meinen ersten 3 Tagen werde ich mich in einem Arrival-Camp in Tokyo befinden. Spaziergänge und Shoppingtrips auf eigene Faust werden vermutlich nicht erlaubt sein- sollte je Zeit dazu bleiben.
Also sollte man sich rechtzeitig für die ersten 2 Wochen Badezimmerartikel in Mini-Grösse organisieren.
Es ist nun Montag, der 16. Dezember. Ich werde nun morgen um 1 Uhr mittags die Schweiz verlassen. Seltsamerweise hat sich neben all meinen Einkäufen und Besorgungen doch noch keine Nervosität dazugesellt- Eher eine rasant ansteigende Vorfreude. Vielleicht habe ich durch meine Hello-Kitty-Blümchen-Brille noch nicht den Ernst der Lage realisiert. Ich bin jedoch überzeugt, dass die Angst und Nervosität sich im stillen Dunkeln anschleichen, dann bleibt noch genügend Zeit übrig um sich in einer schlaflosen Nacht von einer Seite auf die andere zu wälzen und den Inhalt des Koffers zum 7. Mal durchzudenken.

Dienstag, 3. März 2015

Ende und Anfang?

Mein Abflug steht kurz bevor, doch ich kann mir nicht vorstellen, für 5 Monate die Schweiz zu verlassen. Ich denke, dieses Bewusstsein wird erst mit dem Eintreffen in die Schule und Familie eintreffen. Ich war zwar schon ohne Familie im Urlaub, jedoch habe ich mein Heimatland nie länger als 3 Wochen verlassen.
Es gibt einiges das man zurücklässt, als Preis für sein persönliches Abenteuer. Darunter gehören Freunde, Freund und enge Familie. Klar, man kommt schliesslich nach Hause zurück, doch werden die Freundschaften noch bestehen, bzw. noch dieselben sein?
Ich freue mich auf meine "neue" Familie, die natürlich nicht die eigene ersetzen kann, und es gewissermassen doch tut. Ich hoffe auf neue Freunde, die ich im Bewusstsein, sie einige Monate später wieder verlassen zu müssen, kennen lerne.
Was man dafür erhält, ist eine (hoffentlich) wunderbare und auf jeden Fall unvergessliche Zeit. Es werden Erinnerungen und Anekdoten entstehen, die man noch seinen eigenen Enkeln erzählen kann.
Man erlernt und erfährt neue Betrachtungsweisen und Wege Probleme zu lösen. Nebenbei lernt man die Sprache und Kultur kennen, die man schon immer lernen wollte.
Ist es nicht seltsam, einfach für Geld und ein bisschen bürokratischen Aufwand ein neues Leben führen zu können?
Meine grössten Zweifel betreffen nicht, die Schweiz zu verlassen, sondern zurückzukommen. Werde ich mich wieder Integrieren können? Niemand bleibt unverändert nach solchen Erfahrungen, doch inwiefern beeinflussen sie den Alltag? Solche Fragen bleiben stehen werden sich selbst erst nach meinen Eintreffen in die Schweiz beantworten.