Samstag, 27. Juni 2015

In der (Kultur-)haupstadt 京都

Dieses Wochenende verbrachte ich ausserhalb meines gewohnten Lebensraumes: Endlich fand unser lange geplanter Trip nach Kyoto statt. Dafür benötigten wir 5h von Joetsu bis nach Kyoto, weshalb ich am Freitag schnurstracks von der Schule nach Hause musste und wir zu viert nach 5 Uhr abends starteten. Meine ältere Schwester ist vor einiger Zeit in ein Apartement nach Tokyo gezogen, weshalb sie direkt von Tokyo einen Shinkansen (Schnellzug) nach Kyoto nahm. Das Abendessen gab's an einer Tankstelle und vor elf Uhr abends erreichten wir unser Hotel in der Nähe des Kyotoner Hauptbahnhofs. Ich verbrachte die allererste Nacht (nach 3 Monaten in Japan) alleine in einem Zimmer. Am Morgen trieb mich meine Neugierde auf die Strassen Kyotos, zu einem Spaziergang um den Bahnhof. Leider versagte mein Erinnerungsvermögen und ich wagte den Schritt, einen Japaner nach dem Weg zu fragen. Dies sollte ein Ausländer nur unter zwei Bedingungen tun: Wenn man die Sprache einigermassen versteht und noch viel wichtiger, die Gestik und Logik der Leute. Japaner neigen dazu, einfach in irgendeine ungefähre Richtung zu deuten, wenn sie einem nicht weiterhelfen können. Sie wollen unbedingt helfen und sind zu stolz um zuzugeben, dass sie den Zielort nicht kennen. Wenn man allerdings bemerkt, dass die vor einem stehende Person weiss, was sie sagt, ist die japanische Wegbeschreibung unfehlbar. 
Koyoto Tower: ein Wahrzeichen der Stadt
Den gesamten Samstag verbrachten wir mit Sightseeing: Wir besuchten 4 der berühmtesten Tempel, einschliesslich Jagd auf Mitbringsel. Wir starteten mit dem "Sanjusangendoo", einem länglichen Tempel mit hunderten von einzigartigen Buddhastatuen. Jedes Gesicht sieht anders aus. Aus Repsekt vor der ursprünglich indischen Religion war es verboten, im Inneren Fotos zu machen, jedoch der kleine Garten konnte ich in Fotos festhalten. Wir trafen auf sehr viele Schüler in Uniform: In der Mittelstufe (7-9 Schuljahr) ist Kyoto eine beliebte Destination für den alljährlichen Schultrip.
Der nächste Stopp war ein Tempelgelände mit farbenfrohen Tempeln, üppigem Grün und viel Mystik: Man kann sich für 200 Yen ein Orakel vorlesen lassen oder von geweihtem Wasser trinken. Die Aussicht muss man sich allerdings erst verdienen, in dem man die zum Tempel führende Shoppingmeile durchquert. Die Läden haben allerdings tolle Souvenirs und lokale Spezialitäten im Angebot. Kyoto ist berühmt für Matcha und verschiedene Süssigkeiten, weshalb ziemlich viele Läden vor grüner Farbe nur so strahlten.
Man beachte hier die Mittelstüfler im Hintergrund
Nach einem Mittagessen in einem Restaurant (In Schweizerdeutsch würde es man wohl "Spunte" nennen), besuchten wir den berühmten "Ginkokuji"(Silbertempel) und anschliessend den "Kinkokuji"(Goldtempel). Auch wenn sie einen sehr ähnlichen Namen tragen, sind sie nicht nur historisch betrachtet sehr weit entfernt. Man  benötigt circa eine halbe Stunde Fahrt zwischen den beiden Orten. Die Atmosphäre ist auch total anders: Der "Ginkokuji" ist von einem dicht bewachsenen Garten umgeben und trotz einiger Leute ist es total still und meditativ. Bei der Besichtigung des "Kinkokuji" traf ich das erste Mal auf chinesische Touristen, welche ich nicht nur an der Sprache erkannte, sondern auch an dem Gerempel und Herumgeschreie. Ich persönlich sehe mich nicht als Tourist, schliesslich wohne ich derzeit hier und bin in der Lage mich mit den Einheimischen zu verständigen. Die Einheimischen sprechen mich auch häufig an, wenn sie sehen, dass ich a) mit Stäbchen umgehen kann und b) mit meinem Gastgeschwistern in der Landessprache sprechen kann. Mein Selbstwertgefühl hat in den letzten 24 Stunden eine Menge Streicheleinheiten erhalten.
Nach einem unglaublich spannenden Tag verbrachten wir Abend und Nacht in einer Pension mit dem Namen "Leblanc". Japaner lieben den französischen Flair. Allerdings nicht nur der Name ist französisch sondern auch grösstenteils Inneneinrichtung sowie sogar den Geruch! Wer einmal in einem "maison d hôte" übernachtet hat, kennt den Geruch von getrockneten Blumen und dem Geruch von Holz in Baumwollkissen festgehalten. Das Bad war zur Freude meiner schmerzenden Beine japanisch: Circa 1m hoch stand das 42 Grad (warme?) Wasser in der Badewanne. Die Zimmer bestehen nur aus Betten, 2 Tischchen und einem Fernseher in der Grösse von etwas mehr als einem A-4 Blatt(Wifi gab es allerdings). Toiletten, Waschbecken, sowie Bad sind ausserhalb der Zimmer und Gemeinschaftsgut. Da Japaner ca. 10 Minuten (kein Scherz, ich sehe das jeden Tag in der Mittagspause!) sich die Zähne putzen, hat man genügend Zeit um durch die Gegend zu wandern. Ein lustiger Fakt: Japaner putzen sich die Zähne vielleicht deswegen solange, weil der Zahnbürstenkopf der halben Grösse von unseren entspricht. Deswegen schaffen sie dies auch ohne zu sabbern.
Das Abendessen war zu meiner grossen Überraschung französisch/italienisch. Man begannn mit Proscuitto(Kein Kommetar zu meiner Rechtschreibung) und Parmensan Salat, ging über zu einer Schüssel Cazpaccio und die Hauptgänge bestanden aus einem Stück Lachs mit Gemüse und anschliessend Schweinefleisch am Stück, welches den Gebrauch von scharfen Messern erforderte. Hierbei konnte ich mit meinen Kenntnissen über mediterrane Küche sowie Essensmanieren glänzen. Meine ältere Schwester ass zum ersten Mal ein Stück Fleisch am Stück: Hier ist Fleisch immer in Stäbchen gerechte Häppchen geschnitten. Häufig so dünn, dass schweizer Metzger grosse Augen machen würden. Ich allerdings machte grosse Augen bei dem Austeilen der scharfen Messer: Es handelte sich um praktisch diejenigen, welche wir auch in Frankreich besitzen: Eine  leicht gebogene Klinge mit Kante und  einer Zikade zur Zierde. Die Welt ist klein!
Bei einem anschliessenden Spaziergang zum nächsten Konbini wurde mir mal wieder die Ruhe dieser alten Stadt bewusst: Man verzichtet meist auf Strassenlaternen und auch die Ampeln, welche in Joetsu 24h am Tag bimmeln, geben in der Nacht keinen Piep von sich. Dies dient alles um das Bild der Stadt zu bewahren. Kyoto war früher die Hauptstadt von Japan, ihre Kanji bedeuten beide Hauptstadt. die Kanji von Tokyo (東京) bedeuten Osten und Hauptstadt Die stolzen Bewohner der alten Hauptstadt behaupten heute allerdings gerne noch, dass Kyoto die wahre Hauptstadt ist. Auch wenn sie es in einer halbernst gemeinten Tonlage sagen, ist die andere Hälfte ihres Bewusstseins von der Wahrheit dieser Aussage überzeugt.
Am Sonntag habe ihc zum ersten Mal seit meiner Ankunft wahres, knuspriges Brot gegessen. (Ich entschuldige mich für die Irrelevanz dieser Information, doch es musste mal gesagt werden). Unser erster Stopp hierbei war ein Tempel mit dem Namen Ryuanji, der einen Innenhof ausgelegt mit weissen Kieseln und Felsen darin hat. Das ganze ergibt den Eindruck von Felsen in einem stillen Meer, was unglaublich schön anzusehen ist. Der Garten beherbergt einen Teich mit Lotusblüten, welche im August ihre Hauptblütezeit haben. Grün ist die Farbe des Sommers in Japan und Moos wächst dicht und überall auf Boden und Bäumen.

Zur letzten Lokalität fuhren wir einige Zeit in den Stadtbezirk "Arashiyama", wo viele berühmte Tempel sind, und es vor Souvenirs sowie Touristen nur so wimmelt. Kurz nach unserer Ankunft begann es leider zu regnen, was allerdings nicht sonderlich überraschend ist, da hier momentan Regenzeit herrscht. So flüchteten wir zu erst in einen kleinen Tempel, der allerdings berühmt für die Deckenmalerei des japanischen Himmmelsdrachen ist. Die ganze Decke ist ausgefüllt mit der Malerei und unglaublich beeindruckend. Leider waren Fotoapparate nicht erlaubt.
Als letztes besuchten wir den nebenanliegenden Tempel "Tenryuji", was Tempel des Himmelsdrachen bedeutet. Den Tempel selbst haben wir nicht betreten, doch dafür den Garten, der die Hauptattraktion darstellt. Es gibt einen riesigen Koi-Teich, diverse Pflanzen und einen Pfad, der meterhoch mit Bambus gesäumt ist. Viele Fotos und später verliessen wir das Gelände. Es folgten 45 Minuten für individuelle Einkäufe auf der Touristenmeile, danach 7h Fahrt zurück nach Joetsu.

Kyoto war ein Highlight meiner Reise nach Japan, man kann findet Tempel an jeder Strassenecke. Nachts ist es ruhig, tagsüber sprudelt die Stadt voll Leben und hat doch ihre Mystik bis heute bewahrt. Man findet Ausländer und flippige Klamotten nebst jungen Mädchen in Yukatas. 

Samstag, 20. Juni 2015

Gold, Toki, Sonne und Meer

Um Emma's Abschied zu feiern, wurde ich heute von ihrer Familie zu einem Ausflug eingeladen: Bevor zehn Uhr morgens nahmen wir die Fähre nach Sado, einer Insel an der Westküste Japans. Die Insel ist ziemlich gross und berühmt für viele traditionell japanische Dinge, von denen ich später berichten werde.
Nach guten einenhalb Stunden Fahrt auf einer riesigen Fähre, deren Innenräume Ähnlichkeit mit einem Flugzeug aufweisen, landeten wir auf der Sado Insel.
Glücklicherweise waren wir nach circa einer Viertelstunde im Besitz von zwei Autoschlüsseln um auf der Insel herumfahren zu können. Unser erster Stopp war bei einer wunderschönen Bucht mit klarem Wasser, Bäumen, Muscheln und vielen Fischen. Wir  stiegen dort für eine Halbestunde in ein fassähnliches Boot namens "Tairabune" um. Diese Boote liegen sehr tief im Wasser und man hat ein sehr seltsames Ruder um zu steuern. Dank meiner wasserdichten Kamera sind mir einige gute Schnappschüsse gelungen.

Nach einem Zwischenhalt im Ramen-Shop ging's weiter zu einem Museum für Goldwäscherei. Man konnte sich 30 Minuten selbst beim Goldwaschen versuchen, wobei ich allerdings ziemlich scheiterte. Die Erfahrung war es trotz der Rückenschmerzen wert. 
Nach einem belohnenden Eis, beschloss man, die Hauptattraktion trotz Zeitmangels doch noch zu besuchen: Der berühmte rot-weisse Toki-Vogel, das Wahrzeichen von Niigata oder zumindest von Sado. In einer Zuchtstation sind viele grosse Käfige mit verschiedensten Vögeln, die man von Ferne auch mit Fernglas gut beobachten kann. Vor knapp 100 Jahren sind die Toki-Vögel beinahe ausgestorben, doch mit Hilfe von China ausgeliehenen Vögeln konnte die Art gerettet werden. Heute leben alle in dem Park, doch man versucht, sie irgendwann wieder auswildern zu können.
Nach einem Schläfchen im Auto schafften wir es rechtzeitig wieder zurück zur Fähre. Dabei machten wir alle grosse Augen: Eine Gruppe Ausländer war ebenfalls unterwegs! Auch wenn Sado eine Touristenattraktion ist, sind Ausländer in Joetsu selten. So selten, dass Emma und ich jedes Mal erstaunt "ein Ausländer!" flüstern. Die Fahrt auf dem Boot ist allerdings nicht sonderlich spannend: Es gibt kaum ein Deck, welches nach draussen führt, so dass man meistens auf seinem Sitz sitzen bleibt. Auf  dem Hinweg fütterten wir einige Möwen mit Senbe, den japanischen Reiscrackern/Chips. Dies war auch schon die Hauptattraktion des Bootes.
Emma's Familie ist unglaublich lustig: Es wird Englisch und Japanisch gesprochen, da der Vater ebenfalls Amerikaner ist. Ihre zwei Gastgeschwister sprechen beide Englisch und Japanisch, so wechselt man immer wieder zwischen den Sprachen ab. Auch sie sind bereits in einer traurig, deprimierten Stimmung und Emma kann es sich noch gar nicht vorstellen, dass sie schon so bald wieder "nach Hause" fliegt.

Freitag, 19. Juni 2015

Geometrie innerhalb Sprache

Heute absolvierte ich -schlussendlich-meinen Kanjitest. Da ich schon lange nichts mehr geschrieben habe, möchte ich heute etwas über die wunderlichen Zeichen der Chinesen und Japaner sprechen. Kanji wurden ursprünglich aus China importiert, inklusive Aussprache. Da  allerdings für dieselben Dinge die ursprünglichen Japaner bereits ein eigenes Wort hatten, gibt es zu (fast) jedem Kanji mindestens zwei Aussprachen: Die chinesische tritt meist in Kraft, wenn das Kanji in Kombination mit einem anderen steht. Steht ein Zeichen allein oder gefolgt von einem Zeichen aus den Silbenalphabeten (Hiragana/Katakana) tritt die japanische Lesung in Kraft. So lautet die Regel. Ich liebe japanische Grammatik, da sie praktisch keine Ausnahmen aufweist, bei Kanji lohnt es sich allerdings  gesamte Kanji in Kombination als ein Wort ("Set") zu lernen. Man kann eigentlich nie sicher sein, wie die Aussprache funktioniert, wenn man das Wort nicht kennt. Beispiel: Der Ausdruck Fuji-san für den höchsten Berg Japans hat nichts mit Höflichkeit zu tun, die Aussprache des Kanjis für Berg (山) lautet in diesem Fall einfach -san.
Kanji sind aus verschiedenen Dingen (schlussendlich einzelnen Strichen) aufgebaut. Radikale ist hier ein wichtiges Wort. Der Tag (日) taucht in ganz vielen anderen Kanji auf und wird deshalb als ein Radikal bezeichnet. Komplizierte Kanji kann man sich durch die einzelnen Komponenten viel besser merken.
Wenn man mit den Basics anfängt und auf kompliziertere Exemplare stösst, kann man sich kaum vorstellen, wie man dieses Zeichen schreibt. Man kann meist nicht anders, als ein Kanji mit "Ein Strich mit Dreiecken, einer Box und viel Geschnörkel" zu beschreiben. Beispiel mein Wohnort Joetsu: 上越市. Sobald man sich allerdings mehr mit diesen Fliegenschiss-ähnlichen Gebilden beschäftigt, ergeben sie perfekt Sinn. Ein weiteres wichtiges Stichwort ist die Strichreihenfolge: Jeder schreibt Kanji in der selben Strichreihenfolge. So durchschaut man das Muster und wenn jemand eine wirkliche Sauklaue besitzt (mein Wirtschaftslehrer), kann man nachvollziehen, wie das Zeichen geschrieben wurde. Unglaublich aber wahr: Wenn die Reihenfolge völlig falsch ist, kann man das Zeichen nicht lesen. Deshalb ist Strichreihenfolge auch eine Aufgabe in den Tests. Mein heutiger Test lautet "漢字試験". Das heisst wörtlich Kanji-Test. Er gilt national und kann nur in Japan geschrieben werden, so viel ich weiss. Es gibt 10 Level, von denen das erste und zweite allerdings in zwei weitere Levels unterteilt ist. Ich mutete mir nach 3 Monaten Kanjistudium das 9. Level zu. Ein Japaner lernt diese 300 Zeichen bis zur 2. Klasse Primarschule. 
Die Aufgaben in meinem Level bestanden aus den Basics wie Strichreihenfolge, Antonyme finden, ein Radikal zu vervollständigen und in einem Text die Aussprache hinzuschreiben. Je weiter man vortschreitet, desto mehr Aufgaben werden gestellt. In einem höheren Level gesellen sich beispielsweise Ortsnamen dazu. Da bleibt dem Prüfling nichts übrig, als im Voraus die Kanji für Orte auswendig zu lernen: Die gelernten Regeln treten häufig ausser Kraft und das Wort wird komplett anders ausgesprochen als erwartet.
Eine Herausforderung auch für Japaner sind Namen von Personen: Eltern können bei der Geburt des Kindes irgendwelche 2 oder auch nur 1 Kanji für den Namen verwerden. Folglich hat jeder Name eine Bedeutung: Tanaka heisst beispielsweise "Inmitten des Reisfeldes" (田中)oder Yamamoto "der Ursprung des Berges"(山本). So hat jeder Name eine Bedeutung, und die Aussprache wird denn Eltern zur Entscheidung überlassen. Die Namen der Schüler zu lernen ist eine weitere Herausforderung für Lehrer, die viel Erfahrung erfordert. Man kann leicht in Fettnäpfchen treten, wenn man den Namen falsch ausspricht.
Nicht die Aussprache ergibt das Wort, sondern die Bedeutung der Kanji. Es gibt viele Wörter, die gleich ausgesprochen werden, allerdings etwas komplett anderes bedeuten. Das liegt an den verschiedenen Kanji, die benutzt werden. So kann ich beispielsweise auch den Inhalt einzelner Plakate verstehen, da ich die Bedeutung der Zeichen kenne. Das erfordert allerdings nicht die korrekte Aussprache wie in romanischen oder germanischen Sprachen.
Jeder Japaner fängt in der 1. Klasse Primarschule mit Kanji an- und hört erst nach 9 Jahren wieder damit auf. Die meisten meiner Mitmenschen haben diese Zeit gehasst, ich allerdings bin unglaublich fasziniert von diesen Zeichen. Man benötigt in der Schule allerdings ständig Architektenbleistifte und Unmengen Kreide an der Wandtafel- Dafür viel weniger Platz zum schreiben.

Freitag, 12. Juni 2015

Sporttag Ahoi!


Auch  in Japan gibt es den alljährlichen Sporttag. Meiner fand diesen Freitag statt, und die ganze Woche war die gesamte Schule mit den Vorbereitungen beschäftigt. Dazu gehört beispielsweise das Kreiren eines Banners für jedes Team. Wir haben 15 Klassen insgesamt und teilten diese in 5 Teams ein: Schwarz, Weiss, Blau, Gelb und Rot. Meine Klasse bildete mit Emma's und einer der Erst-Jahrgänger das Team Rot. Als San-Nenn-Sei (Maturandenstufe) waren unsere T-shirts, die jeder Schüler erhielt, bedruckt. So bin ich nun im Besitz eines T-shirts mit allen Namen meiner Klasse und einigen weiteren Kanji, von denen ich aber weiss, was sie bedeuten. Die meisten Mädchen der Abschlussklassen verbringen auch viel Zeit damit, eine aufwendige Frisur zu basteln. dank tonnenweise Haarspray, Gel und Nadeln, überlebten diese sogar den Regen(einschliesslich des Glitzerpuders). Ich muss nicht wiederholen, dass es sich dabei um Japan handelt, oder?
Der Sporttag funktioniert sehr anders als bei uns: Den ganzen Tag wurden einzelne Spiele/Wettbewerbe veranstaltet, für welche man Punkte erhielt. Am Ende werden Sieger in verschiedenen Kategorien (einschliesslich des Gesamt-Ergebnisses) gekürt. Die Spiele wurden am Donnerstag geübt und vorgeführt, damit man einen reiblungslosen Ablauf erhalten SOLLTE. So war der gesamte Donnerstag einen Tag im Freien, Turnhallte und Dojo, wo wir in Blocks bestimmte Sachen planten und einübten. 
Jedes Team lernte einen Tanz und einen Song für das Team, und die Schulhymne wurde ebenfalls nochmals geprobt. Bei unserem handelte es sich um den traditionellen Fischer-Tanz aus Hokkaido. Link:http://youtu.be/lbbBR-lTA3g (und ja, den Typen am Anfang verstehe ich sogar)
Aufgrund meiner zufriedenstellenden Ergebnisse beim 100m-Lauf im Turnunterricht wurde ich zu einer der 20 Stafetten-Läufern ausgewählt. Ansonsten strengte ich mich beim Tauziehen, 3-Bein-Rennen(Man rennt zuzweit und hat je ein Bein zusammengebunden) und Reifen-Schlacht(Ja, man prügelt sich um Autoreifen, welche in der Mitte des Feldes aufgereiht sind), mächtig an. 
Das Wetter hätte allerdings besser sein können: Den Morgen durch regnete es immer wieder, mal heftiger, mal schwächer. Den Nachmittag herrschte bewölktes, aber heiss-erdrückendes Wetter. Folglich hatten nach den ersten 2 Disziplinen am Morgen alle Teilnehmer ein Aussehen nach einer Dusche. Aufgrund des Regens wurden einige Disziplinen kurzfristig abgesagt, allerdings noch am Nachmittag nachgeholt. Dies sorgte erst für ziemlichen Frust und Verwirrung. Doch am Ende bei der Übergabe der Diplome und Pokale des Rektors und anschliessender Fotosession, war die Laune auf dem ziemlichen Höhepunkt und das Energielevel auf Stufe 0. Anschliessend möchte ich nur noch hinzufühgen, dass natürlich der Tischtennis- und Baseballclub noch Training hatten. Das ist allerdings normal, diese Clubs verlangen circa 364 Tage im Jahr Einsatz: auch am 1. Januar und in den Ferien.
Mein Fazit: Der japanische Sporttag, den ich hier erlebem durfte, war der grossartigste überhaupt. Vielleicht sage ich das nur, weil es sich um Japan handelt, doch ich hatte schon selten eine solche Motivation.
Hier sieht man die japanische Definition von Sitzen: Man sitzt sllerdings nur auf den Fersen. Was man in Europa nur als kleines Kind kann, gilt hier ein lebenlang als selbstverständliche Fähigkeit. Vielleicht weil dies die einzige Methode ist, eine japanische Toilette korrekt zu benutzen.

Ich hoffe, man erkennt die Seriosität in diesem Bild.
Auch die Herren strengten sich an..


Zum Abschluss: Je ein Mitglied der jeweiligen Leader mit dem Rektor.