Eines der wichtigsten Klischees über Japaner ist die unglaubliche Höflichkeit und Freundlichkeit. Doch wie definieren wir diese Begriffe? Ihre Definition ist nämlich etwas anders als unsere. Das oberste Prinzip der japanischen Gesellschaft ist das Bewahren der Privatsphäre. Wenn jemand auf der Strasse verloren aussieht, wird man lange auf Hilfe hoffen. Japaner würden es nicht wagen, jemanden einfach so anzusprechen, da man schliesslich davon ausgeht, dass diese Person ein Irrtum oder dergleichen begangen hat. Das Gesicht zu bewahren ist unglaublich wichtig. Zugleich sind Japaner auch sehr scheu. Beispielsweise sind die wenigsten Herren an meiner Schule in der Lage mir in die Augen zu sehen, geschweige zu kommunizieren. Dies in Kombination ist eine schlechte Voraussetzung mit Smalltalk auf der Strasse. Sobald man sich allerdings selbst getraut, um Hilfe zu fragen, werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Problem zu lösen. Dies ist die berühmte Freundlichkeit, um die ich schon einige Male froh gewesen bin. Heute war ich beispielsweise auf der Suche nach meinem Klassenlehrer und nach dem Feststellen seiner Abwesenheit im Lehrerzimmer wurde er prompt via Megaphon in der Schule ausgerufen. Stichwort, "de Kevin suecht sis Mami". Da ich in Japan als Schülerin sowieso als Kind gelte und ausserdem der Sprache nicht mächtig bin, stört mich meine Abhängigkeit überhaupt nicht.
Fazit: Japaner sind scheu, sie sind höflich, sie sind freundlich. Mit ihrem strahlendem Lächeln und pinguin-artigem Verbeugen sind sie die sympathischsten Menschen, die ich je getroffen habe. Man muss sie einfach lieben. Da sie so eine unglaubliche hohe Bevölkerungsdichte haben, wissen sie, was Privatsphäre bedeutet und respektieren und beschützen nicht nur ihre eigene.
Die hohe Anzahl "Flach-nasen" (ein weiteres korrektes Klischee: Eine Nasenwurzel ist praktisch nicht existent) erklärt auch ihren Hygienefimmel: Wenn eine Epidemie ausbrechen würde, ist das hier ein grösseres Problem als in Kanada oder USA. Ausserdem ist es hier irgendwie unglaublich staubig: Ich muss mein Zimmer mindestens 2 mal pro Woche staubsaugen und habe ständig Staubflusen an mir. Also sind Japaner unglaublich hygienisch. In meiner Schule haben meistens dieselben Schüler immer Masken auf: Normalerweise beschützt man die Umgebung während eines Schnupfens vor den eigenen Keimen. Allerdings werden auch Masken zum eigenen Schutz als Prävention getragen. Vielleicht schämen sich auch einige über ihre Zahnstellung: Die wenigsten Japaner haben je eine Zahnspange getragen und dementsprechend kreative Zahnstellungen sind vertreten. Meine Schwester ist bis jetzt eine der einzigen Leute, die ich gesehen habe, die eine tragen. Der Stereotyp, dass man sich beim Lachen die Hand vor den Mund hält, würde auf die Erklärung mit den krummen Zähnen passen, ist allerdings nicht wahr. Hier besitzen die meisten genug Selbstvertrauen um mit offenem Mund zu lachen, und sich auch bei jeder Gelegenheit ablichten zu lassen. Der "Selfie-Stick" kann man in jedem Departement-Store in verschiedensten Farben kaufen.
Nun kommen wir zu einem Punkt, zu dem ich schon häufig befragt wurde: Japaner essen KEIN Hund oder Katze. Sie haben es auch nie gegessen. Früher ass man alles, das im Meer lebte. Nutztiere wie Schwein oder Kuh ass man nicht, sie waren zu wichtig für die Feldarbeit. So holte man sich seine Proteine aus dem Meer: Wale und andere Säuger mussten daran glauben, sie werden als Fleisch und nicht als Fisch gezählt. Während man allerdings heute praktisch keinen Wal mehr isst (er soll gummig schmecken und an Walfangverbote hält man sich vermutlich doch), sind heute Algenarten, dutzende Fischarten, sowie Seeigel nichts seltenes in der japanischen Küche. Die japanische Küche ist allerdings nicht scharf, wie ich Jahre geglaubt habe. Wasabi bildet eine Ausnahme. In der Edo-Zeit waren die Menschen noch bedeutend kleiner, bis man begann, Milch zu trinken. Heutzutage trinkt jeder Milch, Laktoseintoleranz ist kein Thema (mehr). Die nördlichste der Hauptinseln, Hokkaido ist berühmt für seinen Käse und Kühe, wie es die Schweiz ist.
Ebenfalls berühmt ist Japan, wie Schweizer für ihre Pünktlichkeit. Allerdings unterscheidet sich die Definition etwas. Während man das Phänomen, auf die Sekunde genau aufzutauchen, lachend als Schweize Pünktlichkeit abstempelt, ist es hier Standart, 10 Minuten früher auf der Matte zu stehen. Das habe ich bis jetzt ohne Ausnahme erlebt und halte mich selbst daran.
Diese Liste könnte ich ewig weiterführen: Von der Qualität und deren Überzeugung von japanischen Produkten (Beispielsweise sei es in China ein No-Go einen chinesischen Reiskocher zu besitzen, sie werden zu Dutzenden importiert)oder ihrem ähnlichen Aussehen(Stimmt nicht, man kann sie unterscheiden), doch lassen wir's fürs erste gut sein. Sonst ende ich mit einer Liz-Arbeit über Klischees, von denen es natürlich auch immer Ausnahmen gibt.Beispielsweise gibt es unter all denen gertenschlanken Mädchen(Europa ist nichts dagegen), in meine Klasse einige, die mehr Fleisch besitzen als ich. In Japan gelte ich vermutlich zu den dickeren Menschen, wenn man betrachtet, dass mein Unterschenkel oft dem Umfang eines japanischen Oberschenkels entspricht. Hier ist das fast ungesund aussehnde Dünn-Sein normal, und es sieht auch weniger krank aus, als in Europa(ehrlich!)
Doch nun wartet mein Abendessen auf mich.
じゃねー!
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