Den Samstag begannen mein Vater, meine Schwester und ich schon früh: Frühstück gab's aus einem Konbini: Bestehend aus einem Onigiri (Reisbällchen) natürlich. Das Tempelfestival von Nagano war unser Ziel, das allerdings eine Fahrzeit von 2h entfernt gelegen war. In Nagano gibt es eine berühmte Buddhistische Tempelanlage, welche eine Buddha-Statue einer Barbiepuppe beherbergt. Diese kann man allerdings nur alle 7 Jahre betrachten, weshalb die Stadt an diesem Wochenede Ähnlichkeit mit Mekka aufwies. Nagano ist die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur. Sie ist für Äpfel, Reis und Oyaki(Gefüllte und gebratene Mehl-Klösschen) berühmt. Nach einer Besichtigung der Tempelanlage streunten wir zu dritt in den Geschäften in der Hauptstrasse herum, wo es von Gebetsutensilien bis zu traditionellen Schuhen aus Stroh ziemlich alles zu kaufen gab.
Auf dem Rückweg machten wir mehrere Zwischenstopps: Der erste an dem berühmten Naena-Wasserfall. Aufgrund des Schmelzwassers ist der Sekigawa-Fluss derzeit ziemlich gefüllt und die Wassermassen rauschen mit beeindruckendem Getöse ins Tal. Obwohl es ziemlich warm war(20 Grad) liegt auf dem Wanderweg immernoch etwas Schnee herum.
Als nächstes hielten wir an einem grösseren und hübschen Teich, dem Imori-Ike. (Ike ist das japanische Wort für Teich). Der Teich ist allerdings nur aufgrund seiner hübschen Umgebung und tollen Aussicht auf den Myokosan (berühmer Berg) berühmt. Nach einigen Fotos gings auch schon wieder zurück ins Auto und zu unserem letzten Stopp nach Myoko-stadt, wo die Eltern meines Gastvaters wohnen. Wir brachten Manju (Teigklösschen mit Anko gefüllt vorbei), die wir als Mitbringsel von Nagano gekauft haben. Um 3 Uhr erreichten wir schliesslich wieder unser Zuhause, wo wir für den Rest des Tages nicht mehr viel gemacht haben.
Am Sonntag ging's noch etwas früher los: Bereits um viertel vor 7 war Abfahrt und diesmal waren wir zufünft unterwegs nach Niigata, der Hauptstadt unserer Präfektur (vergleichbar mit den Kantonen in der Schweiz, nur dass in Japan etwas mehr Einheit herrscht). Das am Meer gelegene Aquarium von Niigata ist eine belibte Sehenswürdigkeit, so dass wir bereits vor 9 Uhr eine Schlange von ca 350 m bewältiten mussten. Unter vielen anderen Asiaten bestaunten wir die eindrücklichen Kreaturen der japanischen See, Flüssen und auch anderen Ozeanen. Japanische Kinder können allerdings genauso laut schreien wir europäische, auch wenn sie mit ihren schwarzen Zöpfchen noch ganz niedlich sind. Die Klimax an Geschrei erreichten wir in der Arena der Delfinshow, wo während 20 Minuten 4 Delfine Tricks vorführten und den Zuschauern auch Wissenswertes über deren Lebensweise erzählt wurde.
Die Haltung in den Aquarien ist besser als in Joetsu: Die meisten Aquarien sind genügend ausstaffiert und auch wenn die Anzahl Tiere immernoch unglaublich hoch ist, haben die Fische, Seelöwen etc. zumindest mehr Platz.
Nach 2h Besichtigungstour, machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. In einem Departement-Store wurde man schliesslich fündig. Mit Freuden stellte ich fest, dass in dem Restaurant für Spaghetti-Spezialitäten auch europäische Portionen serviert wurden. Nach einem Rundgang durch den Departement-Store, wo ich zu meiner grossen Freude Rittersport, Kägi-Fret und Lindt-Schokolade entdeckte, machten wir uns erneut auf den Weg. Diesmal besuchten wir die Eltern meiner Gastmutter, welche in einer Stadt namens Tokamachi wohnen. Ihr Haus ist unglaublich traditionell: Der Fussboden besteht zu mindestens 50% aus Tatami-Matten und sie haben nebst dem üblichen Shinto-Schrein auch noch einen ziemlich grossen Buddha-Schrein mit vielen Goldverzierungen. Die Grosseltern sind beides sehr gebildete und interessierte Leute: Nach einer Tasse Kaffe begleitete der Grossvater, meine Schwester, meinen Vater und mich zum historischen Museum in Tokamachi. Es ist berühmt für alte Vorratstöpfe, von denen das Prachtstück sogar mit einer Erdbeben-sicheren Vorrichtung ausgestattet ist. So lernte ich alles Mögliche über die japanische Urgeschichte bis Neuzeit.
Zuhause verbrachte man die Zeit bis zum Abendessen mit traditionellen japanischen Spielzeugen, wie beispielsweise Kreisel. Hier scheint es normal zu sein, dass 3 Generationen zusammen am Boden sitzen und miteinander spielen, wie es bei uns höchstens mit Kartenspielen der Fall ist. Das Abendessen bestand aus viel gesundem Berggemüse und weniger gesunden Gyoza und Aburage, frittierten Pouletstücken. (Japaner sind Meister in lecker-frittieren) Natürlich darf der Reis nicht fehlen, der in ganz Japan berühmt für seine gute Qualität ist. Ich persönlich bin ein grosser Fan von dem Niigata-Reis und bereits jetzt schon ziemlich verwöhnt. Zum Frühstück gab's die Reste des Abendessens, also japanisch traditionell. Danach weihte der Grossvater mich in die Kunst der Kalligraphie ein. Zuhause in Joetsu habe ich bereits mit Pinsel-Filzstiften geübt und kläglich versagt, mit einem grösseren Pinsel und einem Lehrmeister zur Hand war ich mit den Ergebnissen doch schon mehr zufrieden. Es ist unglaublich schwierig, die richtige Haltung zu bewahren und die Kanji hübsch aussehen zu lassen. Neben dem "Shuji" gibt es noch das "Shodoo". Beides nennt sich Kalligraphie. Allerdings ist letzteres eine persönliche Interpretation der Kanji, die man schreibt. Man legt sein persönliches "Feeling" hinein, und fügt gerne ein paar Kringel hinzu, so dass das Resultat für mich ziemlich unlesbar ist. Ich allerdings bin bereits mit der Standart-Variante schon genug gefordert. Nach einer Tasse Kaffe beladeten wir unser Auto mit unseren Taschen-und geschätzten 30 kg Reis. Bis zu unserem Haus hatten wir eine Fahrzeit von circa 1,5 h.
Auch wenn Tokamachi und Joetsu direkt nebeneinander liegen, sind beide Städte ziemlich ausgefächert und gross, weshalb man doch einige Zeit mit dem Auto braucht.
Den Dienstag verbrachte ich grössten Teils im Region-Plaza in Joetsu. Dort fand während der ganzen Golden Week ein grosses Kendoturnier statt, wo nicht nur alle Kendoclubs aus Niigata-Präfektur, sondern auch anderen Präfekturen teilnahmen. Ich verbrachte also 4h in der Halle bei meinen Teammitgliedern auf dem Boden und fieberte freudig mit. Ein Team besteht aus 4-5 Mitgliedern, die einzeln gegen fremde Teams antreten. Dabei ist ein Match 3 Minuten und Ziel dabei ist natürlich, möglichst viele Treffer zu landen. Treffen reicht leider nicht aus, sondern die Stimme muss dabei genug laut und überzeugend sein, damit ein Treffer gezählt wird. Die Schiedsrichter müssen also ein gutes Auge und viel Erfahrung haben.Der Abschluss bildete ein Essen in einem Sushi-Restaurant. Meine Familie fragte mich einst nach der europäischen Vorstellung von Japan. Ich beantwortete diese Frage mit 3 Stichworten: Ninja, Samurai und Sushi. Bis heute gibt es leider nur noch letzteres im Original. So fuhren wir am Mittwochabend nochmals zu fünft los. Stilecht mit 2 Laufbändern und je 2 Sushi-Meistern in der Mitte, kam ich in den Genuss von waschechten Sushi. Sushi schmecken eigentlich ziemlich ähnlich wie Zuhause, nur dass hier die Auswahl an Fisch etwa die 5 Fache Ausmasse der Schweiz hat. Es gibt unter anderem auch exotische Sushi mit Seeigel, gebratenem Fleisch oder Natto gefüllt. Maki(Füllung und Reis in Nori gerollt) sind hier nicht so verbreitet wie in der Schweiz, es gibt eher mehr Nigiri (die Reismocken mit Beilage obendrauf). Vielleicht werden diese auch eher aus Zeitmangel hergestellt. Bei riesigen Sushi-Stücken ist es okay abzubeissen, doch ich habe den Eindruck, dass dies kein Japaner je machen würde. Also versuchte ich mir mit möglichst viel Würde die Genkan (Schiffchen) etc. in den Mund zu stopfen. Jeder ass die Sushi auch mit Stäbchen, auch wenn sie oft von Hand gegessen werden. Zum Abendessen gab es einst von Hand gemachte Sushi: Dabei nahm man sich ein Stück Nori zu Hand, legte etwas Reis und ein Stück Sashimi drauf und rollte es. Danach isst man es direkt. Dies ist die einfache Variante für die Küche Zuhause, wenn man keinen professionellen Koch Zuhause hat. Am Ende werden wie in Europa auch, die Teller gezählt, die man vom Fliessband genommen hat, gezählt.
Ich habe nun 2 Tage Schule vor mir, welche meine Motivation bereits übersprungen hat. Morgen beginnt allerdings mein japanisch-Privatunterricht. Ich werde nun einmal pro Woche von AFS unterrichtet. Welchen Lehrer (vor allem mit welchen Sprachkenntnissen) sie angestellt haben, weiss ich noch nicht.
Genkan(Schiffchen-Sushi) mit Fisch. Dazu hat jeder seine private Soya-sauce Schüssel und Grüntee.
Das Essen läuft auf dem Fliessband an den Tischen vorbei. Bestellungen können allerdings auch direkt an den Chefkoch weitergegeben werden, falls etwas von der Karte nicht in Umlauf sein sollte.

























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