Mittwoch, 13. Mai 2015

Japanese Highschool Student's life

Heute möchte ich mal etwas über meine Schule erzählen. Zurzeit ist sowieso nichts Spannendes auf dem Plan, ausser der Test-tage der 3. Klässler. In Japan sind die Parallelklassen auf verschiedenen Leveln. Die  Klasse 3-1 (3. Klässler, 1. Klasse) befindet sich auf dem höchsten Level. Aufgrund der Hoffnung auf das beste Englisch aller Klassen, werden alle Austauschschüler in diese Klassen gesteckt. Diese Klassen fallen auf, da auch in den Mittagspausen fleissig gelernt werden und die Frisuren, sowie das eigentlich verbotene Make-up dezent gehalten werden. Die nächsten 4 Schultage schreiben die 3. Klässler aber alle Tests: Die ersten zwei Lektionen bestehen aus Tests für sie, für mich aus Lernen in der Bibliothek. Danach können alle nach Hause gehen und dort weiterlernen. Von Senior Highschool Schülern wird mindestens so viel abverlangt, wie von uns Kantischülern. Meine Gastschwester kommt jeden Tag um halb  8 nach Hause und verlässt das Haus um spätestens 7. Wann bleibt Zeit zum Lernen? Richtig, früh morgens, gerne um halb 4, wenn ein Test ansteht. (Habe ich bereits den nervigen Wecker erwähnt?) Aber wenn man jeden Tag um viertel nach 6 aufsteht, um 7 heimkommt und keine Prüfungen hat, will man sich ja nicht beschweren. 
Die  Test-tage sind üblich, einzelne Tests, so wie den morgendlichen Kurztest in Englisch oder Mathematik, existieren trotzdem. Also läuft das Studium ständig auf Hochtouren.
Was mache ich währenddessen? Da  ich weder von japanischer Geschichte, sowie alter Literatur keine Chance auf Verständnis habe, vergrabe ich meine Nase in meinen Grammatik- oder Kanjibüchern. Ich habe 3 verschiedene Englisch-Fächer, welche mein Englisch nicht fördern, meine Aufmerksamkeit allerdings gefordert wird. Biologie würde mich zwar interessieren, doch habe ich auch Mühe, irgendein Wort zu verstehen. Ich liebe allerdings das Fach, welches ein Hybrid aus Wirtschaft, Politik und menschlicher Psychologie ist. Wir verbringen praktisch jede Stunde mit Filmegucken, und der Lehrer gibt sich grösste Mühe, mich immer in den Unterricht ein zu beziehen. Ausserdem sind die Filme wirklich interessant: Ein Film über den Okinawa-Krieg, Nagasaki und Hiroshima und "Das Leben der Anderen"(auf Deutsch!) wären nur einige Beispiele. 
Ansonsten existieren 3 verschiedene Japanisch Fächer, Sport und Mathematik. Den Sport habe ich allerdings bereits erwähnt, er funktioniert militärisch und etwas seltsam, um es zusammen zu fassen. In der Mathematik höre ich zu, ich verstehe sogar das Meiste, was der Lehrer von sich gibt. Ausser den Anfang einer Lektion, wo er meistens eine Anekdote erzählt. Zurzeit behandeln wir Integral-Rechnungen, wo eigentlich der Lehrer non-stop eine Aufgabe nach der anderen auf die Tafel malt. Allerdings kann ich nun (auch mit der Hilfe von Google) eine Gleichung ableiten und Polynome zeichnen. Es ist spannend, ich möchte allerdings den Wert des Wissens für meine Rückkehr in die Schweiz in Frage stellen. Aber das ist zurzeit nicht meine Hauptsorge, denn am Montag habe ich mich für einen nationalen Kanji-Test angemeldet: Es gibt 10 Levels, deren Niveau exponentiell ansteigt, und die wenigsten Leute (auch Japaner) in der Lage sind, die höchste Stufe zu erreichen. Ich starte mit Level 9, den Ehrgeiz und Kenntniss über die meisten der erfoderlichen Kanji habe ich bereits. Auf meiner Stufe sind ungefähr 300 gefragt, auch wenn der Test genau 3 Seiten lang ist. Der Test ist im Juni, also habe ich noch genügend Zeit, mich weiterhin mit dem Schriftbild der Japaner auseinander zu setzen. Ich scheine allerdings die einzige Person zu sein, welche je gerne Kanji gelernt hat. Weder Emma, noch jemand aus meiner Familie hat je gern Kanji gelernt. Emma started mit mir am selben Tag in den Test, allerdings ein Level höher. Wir haben nun die perfekte Ausrede, uns eine weitere Stunde zu der üblichen in der Bibliothek zu treffen und über Japan und die Welt zu reden.
Wollen wir doch mal mein Alltag zusammen fassen: Wenn ich nichts im Unterricht verstehe, lese oder lerne ich. Ich habe dafür immer ein Buch unter meinem Pult. Gelegentlich ist jedoch doch meine Aufmerksamkeit gefordert und ich höre zu, bzw. mache im Sportunterricht mit. Ausser Japanisch und Englisch lernen Japaner keine Sprachen, auch Musik oder Kunst gehört nicht in den obligatorischen Alltag. Es gibt aber mehrere kreative Clubaktivitäten, wie Big-Band, Kochen usw. Der Unterricht besteht jeden Tag aus 7 Lektionen, die Mittagspause ist für alle zur selben Zeit, sowie das Ende eines Schultags. Das Prinzip "alle Tiere sind gleich" funktioniert hier bestens. Ich kann die Schüler anhand ihrer Schnürsenkelfarbe unterscheiden: 3. Klässler sind rot, 2. Klässler blau und 1. Klässler grün.  
Aufgrund der japanischen Bürokratie habe ich in den Test-Tagen auch für 2h zu erscheinen, stört mich allerdings nicht gross. Am Freitag begleite ich aber meine Mutter in die Schule. Mein Sub-LP und sie arbeiten beide an der selben  Primarschule und ich soll mir ein Bild von einer japanischen Primarschule mcachen können, so wie eine Englischstunde mit den Schülern bestreiten. Man ist gespannt.

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