Sonntag, 31. Mai 2015

Japanische Kultur hoch 10

Nun mein Wochenende verbrachte ich diesmal mit einem japanischen Trend sowie Urzeit-Tradition: Das Baseballteam meiner Schule spielte am Wochenende ein Match, so verbrachte ich mit der ALT Pamela (Assistant language teacher) 2,5 h auf der Zuschauertribüne. Baseball ist ein riesen Trend in Japan. Die Baseball-clubs der Schulen gehören zu den strengsten Clubs: Das Team der Joetsu Senior High trainiert jeden Tag rund 4 Stunden. Am Wochenende finden Spiele statt und auch am Morgen treffen die zwei Herren meiner Klasse aus dem Baseballteam immer als letzte im Klassenzimmer ein. Allerdings gibt es diesbezüglich eine sehr irritierende Sache: Während Primarschule und Middleschool spielen auch Mädchen, doch sobald diese auf die Highschool wechseln, hören sie auf zu spielen und wechseln entweder den Club oder bleiben, allerdings wechselt ihre Funktion. Mädchen sind Manager und von mir als "sklaven" betitelt: Sie unterstützen die Herren und während ihrer Trainings machen sie Onigiri (Japanische Reissandwiches), das heisst sie kochen Reis und formen ihn zu Reisbällchen. Es ist eine ungeschriebene Regel, doch kein Mädchen über 16 Jahren spielt noch Baseball. Ziemlich schade. Meine Familie hat allerdings auch keine überzeugende Erklärung
Nun verbrachte ich also meinen Samstagnachmittag damit, mit Pamela von der Tribüne aus mein Team anzufeuern und anzufluchen. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und Pamela ist ansteckend. Leider versagte das Team kläglich, doch es war ein tolles Erlebnis. Ausserdem kenne ich mich nun in Baseball aus und kenne weitere Leute meiner Schule.
Der  Sonntag verlangte jedoch sehr viel Konzentration: Ein weiterer AFS-Event fand statt. So verbrachten meine Schwester, Oskar, ich und noch einige andere Leute den Morgen damit, uns in ein Kimono zu wickeln. Der Kimono ist heutzutage nur noch auf sehr festlichen Angelegenheiten zu sehen: Die ganze Ausrüstung ist unglaublich teuer, zeitaufwendig, warm und nicht sonderlich bequem. Das ganze liegt an seinen Bestandteilen: Man trägt circa 3 Schichten Kleidung, jede eng mit einem Gurt oder Tuch um den Bauch geschnallt. Das reslutiert in eingeschränkten Gang-,Sitz- und Atemfähigkeiten. Man kann nur kleine Trippelschritte machen, Treppensteigen wird zu einem Mühsal. 
Nun das ganze Brimborium hatte natürlich einen Zweck: Nach einem kleinen Mittagessen stieg man ins Auto und fuhr zu einem Haus mit wunderbaren Garten und Bewohnern, welche uns die traditionelle Teezeremonie zeigen würden. 
Die japanische Teezeremonie beinhaltet ziemlich viele Bestandteile der japanischen Kultur: Blumen, Tee, Lackarbeit, Tatami-Matten und volle Konzentration. Tee gelangte vor ca 1000 Jahren mithilfe der buddhistischen Religion von China nach Japan. Man  pflanzte in Kyoto den ersten Teebaum und so begann das Ganze. Wärhend eine Person Teewasser kocht und das Matcha-Pulver mithilfe eines Pinselchens in Tee verwandelt, essen alle anderen Süssigkeiten. Etwa 10 Minuten lang. Eigentlich verbringt man die gesamte Teezeremonie in der "Seiza" dem schmerzhaften Knien. Nach circa 10 Minuten wurde mein unruhiges Gezappel bemerkt und alle wurden aufgefordert, sich in eine bequemere Position zu begeben. Mit dem Kimono allerdings nicht eine einfache Sache. Der
ganze Ablauf besteht aus vielen Verbeugungen, Floskeln als Zeichen des Respekts. Man dreht die Schale in den Händen und betrachtet sie eingehend, bevor man sie vor seinen Knien wieder zu Boden stellt. Nach dem Durchlauf waren alle anwesenden Teenager erschöpft und man konnte seine Beine im malerischen Garten vertreten. Nach einem zweiten Durchgang und anschliessender Pause und Fotos gesellte man sich in den Takadapark, wo wir das Haus und Ateliers des berühmten Malers Kobayashi Kokei besichtigten. Das Googeln dieser Person überlasse ich nun dem Leser. 
Ich war froh, anschliessend den Kimono ablegen zu können, es herrschte feucht-warmes Wetter, welches das Atmen erschwert. Den gesamten Ablauf der Teezeremonien mit den richtigen Gesten erfodert viel Konzentration, so war die gesamte Gesellschaft dementsprechend müde.
Fazit: Es war ein unglaublich spannendes Erlebnis, das vor japanischer Kultur nur so strotzt. Allerdings hatte ich selten schmerzhaftere Krämpfe in den Beinen und frage mich, wie viele Krampfadern Japaner mit dem Alter haben. Kinder lernen heutzutage schon von klein auf, in der Seiza zu sitzen, doch jeder stosst an Grenzen. Ich dachte, mein Beitritt im Kendobu brächte etwas Vorteil, doch das Durchhaltevermögen der Lehrerinnen ist unschlagbar. Der Tee (Matcha), den man trinkt ist im Vergleich zu anderen ziemlich bitter, dafür hat man die Süssigkeiten (meistens Anko enthaltend) um das Ganze zu neutralisieren.
Nun möchte ich euch die vielen Fotos nicht vorenthalten, enjoy!

Man betrachte die Ironie meines Kimonos: In der Schweiz bin ich "die in Schwarz", hier trage ich ein komplett rosa-pinker Kimono. Und wisst ihr was? Es war toll!

Montag, 18. Mai 2015

Endlich da-Wirklich da

Wollen wir uns heute mal einer Analyse meines Gemütszustandes unterziehen. Ich bin nun seit gut 2 Monaten hier, gehe regelmässig zur Schule, lerne Japanisch. Ich lebe im Alltag, freue mich aufs Wochenende und wenn ich mich auf den Nachhauseweg machen kann. Mein Japanisch wird glücklicherweise immer besser, jeden Tag zu sprechen bringt dies unweigerlich mit sich. Wenn ich den Kalender an der Wohnzimmerwand konsultiere, (ich besitze keine eigene Agenda hier, das ist ein unglaublich befreiendes Gefühl) schmiede ich Pläne für die nächsten Feiertage, Ferien etc. 
Vor einigen Tagen habe ich einen Zustand erreicht, denn ich mit "der absoluten Stufe des Einlebens" bezeichen würde. Klingt sehr spirituell, ist es allerdings nicht sonderlich. Nach einem Abend viel Gelächters mit meiner Familie, realisierte ich im Bett zum ersten Mal, dass ich mich davor fürchte, "nach Hause" zu müssen. Meine Mistreiterin Emma hat nur noch einen Monat übrig und ist hin- und hergerissen: Es wird seltsam zurück zu fliegen, da sind wir uns beide einig. Allerdings freut man sich, endlich wieder seine Blutsverwandten zu sehen. Zurzeit wechseln sich diese beiden Zustände bei mir ab. Ich will nun möglichst keine Zeit unnütz verschwenden, sondern so viel wie möglich lernen und erleben. Obwohl nun eigentlich der Kulturschock so richtig einsetzen sollte, fühle ich mich dem so weit wie nur möglich entfernt. 
Ich bin zwar immer noch der Ausländer, das bin ich vermutlich immer. Ausländer sind rar in Joetsu. Dies wird mir auf jedem Event bewusst: Beim Sportttag meiner kleineren Schwester, beim Einkaufen, beim Joggen auf der Strasse. Den Ausländerbonus zu nutzen, kann von Vorteil sein. Den nutzen auch gewisse Lehrer aus: Sich etwas früher von der Arbeit verkrümeln sollte schliesslich auch mal erlaubt sein. Wenn man seine "Gaijin-(Ausländer)Power vereint und in der Gruppe unterwegs ist, wird man auch unverholen angestarrt. Dies habe ich mit Emma oder Oskar einige Male erlebt.
Zurzeit bereue ich ein klein wenig, nur 5 Monate, anstatt 11 hier verbringen zu können, doch ich bin sicherlich sehr kribbelig, wenn der August beginnen wird und ich dann mit 120 km/h den letzten Monat hier erlebe. 
Dieser Post scheint mir auch eine gute Gelegenheit, etwas über meine Familie zu erzählen. Natürlich kann ich aufgrund des Datenschutzes nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ihr wisst was ich meine.
Meine Mum ist ein unglaublich witziger Mensch. Wenn sie lacht, was sie sehr häufig tut, hat sie ein unglaublich spitzes Kinn, das einfach nur süss aussieht. Sie ist einen Kopf kleiner als ich und liebt Eiscrème über alles. Gleichzeitig ist sie unglaublich besorgt um mich und achtet mit Adlersaugen darauf, das alles nach Plan und korrekt abläuft.
Mein Vater hat etwas brummbär-artiges und ist das einzige  Familienmitglied, das grösser ist als ich. Wie in den meisten japanischen Familien entscheidet er, wie der Hase läuft. Mir gegenüber hat er noch nie ein böses Wort geäussert, doch ich in unter seinen Primarschülern hat er scheinbar einen strengen Ruf.
Meine kleine Schwester ist ein paar Monate jünger als ich, dafür auch mehrere Zentimeter kleiner. Sie ist alles, was entweder viel Zucker oder Fleisch enthält. Sie ist die seriösere von den zwei Schwestern: wenn etwas nicht perfekt abgewaschen ist, muss man nochmals ran. Humor taucht eher seltener auf, dafür hat sie die eiserne Disziplin um halb 4 aufzustehen und zu lernen. Sie spricht am besten von allen Englisch, da sie einmal pro Woche eine Abendschule für Englisch-Kurse besucht.
Die älteste von uns Schwestern wird bald volljährig und entspricht dem klassischen europäischen Teenager. Mit dem Highschool-Diplom(Matura) von letzten Jahr in der Tasche, besucht sie einmal pro Woche eine Make-up-Schule in Tokyo. Da sie also 80% in der Woche Zuhause ist, verbringt sie viel Zeit mit Schlafen oder herumgammeln. Neuerdings hat sie allerdings auch für die Schule zu lernen, auch wenn sie statt Kanji Bestandteile der Haut und deren Eigenschaften lernt. Mit Englisch konnte sie sich nie anfreunden, doch sie ist unglaublich gut im Japanisch-erklären und Synonyme suchen, wenn ich etwas nicht verstehe.
Hier wurde ich von Anfang an aufgenommen und umsorgt wie ein eigenes Kind. Ich bin froh, dass ich nie einen Familienwechsel aufgrund einer Zeitbegrenzten-Familie hatte. Jeder Auszauschschüler ist sich da wohl einig: Wenn es mit der Familie erstmal klappt, würde man sie nie gegen eine andere eintauschen.

Freitag, 15. Mai 2015

Japanische Schule mal anders

Ich hatte am Freitag die wunderbare Gelegenheit, 2h in der Bibliothek zu verpassen und statt dessen meine Mum zur Arbeit zu begleiten. Während ich früher immer zu den Schülern meiner "Schweizer"-Mum aufgeblickt hatte, war ich dieses Mal um einiges älter und grösser als die Schüler. Die japanische Primarschule dauert 6 Jahre, danach folgen 3 Jahre Junior High und 3 Jahre Senior Highschool, auf letzteren befinde ich mich gerade. Heute besuchte ich allerdings zum ersten Mal seit Jahren bunt dekorierte Klassenzimmer mit Tischen, die knapp bis an die Hüfte reichen. Ich begleitete meinen Sub-LP, welcher zufälligerweise an der selben Schule wie meine Gastmutter arbeitet, in 4 von 6 Schullektionen. Er unterrichtet freitags Englisch und diesen Freitag sollte ich als Gast und Unterstützung dabei sein. Englisch wird ab der 5. Primarstufe gelernt. Ein wunderbarer Vorteil von wirklich jungen Schülern ist die Offenheit, welche nur bis ins frühe Teenage-Alter vorhanden ist. Ich wurde mit einem Wirbelsturm an Euphorie und Neugier begrüsst. In der ersten Lektion der 6. Klässler wurden Monate gelernt: Während im Japanischen Monate nur "der 1. Monat" usw. heissen, müssen japanische Schüler die Namen der Monate auswendig lernen. So tat man sich schwer mit der Aussprache von "Febuary" usw. Ein starkes Klischee von japanischen Lehrern ist die unglaubliche Strenge: Diese ist an der Senior High noch knapp spürbar, doch man versucht seit einiger Zeit davon weg zu kommen. So funktioniert der Unterricht auf sehr spielerische Art und Weise und die Schüler werden immer ermuntert laut zu sprechen und werden überschwänglich gelobt. Dies wirkt auf den ersten Blick etwas amerikanisch-seltsam, doch mir gefällt die Idee dahinter und es scheint zu funktionieren. Praktisch jede Unterrichtslektion besteht duchgehend aus Spielen. So kenne ich seit heute den japanischen Begriff für Schere-Stein-Papier. Die 5. Klässler lernten die Zahlen 1-20 auf Englisch und hatten nebst dem üblichen Schere-Stein-Papier auch die Aufgabe, einzelne Sprachen anhand von vorgelesenen Zahlen einzuordnen. Wenn man noch nie Spanisch oder Französisch gehört hat, ist dies eine ziemlich schwere Aufgabe. Glücklicherweise war ich diejenige, die die Zahlen vorlas.
Das  Mittagessen war auch eine besondere Erfahrung: Im Schulgebäude wird das Essen zubereitet und auf Wagen in die Klassenzimmer gebracht. Dort stellt man Bänke in der Mitte auf und serviert wie in einer Mensa das Essen auf Tabletts. Dabei trägt jeder einzelne Schüler-ob Schöpfer oder Empfänger- eine Maske, so auch ich. Ich habe bis jetzt noch nie die so typischen Hygiene-Masken getragen, mir wurde auch erzählt, dass das Tragen ziemlich unangenehm sei. Es wird ziemlich heiss unter der Baumwollschicht, aber es war nicht mal so heiss wie erwartet, vor allem da heute 30 Grad herrschten und das alte Schulgebäude nur über 2 kleine Ventilatoren in der Zimmerecke verfügt. 
Das Essen wird dann auf dem Tablett zu seiner kleinen Bank gebracht (diese sind noch kleiner als unsere in der Joetsu Senior High) und man beginnt gemeinsam das Essen mit dem üblichen "Itadakimasu!". Als Primarschüler hat man das Privileg einer längeren Mittagspause: So begleitete ich die 5. Klässler zu den Erstklässlern, welche zum Spielen in der Turnhalle abgeholt wurden. Auch dort wurde ich freudigst umarmt und an der Hand genommen. Auch wenn ich für diesen Tag meinen üblichen Lokativ "Loora-chan" abgelegt habe, wurde ich wie als eine von den Schülern aufgenommen. Heute wurde ich meistens mit "Loora-san oder -sensei" angesprochen, was mit einem Lehrer gleich zu setzen ist. 
Nach Schulschluss fand natürlich noch das obligatorische Klubtreffen statt: Meine Mutter ist Lehrerin in der Big-Band, so begleitete ich sie natürlich. In der Primarschule dauert der Unterricht allerdings nur eine knappe Stunde und bald wurde ich unter vielen Winken entlassen. Eigentlich mag ich Kinder ja nicht, aber japanische Kinder sind unglaublich liebenswürdig. 
Ich erreichte nach 5 Uhr mein Zuhause, wo meine Mutter mich absetzte und gleich wieder zur Arbeit fuhr: Schliesslich ist ein Arbeitstag erst fertig, wenn sich auch die Rektoren auf den Nachhauseweg machen, sprich nach 7 Uhr. Ich war allerdings froh, Zuhause noch etwas ausspannen zu können. Die Schüler besitzen unglaublich viel Energie und wenn man keine Klimaanlaage hat, ist man bereits um 5 Uhr abends völlig ausgelaugt. 

Mittwoch, 13. Mai 2015

Japanese Highschool Student's life

Heute möchte ich mal etwas über meine Schule erzählen. Zurzeit ist sowieso nichts Spannendes auf dem Plan, ausser der Test-tage der 3. Klässler. In Japan sind die Parallelklassen auf verschiedenen Leveln. Die  Klasse 3-1 (3. Klässler, 1. Klasse) befindet sich auf dem höchsten Level. Aufgrund der Hoffnung auf das beste Englisch aller Klassen, werden alle Austauschschüler in diese Klassen gesteckt. Diese Klassen fallen auf, da auch in den Mittagspausen fleissig gelernt werden und die Frisuren, sowie das eigentlich verbotene Make-up dezent gehalten werden. Die nächsten 4 Schultage schreiben die 3. Klässler aber alle Tests: Die ersten zwei Lektionen bestehen aus Tests für sie, für mich aus Lernen in der Bibliothek. Danach können alle nach Hause gehen und dort weiterlernen. Von Senior Highschool Schülern wird mindestens so viel abverlangt, wie von uns Kantischülern. Meine Gastschwester kommt jeden Tag um halb  8 nach Hause und verlässt das Haus um spätestens 7. Wann bleibt Zeit zum Lernen? Richtig, früh morgens, gerne um halb 4, wenn ein Test ansteht. (Habe ich bereits den nervigen Wecker erwähnt?) Aber wenn man jeden Tag um viertel nach 6 aufsteht, um 7 heimkommt und keine Prüfungen hat, will man sich ja nicht beschweren. 
Die  Test-tage sind üblich, einzelne Tests, so wie den morgendlichen Kurztest in Englisch oder Mathematik, existieren trotzdem. Also läuft das Studium ständig auf Hochtouren.
Was mache ich währenddessen? Da  ich weder von japanischer Geschichte, sowie alter Literatur keine Chance auf Verständnis habe, vergrabe ich meine Nase in meinen Grammatik- oder Kanjibüchern. Ich habe 3 verschiedene Englisch-Fächer, welche mein Englisch nicht fördern, meine Aufmerksamkeit allerdings gefordert wird. Biologie würde mich zwar interessieren, doch habe ich auch Mühe, irgendein Wort zu verstehen. Ich liebe allerdings das Fach, welches ein Hybrid aus Wirtschaft, Politik und menschlicher Psychologie ist. Wir verbringen praktisch jede Stunde mit Filmegucken, und der Lehrer gibt sich grösste Mühe, mich immer in den Unterricht ein zu beziehen. Ausserdem sind die Filme wirklich interessant: Ein Film über den Okinawa-Krieg, Nagasaki und Hiroshima und "Das Leben der Anderen"(auf Deutsch!) wären nur einige Beispiele. 
Ansonsten existieren 3 verschiedene Japanisch Fächer, Sport und Mathematik. Den Sport habe ich allerdings bereits erwähnt, er funktioniert militärisch und etwas seltsam, um es zusammen zu fassen. In der Mathematik höre ich zu, ich verstehe sogar das Meiste, was der Lehrer von sich gibt. Ausser den Anfang einer Lektion, wo er meistens eine Anekdote erzählt. Zurzeit behandeln wir Integral-Rechnungen, wo eigentlich der Lehrer non-stop eine Aufgabe nach der anderen auf die Tafel malt. Allerdings kann ich nun (auch mit der Hilfe von Google) eine Gleichung ableiten und Polynome zeichnen. Es ist spannend, ich möchte allerdings den Wert des Wissens für meine Rückkehr in die Schweiz in Frage stellen. Aber das ist zurzeit nicht meine Hauptsorge, denn am Montag habe ich mich für einen nationalen Kanji-Test angemeldet: Es gibt 10 Levels, deren Niveau exponentiell ansteigt, und die wenigsten Leute (auch Japaner) in der Lage sind, die höchste Stufe zu erreichen. Ich starte mit Level 9, den Ehrgeiz und Kenntniss über die meisten der erfoderlichen Kanji habe ich bereits. Auf meiner Stufe sind ungefähr 300 gefragt, auch wenn der Test genau 3 Seiten lang ist. Der Test ist im Juni, also habe ich noch genügend Zeit, mich weiterhin mit dem Schriftbild der Japaner auseinander zu setzen. Ich scheine allerdings die einzige Person zu sein, welche je gerne Kanji gelernt hat. Weder Emma, noch jemand aus meiner Familie hat je gern Kanji gelernt. Emma started mit mir am selben Tag in den Test, allerdings ein Level höher. Wir haben nun die perfekte Ausrede, uns eine weitere Stunde zu der üblichen in der Bibliothek zu treffen und über Japan und die Welt zu reden.
Wollen wir doch mal mein Alltag zusammen fassen: Wenn ich nichts im Unterricht verstehe, lese oder lerne ich. Ich habe dafür immer ein Buch unter meinem Pult. Gelegentlich ist jedoch doch meine Aufmerksamkeit gefordert und ich höre zu, bzw. mache im Sportunterricht mit. Ausser Japanisch und Englisch lernen Japaner keine Sprachen, auch Musik oder Kunst gehört nicht in den obligatorischen Alltag. Es gibt aber mehrere kreative Clubaktivitäten, wie Big-Band, Kochen usw. Der Unterricht besteht jeden Tag aus 7 Lektionen, die Mittagspause ist für alle zur selben Zeit, sowie das Ende eines Schultags. Das Prinzip "alle Tiere sind gleich" funktioniert hier bestens. Ich kann die Schüler anhand ihrer Schnürsenkelfarbe unterscheiden: 3. Klässler sind rot, 2. Klässler blau und 1. Klässler grün.  
Aufgrund der japanischen Bürokratie habe ich in den Test-Tagen auch für 2h zu erscheinen, stört mich allerdings nicht gross. Am Freitag begleite ich aber meine Mutter in die Schule. Mein Sub-LP und sie arbeiten beide an der selben  Primarschule und ich soll mir ein Bild von einer japanischen Primarschule mcachen können, so wie eine Englischstunde mit den Schülern bestreiten. Man ist gespannt.

Samstag, 9. Mai 2015

Wo der Reis herkommt..

Am Samstag kamen Oskar (der Schwede) und ich mal wieder in den Genuss eines AFS-Events und die Familie der AFS Volunteers zu zwei zustäzlichen Arbeitskräften: Wie bereits erwähnt ist Niigata-ken (die Präfektur) berühmt für ihren guten Reis. Während der golden Week wurden die Reisfelder mithilfe der anliegenden kleinen Kanälen geflutet und man konnte jede Menge Leute sowie Reiher und Kraniche auf den Feldern beobachten. Am Samstagmorgen sollten auch wir diese urtraditionelle Erfahrung des Reis-Pflanzens machen. Mit  langen Gummistiefeln, Handschuhen und wasserabweisender Kleidung ausgerüstet, machten wir uns auf den Weg zu den Reisfeldern einer AFS-Volunteer Familie. Das Pflanzen wurde zu einer gesamten Familienangelegeneheit: Grosseltern, Onkel und Enkel sowie eine weitere befreundete Familie waren dabei. 
Reis wächst praktisch im Wasser, so flutet man zuerst die Felder und kann sich danach ans Pflanzen machen: Wir versuchten uns zuerst von Hand, dabei hat man eine Palette von Reispflanzen, von denen man etwa 4 in die Hand nimmt und einfach ins Wasser, bzw. Schlamm setzt. Die Pflanze bleibt dann direkt stecken, genau wie wir. An eine Kindheitserinnerung in der Bretagne erinnert, kämpften ich mich Schritt für Schritt zurück, man geht normalerweise beim Pflanzen vor wie beim Bodenwischen: Rückwärts, damit man nicht über die Pflänzchen trampelt. Die Plastik-Paletten werden anschliessend in einem Konstrukt ähnlich eines "Pinselwaschers" beim Wandstreichen gewaschen.
Heutzutage arbeitet man natürlich auch mit Maschinen, auch ich konnte mich dabei versuchen. Die Schwierigkeit dabei ist, geometrisch genau geradeaus zu fahren und dabei nicht die die Pflanzen zu zertrampeln. Es nieselte während des ganzen Morgens dabei leicht, dafür musste ich keinen Sonnenbrand fürchten. Wir hatten alle unglaubilch viel Spass dabei, man kann dabei ungeniert im Dreck herumspielen, egal wie behutsam man vorgeht, am Ende ist man ziemlich paniert in Schlamm. Man sollte allerdings keine Angst vor Land- und Wasserlebewesen haben: Man kann auf den Feldern Frösche fangen, Wasserläufer zwischen den Reihen beobachten und auf den leeren Paletten sowie im Wasser sind haufenweise Blutegel zu sehen. Ich war froh um meine Gummistiefel. Auch Fische sollen auf den Feldern herumschwimmen, allerdings habe ich von denen keine gesehen, aber der Schlamm ist dafür auch viel zu trüb. 
Insgesamt bepflanzten wir 4 Felder, wir benötigten dafür gute 2 Stunden und eine Teepause auf der Strasse. Zum Mittagessen wurden Oskar und ich zu den AFS Voluneers ins Haus eingeladen. Dieses Haus war das traditionellste und schönste, das ich bis jetzt zu sehen bekommen habe. Leider habe ich keine Fotos davon. Nach einem Mittagessen (japanisches Curry) auf in den Boden eingelassenen Tisch gings wieder nach Hause. 
Am Abend versuchte ich mich erneut an den Miniatur-"Backofen": Auch in Japan ist Muttertag bekannt, er funktioniert genau gleich wie in der Schweiz: Kleine Aufmerksamkeiten wie Blumen oder Kuchen werden gekauft und verschenkt. Passend zu diesem Anlass buk ich 2 kleine Zöpfe, die am Sonntag zu Birchermüesli gegessen werden sollten. 

Japanische Stereotypen

Lasst uns heute doch einmal mit all den Mythen aufräumen. Es gibt so viele über das Land der aufgehenden Sonne. Einige kleben seit Kindheit in unseren Köpfen, doch sind sie noch aktuell, oder waren sie je wahr?
Eines der wichtigsten Klischees über Japaner ist die unglaubliche Höflichkeit und Freundlichkeit. Doch  wie definieren wir diese Begriffe? Ihre Definition ist nämlich etwas anders als unsere. Das oberste Prinzip der japanischen Gesellschaft ist das Bewahren der Privatsphäre. Wenn jemand auf der Strasse verloren aussieht, wird man lange auf Hilfe hoffen. Japaner würden es nicht wagen, jemanden einfach so anzusprechen, da man schliesslich davon ausgeht, dass diese Person ein Irrtum oder dergleichen begangen hat. Das Gesicht zu bewahren ist unglaublich wichtig. Zugleich sind Japaner auch sehr scheu. Beispielsweise sind die wenigsten Herren an meiner Schule in der Lage mir in die Augen zu sehen, geschweige zu kommunizieren. Dies in Kombination ist eine schlechte Voraussetzung mit Smalltalk auf der Strasse. Sobald man sich allerdings selbst getraut, um Hilfe zu fragen, werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Problem zu lösen. Dies ist die berühmte Freundlichkeit, um die ich schon einige Male froh gewesen bin. Heute war ich beispielsweise auf der Suche nach meinem Klassenlehrer und nach dem Feststellen seiner Abwesenheit im Lehrerzimmer wurde er prompt via Megaphon in der Schule ausgerufen. Stichwort, "de Kevin suecht sis Mami". Da ich in Japan als Schülerin sowieso als Kind gelte und ausserdem der Sprache nicht mächtig bin, stört mich meine Abhängigkeit überhaupt nicht.
Fazit: Japaner sind scheu, sie sind höflich, sie sind freundlich. Mit ihrem strahlendem Lächeln und pinguin-artigem Verbeugen sind sie die sympathischsten Menschen, die ich je getroffen habe. Man muss sie einfach lieben. Da  sie so eine unglaubliche hohe Bevölkerungsdichte haben, wissen sie, was Privatsphäre bedeutet und respektieren und beschützen nicht nur ihre eigene.
Die hohe Anzahl "Flach-nasen" (ein weiteres korrektes Klischee: Eine Nasenwurzel ist praktisch nicht existent) erklärt auch ihren Hygienefimmel: Wenn eine Epidemie ausbrechen würde, ist das hier ein grösseres Problem als in Kanada oder USA. Ausserdem ist es hier irgendwie unglaublich staubig: Ich muss mein Zimmer mindestens 2 mal pro Woche staubsaugen und habe ständig Staubflusen an mir. Also sind Japaner unglaublich hygienisch. In meiner Schule haben meistens dieselben Schüler immer Masken auf: Normalerweise beschützt man die Umgebung während eines Schnupfens vor den eigenen Keimen. Allerdings werden auch Masken zum eigenen Schutz als Prävention getragen. Vielleicht schämen sich auch einige über ihre Zahnstellung: Die wenigsten Japaner haben je eine Zahnspange getragen und dementsprechend kreative Zahnstellungen sind vertreten. Meine Schwester ist bis jetzt eine der einzigen Leute, die ich gesehen habe, die eine tragen. Der Stereotyp, dass man sich beim Lachen die Hand vor den Mund hält, würde auf die Erklärung mit den krummen Zähnen passen, ist allerdings nicht wahr. Hier besitzen die meisten genug Selbstvertrauen um mit offenem Mund zu lachen, und sich auch bei jeder Gelegenheit ablichten zu lassen. Der "Selfie-Stick" kann man in jedem Departement-Store in verschiedensten Farben kaufen.
Nun kommen wir zu einem Punkt, zu dem ich schon häufig befragt wurde: Japaner essen KEIN Hund oder Katze. Sie haben es auch nie gegessen. Früher ass man alles, das im Meer lebte. Nutztiere wie Schwein oder Kuh ass man nicht, sie waren zu wichtig für die Feldarbeit. So holte man sich seine Proteine aus dem Meer: Wale und andere Säuger mussten daran glauben, sie werden als Fleisch und nicht als Fisch gezählt. Während man allerdings heute praktisch keinen Wal mehr isst (er soll gummig schmecken und an Walfangverbote hält man sich vermutlich doch), sind heute Algenarten, dutzende Fischarten, sowie Seeigel nichts seltenes in der japanischen Küche. Die japanische Küche ist allerdings nicht scharf, wie ich Jahre geglaubt habe. Wasabi bildet eine Ausnahme. In der Edo-Zeit waren die Menschen noch bedeutend kleiner, bis man begann, Milch zu trinken. Heutzutage trinkt jeder Milch, Laktoseintoleranz ist kein Thema (mehr). Die nördlichste der Hauptinseln, Hokkaido ist berühmt für seinen Käse und Kühe, wie es die Schweiz ist.
Ebenfalls berühmt ist Japan, wie Schweizer für ihre Pünktlichkeit. Allerdings unterscheidet sich die Definition etwas. Während man das Phänomen, auf die Sekunde genau aufzutauchen, lachend als Schweize Pünktlichkeit abstempelt, ist es hier Standart, 10 Minuten früher auf der Matte zu stehen. Das habe ich bis jetzt ohne Ausnahme erlebt und halte mich selbst daran.
Diese Liste könnte ich ewig weiterführen: Von der Qualität und deren Überzeugung von japanischen Produkten (Beispielsweise sei es in China ein No-Go einen chinesischen Reiskocher zu besitzen, sie werden zu Dutzenden importiert)oder ihrem ähnlichen Aussehen(Stimmt nicht, man kann sie unterscheiden), doch lassen wir's fürs erste gut sein. Sonst ende ich mit einer Liz-Arbeit über Klischees, von denen es natürlich auch immer Ausnahmen gibt.Beispielsweise gibt es unter all denen gertenschlanken Mädchen(Europa ist nichts dagegen), in meine Klasse einige, die mehr Fleisch besitzen als ich. In Japan gelte ich vermutlich zu den dickeren Menschen, wenn man betrachtet, dass mein Unterschenkel oft dem Umfang eines japanischen Oberschenkels entspricht. Hier ist das fast ungesund aussehnde Dünn-Sein normal, und es sieht auch weniger krank aus, als in Europa(ehrlich!)
Doch nun wartet mein Abendessen auf mich.
じゃねー!

Sonntag, 3. Mai 2015

Die strahlende Golden Week"

Da Japaner wahre Arbeitstiere sind, erhalten sie fast keine Ferien. Ein kleiner Ausgleich ist die "Golden Week": Anfang Mai fallen mehrere offizielle Feiertage zusammen, die man in einer Woche Ferien zusammenfasst. Meine Schule begann diese Ferienwoche mit einer Schulwanderung auf den Kanayasan, einem Berg in der Nähe. So traf man sich zu üblichen Zeit im Klassenzimmer, aber in unüblicher Kleidung: Jeder tauchte in Zivil auf und aus den "alle Tiere sind gleich" wurden die selben Schüler, doch mit mehr Chrakater. Nach einer guten Stunde gelangten wir auf ein Bergplateau, mit einer riesen Grünfläche, etwas Schatten und einer Rodelbahn. Bereits am 1. Mai herrschten etwa 30 Grad, weshalb jeder mit einer Kopfbedeckung sowie Sonnenschutz Faktor 50 herumlief. Die Senior Highschools in Japan haben im Gegensatz zum Aargau nur 3 Jahrgänge, in unserer Schule sind wir 5 Klassen an 3. Klässlern. So versammelte sich jede Klasse in einer anderen Ecke des staubtrockenen Rasens, bereitete eine Plastikplane aus und kleine Grillroste wurden von den Lehrern verteilt. Das Mittagessen bestand aus einem asiatischen BBQ: Gegrilltes Fleisch, Zwiebeln, Kabis und zuetzt Yakisoba (starkgewürzte und gebratene Nudeln) wurden in den nächsten 2h gebraten und verteilt. Chefmaster waren die Mitglieder des Kochclubs. Dabei erhielt nicht jeder einfach einen Teller, sondern die gegrillten Esswaren wurden in mehrere Teller geladen und herumgereicht, wo man sich gegenseitig Fleisch, Nudeln etc. in den Mund stopfte, wenn man nicht im Besitz von Einweg-Stäbchen war. Kleinere (sowie ein grösserer) Unfall mit Öl und dem trockenen Rasen trübten jedoch niemandes Laune. Eine feuerfeste Unterlage unter einem Grill scheint hier nicht bekannt zu sein. Am  frühen Nachmittag begab man sich zurück zur Schule, und ich mich danach nach Hause. Mein Fuss hatte ebenfalls kein Verlangen nach Kendo, so verzog ich mich lieber unter eine kalte Dusche.
Den Samstag begannen mein Vater, meine Schwester und ich schon früh: Frühstück gab's aus einem Konbini: Bestehend aus einem Onigiri (Reisbällchen) natürlich. Das Tempelfestival von Nagano war unser Ziel, das allerdings eine Fahrzeit von 2h entfernt gelegen war. In Nagano gibt es eine berühmte Buddhistische Tempelanlage, welche eine Buddha-Statue einer Barbiepuppe beherbergt. Diese kann man allerdings nur alle 7 Jahre betrachten, weshalb die Stadt an diesem Wochenede Ähnlichkeit mit Mekka aufwies. Nagano ist die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur. Sie ist für Äpfel, Reis und Oyaki(Gefüllte und gebratene Mehl-Klösschen) berühmt. Nach einer Besichtigung der Tempelanlage streunten wir zu dritt in den Geschäften in der Hauptstrasse herum, wo es von Gebetsutensilien bis zu traditionellen Schuhen aus Stroh ziemlich alles zu kaufen gab. 
Auf dem Rückweg machten wir mehrere Zwischenstopps: Der erste an dem berühmten Naena-Wasserfall. Aufgrund des Schmelzwassers ist der Sekigawa-Fluss derzeit ziemlich gefüllt und die Wassermassen rauschen mit beeindruckendem Getöse ins Tal. Obwohl es ziemlich warm war(20 Grad) liegt auf dem Wanderweg immernoch etwas Schnee herum.
Als nächstes hielten wir an einem grösseren und hübschen Teich, dem Imori-Ike. (Ike ist das japanische Wort für Teich). Der Teich ist allerdings nur aufgrund seiner hübschen Umgebung und tollen Aussicht auf den Myokosan (berühmer Berg) berühmt. Nach einigen Fotos gings auch schon wieder zurück ins Auto und zu unserem letzten Stopp nach Myoko-stadt, wo die Eltern meines Gastvaters wohnen. Wir brachten Manju (Teigklösschen mit Anko gefüllt vorbei), die wir als Mitbringsel von Nagano gekauft haben. Um 3 Uhr erreichten wir schliesslich wieder unser Zuhause, wo wir für den Rest des Tages nicht mehr viel gemacht haben.
Am Sonntag ging's noch etwas früher los: Bereits um viertel vor 7 war Abfahrt und diesmal waren wir zufünft unterwegs nach Niigata, der Hauptstadt unserer Präfektur (vergleichbar mit den Kantonen in der Schweiz, nur dass in Japan etwas mehr Einheit herrscht). Das am Meer gelegene Aquarium von Niigata ist eine belibte Sehenswürdigkeit, so dass wir bereits vor 9 Uhr eine Schlange von ca 350 m bewältiten mussten. Unter vielen anderen Asiaten bestaunten wir die eindrücklichen Kreaturen der japanischen See, Flüssen und auch anderen Ozeanen. Japanische Kinder können allerdings genauso laut schreien wir europäische, auch wenn sie mit ihren schwarzen Zöpfchen noch ganz niedlich sind. Die Klimax an Geschrei erreichten wir in der Arena der Delfinshow, wo während 20 Minuten 4 Delfine Tricks vorführten und den Zuschauern auch Wissenswertes über deren Lebensweise erzählt wurde.
Die Haltung in den Aquarien ist besser als in Joetsu: Die meisten Aquarien sind genügend ausstaffiert und auch wenn die Anzahl Tiere immernoch unglaublich hoch ist, haben die Fische, Seelöwen etc. zumindest mehr Platz.
 Nach 2h Besichtigungstour, machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. In einem Departement-Store wurde man schliesslich fündig. Mit Freuden stellte ich fest, dass in dem Restaurant für Spaghetti-Spezialitäten auch europäische Portionen serviert wurden. Nach einem Rundgang durch den Departement-Store, wo ich zu meiner grossen Freude Rittersport, Kägi-Fret und Lindt-Schokolade entdeckte, machten wir uns erneut auf den Weg. Diesmal besuchten wir die Eltern meiner Gastmutter, welche in einer Stadt namens Tokamachi wohnen. Ihr Haus ist unglaublich traditionell: Der Fussboden besteht zu mindestens 50% aus Tatami-Matten und sie haben nebst dem üblichen Shinto-Schrein auch noch einen ziemlich grossen Buddha-Schrein mit vielen Goldverzierungen. Die Grosseltern sind beides sehr gebildete und interessierte Leute: Nach einer Tasse Kaffe begleitete der Grossvater, meine Schwester, meinen Vater und mich zum historischen Museum in Tokamachi. Es ist berühmt für alte Vorratstöpfe, von denen das Prachtstück sogar mit einer Erdbeben-sicheren Vorrichtung ausgestattet ist. So lernte ich alles Mögliche über die japanische Urgeschichte bis Neuzeit. 
 Hierbei handelt es sich um ein traditionelles Haus aus der Edo-Zeit(18.Jhr)
 Das erste Mal, das ich in Japan eine Tafel auf Französisch gelesen habe..

Zuhause verbrachte man die Zeit bis zum Abendessen mit traditionellen japanischen Spielzeugen, wie beispielsweise Kreisel. Hier scheint es normal zu sein, dass 3 Generationen zusammen am Boden sitzen und miteinander spielen, wie es bei uns höchstens mit Kartenspielen der Fall ist. Das Abendessen bestand aus viel gesundem Berggemüse und weniger gesunden Gyoza und Aburage, frittierten Pouletstücken. (Japaner sind Meister in lecker-frittieren) Natürlich darf der Reis nicht fehlen, der in ganz Japan berühmt für seine gute Qualität ist. Ich persönlich bin ein grosser Fan von dem Niigata-Reis und bereits jetzt schon ziemlich verwöhnt. Zum Frühstück gab's die Reste des Abendessens, also japanisch traditionell. Danach weihte der Grossvater mich in die Kunst der Kalligraphie ein. Zuhause in Joetsu habe ich bereits mit Pinsel-Filzstiften geübt und kläglich versagt, mit einem grösseren Pinsel und einem Lehrmeister zur Hand war ich mit den Ergebnissen doch schon mehr zufrieden. Es ist unglaublich schwierig, die richtige Haltung zu bewahren und die Kanji hübsch aussehen zu lassen. Neben dem "Shuji" gibt es noch das "Shodoo". Beides nennt sich Kalligraphie. Allerdings ist letzteres eine persönliche Interpretation der Kanji, die man schreibt. Man legt sein persönliches "Feeling" hinein, und fügt gerne ein paar Kringel hinzu, so dass das Resultat für mich ziemlich unlesbar ist. Ich allerdings bin bereits mit der Standart-Variante schon genug gefordert. Nach einer Tasse Kaffe beladeten wir unser Auto mit unseren Taschen-und geschätzten 30 kg Reis. Bis zu unserem Haus hatten wir eine Fahrzeit von circa 1,5 h. 
Auch wenn Tokamachi und Joetsu direkt nebeneinander liegen, sind beide Städte ziemlich ausgefächert und  gross, weshalb man doch einige Zeit mit dem Auto braucht.
Den Dienstag verbrachte ich grössten Teils im Region-Plaza in Joetsu. Dort fand während der ganzen Golden Week ein grosses Kendoturnier statt, wo nicht nur alle Kendoclubs aus Niigata-Präfektur, sondern auch anderen Präfekturen teilnahmen. Ich verbrachte also 4h in der Halle bei meinen Teammitgliedern auf dem Boden und fieberte freudig mit. Ein Team besteht aus 4-5 Mitgliedern, die einzeln gegen fremde Teams antreten. Dabei ist ein Match 3 Minuten und Ziel dabei ist natürlich, möglichst viele Treffer zu landen. Treffen reicht leider nicht aus, sondern die Stimme muss dabei genug laut und überzeugend sein, damit ein Treffer gezählt wird. Die  Schiedsrichter müssen also ein gutes Auge und viel Erfahrung haben.
Der Abschluss bildete ein Essen in einem Sushi-Restaurant. Meine Familie fragte mich einst nach der europäischen Vorstellung von Japan. Ich beantwortete diese Frage mit 3 Stichworten: Ninja, Samurai und Sushi. Bis heute gibt es leider nur noch letzteres im Original. So fuhren wir am Mittwochabend nochmals zu fünft los. Stilecht mit 2 Laufbändern und je 2 Sushi-Meistern in der Mitte, kam ich in den Genuss von waschechten Sushi. Sushi schmecken eigentlich ziemlich ähnlich wie Zuhause, nur dass hier die Auswahl an Fisch etwa die 5 Fache Ausmasse der Schweiz hat. Es gibt unter anderem auch exotische Sushi mit Seeigel, gebratenem Fleisch oder Natto gefüllt. Maki(Füllung und Reis in Nori gerollt) sind hier nicht so verbreitet wie in der Schweiz, es gibt eher mehr Nigiri (die Reismocken mit Beilage obendrauf). Vielleicht werden diese auch eher aus Zeitmangel hergestellt. Bei riesigen Sushi-Stücken ist es okay abzubeissen, doch ich habe den Eindruck, dass dies kein Japaner je machen würde. Also versuchte ich mir mit möglichst viel Würde die Genkan (Schiffchen) etc. in den Mund zu stopfen. Jeder ass die Sushi auch mit Stäbchen, auch wenn sie oft von Hand gegessen werden. Zum Abendessen gab es einst von Hand gemachte Sushi: Dabei nahm man sich ein Stück Nori zu Hand, legte etwas Reis und ein Stück Sashimi drauf und rollte es. Danach isst man es direkt. Dies ist die einfache Variante für die Küche Zuhause, wenn man keinen professionellen Koch Zuhause hat. Am Ende werden wie in Europa auch, die Teller gezählt, die man vom Fliessband genommen hat, gezählt. 
Ich habe nun 2 Tage Schule vor mir, welche meine Motivation bereits übersprungen hat. Morgen beginnt allerdings mein japanisch-Privatunterricht. Ich werde nun einmal pro Woche von AFS unterrichtet. Welchen Lehrer (vor allem mit welchen Sprachkenntnissen) sie angestellt haben, weiss ich noch nicht.
Genkan(Schiffchen-Sushi) mit Fisch. Dazu hat jeder seine private Soya-sauce Schüssel und Grüntee.
Das Essen läuft auf dem Fliessband an den Tischen vorbei. Bestellungen können allerdings auch direkt an den Chefkoch weitergegeben werden, falls etwas von der Karte nicht in Umlauf sein sollte.


Samstag, 2. Mai 2015

Bisherige erworbene Skills oder Angewohnheiten

Ich  gebe mir Tag für Tag Mühe, in die Welt meiner Mitmenschen hineinzuwachsen. Das erfordert teilweise etwas mehr Mühe, als ich mir selbst eingestehe, doch solange man jung ist, versucht man alles nicht wahr? Ich habe hier mal eine Liste gebastelt:
1. Eine Krawatte binde ich noch vor dem Frühstück.
2. Ich kann bereits auf die komplizierte, ausweichende Art "nein" zu sagen, reagieren und sie auch anwenden.
3. Im Strassenverkehr links zu fahren, ist blosse Gewöhnnungssache.
4. Ich verschlinge alles, was mit Matcha zu tun hat, solange es nicht den puren Tee MIT Milch ist
5. Ich liebe eine dampfende Schüssel Reis zum Frühstück- als Beilage gerne Fisch, Fleisch oder Algen
6. Korrekt Verbeugen beherrsche ich seit meinem Eintritt in den Kendoclub.
7. Kleine Konversationen (wie z.B. mit einer Bäckerin) funktionieren bereits ganz prima.
8. Ich kann jeden Tag nach 10 ins Bett fallen und sofort einschlafen
9. Solange es sich nicht um eine Frage handelt, kann ich jederzeit so tun, als hätte ich meinen Gesprächspartner verstanden.
10. Auch mein Doogi kann ich mittlerweile selbst binden.
11. Im Gegensatz zu meinen Mitmenschen beschwere ich mich nicht ständig über die Temperatur (eventuell ist das auch nur ihre Variante von Smalltalk)
12. Ich kann auf Befehl wie eine Irre schreien (das soll den Gegner im Kendo verunsichern)
13. Mit Stäbchen Essen und Schöpfen ist schon lange keine Kunst mehr(solange es sich nicht um den fast flüssigen Tofu handelt)
14. Japaner sprechen und verstehen nur seltsames Englisch, mit japanischem Akzent. Leider beginne auch ich langsam das R von L nicht mehr zu trennen, damit man mich auch versteht.
15. Ich kann fast mit der Geschwindikeit, die man beim Wechseln der Posen beim Purikura (Automatenfotos) benötigt, mithalten.
16. Bereits nach 3 Wochen Schule langweile ich mich schrecklich.
17. Ich entwickle Hornhaut an den Füssen vergleichbar mit der eines Elefanten.
18. Bis jetzt habe ich mir in der Küche weder in den Finger geschnitten, noch etwas zerbrochen.
19. Innerhalb eines Monats habe ich bereits eine Sammlung von 6 Manga (japanischen Comics).
20. Ich habe den Schlaf eines Murmeltieres, dank der Melodie der Waschmaschine und dem Wecker meiner Schwester.
21. Eine japanische Waschmaschine zu bedienen ist reine Übungssache.
22. Aufgrund meiner Kanjikenntnisse kann ich auf der Strasse ein Krankenhaus sowie diverse Geschäfte identifizieren.
23. Meinem Sitzfleisch sei Dank sitze ich stundenlang auf dem Boden und schlafe auch gerne auf den Sitzkissen ein.