Wir wurden folglich also zu unserer neuen Gastfamilie gebracht, welche uns den Plan für die nächsten 3 Tage erzählte. Am ersten Abend begann das Nagaoka-Matsuri (Festival) und die AFS Studenten aus Nagaoka selbst hatten sich für die Tanzparade angemeldet. (Gleiche Sache wie am Joetsu Festival, wo Oskar und ich zu tanzen versuchten).
Für diese 3 Tage hatte jede Gastfamilie ihr eigenes Programm, wir trafen allerdings einige andere AFS Leute am ersten Abend des Festivals.
Den zweiten Tag verbrachten wir als Gruppe zusammen: Wir nahmen von Nagaoka den Zug zu einem Ort namens Odchiba. Odchiba ist berühmt für Kois- Japans teure und bunt gefärbte Karpfen. Wir besuchten nebst der Koiausstellung auch eine alte Weberei, wo wir allerdings einfach einen Untersetzer nach traditioneller Art webten, anstatt etwas zu lernen oder besichtigen. Die Kois waren jedoch spektakulär: Es gibt unzählige Sorten, die aus vorherigen Kreuzungen entstehen und in einem riesigen Innenbecken befanden sich gut 25 Kois- von der Grösse von Schweinen(Gewicht 20kg). In einem Aussenbecken fanden sich jedoch auch noch Kois mit der gewohnten Grösse.
Das Mittagessen fand nach besonderer Art statt: Wir besuchten ein Soba-Haus(Soba sind japanische Buchweizennudeln), wo wir die Nudeln selbst herstellten, schnitten und anschliessend assen. Soba-Tenpura ist ein beliebtes Gericht im Sommer, wo man die Nudeln in kalte Soyasauce mit Dashigranulat(Japans Bouillon) taucht und danach schlürft. Tenpura sind Gemüse, Crevetten, Muscheln etc. mit einem Eier-Mehl-Teig frittiert.
Das ganze Programm war ziemlich anstrengend, doch wir alle wurden innerhalb eines Tages enge Freunde. Es ist nun ziemlich frustrierend, zu wissen, dass sich alle im September wieder sehen werden und ich dann bereits in der Schweiz bin.
Nun am Abend fand das berühmte Feuerwerk am Fluss in Nagaoka statt. Der Ursprung des Feuerwerks stammt aus dem 2. Weltkrieg, als Amerikanische Flugzeuge Nagaoka beschossen und anschliessend zu Ehren der Opfer seit jeher Feuerwerke stattfinden. Die ersten Schüsse werden deshalb einzeln und mit Ansage abgegeben, als Schweigeminute sozusagen. Wir 3 Gastschwestern hatten uns mithilfe unserer Gastmutter in Yukatas geworfen und spazierten dann zu viert zum Feuerwerk, ein Obento im Gepäck. Das ganze Feuerwerk ist ein Riesenspektakel mit 500'000 Zuschauern pro Abend. Wir hatten wunderbare und teuere Plätze auf Holzplateaus auf Stelzen, wo weder Wind noch Mücken uns erreichte. Folglich war nach einigen Schüssen alles voller Rauch und man hatte leider etwas Mühe etwas zu sehen. Das Feuerwerk dauert an 2 Abenden gute 100 Minuten. Das ganze ist so organisiert, dass verschiedenste Sponsoren ein Feuerwerk inklusive Namen liefern, der dann auf einem Programm zu lesen ist.
Vor allem der erste Abend übertraf alles was ich bereits an Feuerwerken gesehen hatte: Böller in verschiedensten Farben und Formen knallten unglaublich laut, so dass die Holzplatten erzitterten. Die Knaller waren häufig so dicht, dass geschossen wurde, bis der Himmel taghell in allen Farben, die Gesichter in Freude erstrahlten und sich alle Fledermäuse in ihre Löcher verzogen. Das ganze Programm war an Technik ebenfalls total ausgefeilt: Es wurden von mehreren Orten (sogar von einer Brücke) und perfekt getimt Knaller losgelassen, das wunderschöne Muster und Bewegungen entstanden. Einer der Höhepunkte des Programms war der sogannte "Phönix"- eine Metapher für das Erdbeben von Nagaoka, welches die Japaner ermahnen sollte immer wieder aufzustehen. Über 100m Breite zogen sich die Abschussplätze der Feuerwerke und man konnte sogar Phönixe in den Formen erahnen.
Um 9 Uhr kehrten wir zu Fuss mit einer riesen (und organisierten!) Völkerwanderung nach Hause zurück wo wir zu dritt natürlich eine Übernachtungsparty feiern konnten.
Am 3. August schliefen wir bis knapp Mittag (Überraschung!) und gondelten am Nachmittag durch die heissen und bevölkterten Strassen des Nagaoka Festivals. Am Abend fand noch einmal ein fantastisches Feuerwerk statt, das Programm jedoch etwas anders. Diesmal fanden sich sogar Hello-Kittys unter den Feuerwerkskörpern, die Höhepunkte blieben allerdings die selben.
Am nächsten Morgen fanden wir uns alle am Bahnhof wieder, wo wir alle unsere Erlebnisse des Feuerwerks austauschten. Wir fuhren mit einem Bus in ein Onsen-Hotel, wo wir eine Nacht blieben. Nach einem Mittagessen fand der ein weiterer Höhepunkt des Lagers statt: Wir stürzten uns in unsere Badesachen und ab an den Strand! Trotz vieler Sonnenbrände und geschluckten Wassers war es ein riesen Spass mit allen am Strand zu sein und die Ferien zu geniessen.
Zurück im Hotel ging's nicht unter die gewohnte Dusche- sondern ab ins Onsen! Unter vielen Frauen duscht man sich in im Sitzen ab und steigt dann in die heisse Wasserbecken. Onsen sind ursprünglich heisse Quellen, das Wasser häufig trüb von Mineralien, gesund für Geist und Körper. Sie sind wirklich heiss, doch jeder der sich in Japan aufhält, sollte sie mal ausprobiert haben. Nach einiger Freizeit gab's Abendessen und ein Orientation-Meeting über das weitere Programm für die ganzjährigen Austauschschüler-leider ein erneuter Moment von Frustration für mich. Nach dem Essen hatten wir noch einmal Gelegenheit, ins Bad zu gehen. Bei einem Onsenaufenthalt wird 3 mal ein Bad empfohlen.
In der Nacht wurde natürlich praktisch nicht geschlafen, sondern das Hotel erkundet, Karten gespielt und bis in den frühen Morgen geredet.
Auch vor dem Frühstück stiegen viele noch einmal in Sauna und Wasserbecken- eine gute Möglichkeit wach zu werden. Um wach zu werden, benötigte ich jedoch den ganzen Tag, mehrere Kaffees und Getränke und ein Aspririn am Morgen.
WIr packten leider bald unsere Sachen und fuhren in eine Primarschule, wo wir unsere Länder den Schülern vorstellen sollten. Vorher hatten wir jedoch ein Japanisch-Test und eine erneute Orientation. Der ganze Nachmittag mit den Kindern strengte uns ziemlich an, obwohl wir alle bereits mit totenbleichen Gesichtern und Augenringen aufkreuzten. Doch das Lagerleben geniesst man, so lange man jung ist, auch wenn man dann einen Nachmittag lang sich nach Kaffee, Ruhe und Bett sehnt. Die Zeit mit den Kindern war eine interessante Erfahrung: Wir stellten unsere Länder vor, sprachen unglaublich viel, assen zusammen Mittag... Wie bereits schon einmal erlebt, sind viele ein wenig Scheu, doch nach ein wenig Kontakt kamen alle Kinder mit vollem Herzen auf einen zu.
Wir erreichten alle am Abend eine neue Gastfamilie-für 1 Nacht. Ich hatte eine wirklich nette neue Mum, eine noch freudigere Grossmutter, die einen seltsamen Dialekt sprach und eine Gastvater, der mir nicht wirklich sympathisch war-Er war an der ganzen AFS Sache nicht wirklich beteiligt. Nach einem Abendessen machten Mum und ich einen Strandspaziergang-zufälligerweise an den selben Strand, wo wir alle zusammen geplantscht haben.
Am nächsten Morgen trafen wir uns alle noch einmal für eine 30 Minütige Zugfahrt nach Niigata-und einem Mittagessen bei einem Mexikaner. Danach wurde es für Oskar und mich Zeit in einen Highwaybus zu steigen und nach Hause zu gondeln. Währned der Fahrt kämpften wir beide mit einer Traurigkeit, die imer auftritt, wenn ein wunderbarer Event zu Ende geht. Ausserdem sah ich alle Leute aus dem Chapter vermutlich zum letzten Mal, sie alle werden sich allerdings im Herbst in Joetsu wiedersehen.















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