Mittwoch, 12. August 2015

Tokyo's Train-Adventures

Das Zugnetzwerk ist ein erneutes Meisterwerk an japanischer Technik. Nebst den Shinkansen ins gesamte Land gibt es Regiozüge und Metrolinien durch die ganze Stadt. Ausser bei Erdbeben und Unfällen sind sie pünktlich auf die Minute-auch zur Stosszeit. 
Meine Schwester leihte mir eine Fahrkarte, die man bei einem Automaten auflädt und bei Betreten der Plattform auf einen Badge hält-Schnell, effizient und günstiger als ein Billet zu kaufen.
Viele der Geschichten über die Züge sind wahr, beispielsweise ist es zu jeder Tageszeit ruhig, Kinder schreien nicht. Am Morgen schlafen nicht nur Geschäftsleute vor sich hin, doch selten werden fremde Menschen berührt. Ich stellte mich dieser Challenge als Europäer ganz gut, und vermied es in Leute hinein zulaufen oder beim Sitzen zu streifen. Am Morgen sind die Züge unglaublich voll, jedoch ist das Gefühl im Vergleich zum Zürich Hauptbahnhof viel gedrängter, jedoch ruhiger. 
An den Wochentagen am Morgen gibt es Waggon's nur für Frauen: Diese sind ein Produkt der "Chikan's" in Tokyo. Als "Chikan" werden Männer bezeichnet, welche in dicht gefüllten Zügen Highschoolmädchen oder sonst junge Frauen anfassen, die Gruselgeschichten kennt man ja.
In den Zügen findet man allerdings auch viele Ausländer und zu meiner Überraschung Pfadfinder aus aller Welt. Vermutlich findet gerade ein Event statt, so dass in allen Touristenorten und Shoppingmeilen Teenager mit riesen Rucksack und geknüpftem Halstuch zu finden waren.
Während dem Fahren mit dem Zug hört man ständig Durchsagen-Vergleichbar mit dem London Underground "Mind the gap", nur viel höflichere und längere Sätze. Es wird auch immer die Aussteigsseite für Blinde angesagt, auch sonst kann man sich in Japan ohne Augenlicht besser zurechtfinden als sonst auf der Welt: Vor den Toiletten wird angesagt, welche Seite für welches Geschlecht ist, auf dem Boden finden sich Linien um den Weg zu finden und, und und...
Die Sitze in den Zügen sind allerdings bis auf die der Shinkansen immer seitwärts gerichtet: Man sitzt mit dem Rücken zum Fenster. An der Decke hängen dann unzählige "Triangel" aus Plastik. Meistents steht man im Zug, und obwohl sie unglaublich schnelll und ruhig(!) fahren, hält man sich daran fest.
Alles in allem ein wunderbares Vorbild für die SBB. Hier gibt es allerdings nicht nur eine Gesellschaft für die Züge, sondern mehrere.  Das Wechseln zwischen diesen ist allerdings kein Problem, man bezahlt für sein Billett, als würde man den Bahnhof verlassen und wechselt auf die nächste Linie. Auf der berühmtesten Zuglinie, der Yamanote-line, sind wir zu meiner Freude auch gefahren. Sie ist nichts besonderes, nur dass  es die vermutlich am häufigsten benutzte Linie ist. Sie fährt im Kreis durch die Innenstadt Tokyo's und benötigt dafür eine knappe Stunde.
Ich bin also ein Fan vom japanischen Zugnetzwerk, in Tokyo ist es einfach genial. Meine Schwester wusste glücklicherweise den Weg zu jeder Plattform und hatte dank dem Smartphone auch immer Zugriff auf die besten Verbindungen. Während man allerdings in Tokyo kaum 4 Minuten auf einen Zug wartet, kommt in Joetsu (200.000 Einwohner) nur höchstens alle halbe Stunde und regelmässig ein Zug. Die Busse fahren auch hier sehr unregelmässig und der letzte zu meinem Haus fährt vor 7 Uhr am Bahnhof ab. Da  lob ich mir doch die gute, alte und sehr verspätete Buslinie 350 nach Zürich Wiedikon, die fährt bis morgens um eins.

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