Freitag, 31. Juli 2015

Reflexion über das wunderbare Leben eines Austauschschülers

Auf die Fragen "Wie lebt es sich in Japan? Was hast du gelernt, erlebt?" findet sich so schnell keine Antwort. Ich kann nicht 5 Monate meines Lebens in 3 Sätze zusammen fassen. Ich kam hierher und konnte mich gerade mal selbst auf Japanisch vorstellen, jedoch Basic-Sätze verstehen. Ich bin immer noch ein Anfänger in Japanisch-doch ich habe dazu gelernt. 
Ich machte viele Fehler, wiederholte Fehler. Doch ich gewann an Sensibilität und gewann Verständnis für Kultur und Sprache. Diese Dinge sind so dicht verknüpft, das viele es als ein Ding des Unmöglichen nennen, eine solch fremde Sprache zu lernen. Das ist es nicht.
Ich lernte meine eigenen Grenzen, überschritt sie und gewann an Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten. Meine  Familie wuchs um mehrere Mitglieder, nun gibt es Leute auf dem gesamten Planeten, die ich als Freunde und Familie bezeichne. Das schlimmste am Austauschschüler-sein ist Abschied nehmen, da sind wir uns einig. Wir alle haben diese einzigartige Verbindung, die man aufbaut, wenn man als einzige Ausländer in einer (anfangs) fremden Familie und Kultur lebt. Gemeinsam mit wunderbaren Leuten habe ich gelacht, geweint und gelebt. Ich bin sicher, jeder Austauschschüler verliebt sich in sein Gastland, das Gefühl der Sonne und Wind auf der Haut, das sich anders als in der Heimat anfühlt.
Man wächst jeden Tag, Herausforderungen und Treffen mit neuen Leuten gehen nicht ohne Spuren vorüber. Man sagt, "Education is the key to peace and understanding", doch was ist der Ursprung? Meine Antwort darauf lautet Neugierde. Dieselbe Neugierde, die uns als Kinder auf eine heisse Herdplatte fassen und auf fremde Menschen zurennen lässt. Diese Neugier, welche ich von den Japanern, egal ob jung oder alt, erfahren habe, lässt mich bis heute erstaunen. Japaner sind ein Inselvolk und die Kultur ist voll von Paradoxen. Wenn man diese Dinge verinnerlicht, ist die Hürde zum Verständnis ihrer Kultur überwunden. Ich wurde oft seltsame Dinge gefragt, doch Antrieb dahinter ist wieder die menschliche Neugier. Ich sehe sie in den Augen der Menschen, die mich scheu auf der Strasse anlächeln oder ein Gespräch beginnen.
Menschen sind nicht von Natur aus gut oder böse, dies sind von Menschen erfundene Begriffe mit Bezug auf idealisierte Moralvorstellungen. WIr alle leben unser eigenes Leben, jede Familie lacht und streitet hinter ihren Türen. Die Frage ist nur, ob wir den Schritt wagen auf fremde Menschen zuzugehen und einen Blick in ihr Leben werfen möchten oder sich lieber auf sein eigenes Leben und Wohl fokussiert. 
Ich habe keine Sekunde bereut, das Flugzeug in Zürich Kloten bestiegen zu haben. An alle zukünftigen Austauschschüler: Nehmt euch die Zeit ein ganzes Jahr zu verreisen, es ist es jeden Tag wert. Hier habe ich die Möglichkeit Spass zu haben, die Welt und mich selbst kennen zu lernen, Träume zu erfüllen, neue Dinge auszuprobieren und, und und...
Hier habe ich Zeit, Vögel beim Fliegen und Menschen beim Einkaufen auf der Strasse zu betrachten.
Auch wenn ich in Japan nicht nur rechtlich sondern auch von der Gesellschaft als Kind betrachtet werde, lernte ich Verantwortung zu übernehmen. Doch man ist nie allein und ohne Hilfe hätte ich diese 5 Monate nie gemeistert. Ich bin dankbar um meine Gastfamilie, Freunde, Schule und AFS Freiwillige.
Das Leben in Japan ist für mich voll von Farben und pulsierendem Leben. Grün, wie die üppige Natur, blau wie das Meer, das so wichtig für die Menschen hier ist, gelb wie die Sonne, an die ich mich nie gewöhnen werde, pink wie die wunderbaren Kirschblüten und das Gefühl des Frühlings, orange wie die Sonnenuntergänge, welche zu den schönsten auf der Welt gehören und schwarz wie der Nachthimmel auf dem Land. 
Ich versuche mein Leben so intensiv wie möglich zu leben, zwischen Schrittempo auf dem Spazierweg und Vollgas durch die Strassen Joetsus auf dem Fahrrad. 
Ich weiss nicht, ob ich schon bereit für meine Rückkehr in die Schweiz bin, doch ich nehme jeden Tag in Angriff, wie er kommt. 

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