Am Montagvormittag erreichten wir zuerst das Apartement, welches noch in der Einrichtungsphase ist und wir deshalb unser Essen meist in einem Konbini kaufen und abwechselnd am ebenfalls winzigen Tisch verspeisen. Mein Bettzeug ist improvisiert, immerhin gibt es seit neustens einen Kühlschrank und ich erhalte ein nigelnagel-neues Handtuch. So fühlt sich vermutlich das Studentenleben an: Wir streifen zu zweit durch die Stadt, fahren kreuz und quer mit den Zügen Tokyos und müssen zur Seite weichen, wenn jemand von uns in den anderen Raum des Apartements möchte.(Es handelt sich natürlich um ein 1-Zimmer-Apartement mit Bad und Küche)
Am Montag besichtigten wir zuerst das Nationale Museum von Tokyo. Es besteht aus mehreren Gebäuden, von denen wir allerdings nur Geduld für das Hauptgebäude hatten. Dort werden alle möglichen Dinge aus der japanischen Geschichte nach den Zeitaltern ausgestellt. Alles was nach Japan schreit, ist hier zu sehen: Samurai-Schwerter, Rüstungen, alte Schriftrollen, Porzellanwaren, Bilder, Lackwaren...
Den Nachmittag verbrachten wir im Elektronik-viertel Akihabara. Hier findet man alles was das Gamerherz begehrt: Animes, Konsolen, Pachinkoglücksspiel... Auch ich bin nun im Besitz einer neuen Nintendo DS-Konsole, alles auf Japanisch eingestellt. Am frühen Abend kehrten wir mit schmerzenden Füssen ins Apartement zurück, wo der Abend gemütlich vor sich hintrudelte. Ich verlor allerdings schon um 9 Uhr mein Bewusstsein und erlangte es erst um halb 9 wieder.
Am Dienstag besuchten wir das "Edo-Schloss" in der Innenstadt von Tokyo. Heutzutage ist des die Residenz des Kaisers, so weit ich es richtig verstanden habe. Es war erneut total heiss, da sich auch in der Nacht die Strassen nicht abkühlen können und sich die gesamte Stadt tagsüber total aufheizt. Da wir erst am frühen Nachmittag eine Verabredung mit einer alten Schulfreundin meiner Schwester hatten, trudelten wir ca. 1 h um die Schlossanlage herum. Wir wurden dabei von unzähligen Joggern begleitet, welche anscheinend für den jährlichen Marathon trainierten. Hier wurde das wunderbare Paradoxon der japanischen Welt sichtbar: In mitten von Wolkenkratzern steht eine wunderbare Parkanlage, Technik trifft auf historische Kunst.
Um das japanische Volk zu verstehen, ist diese eine der wichtigsten Dogmen: Alt und Neu funktioniert bestens mit und nebeneinander.
Um halb 1 trafen wir uns, wie erwähnt mit einer alten Schulfreundin. Diese plappert im Gegensatz zu meiner Schwester ganz gern und begleitete uns auf einen Shoppingtrip durch das Jugendviertel Harajuku. Hier findet man Gothic Lolitas, Plateauabsätze im 20 cm Bereich(Japanerinnen sind bis heute klein) und alle besonderen Haarfarben. Es ist schrill und unglaublich überfüllt an Leuten, egal zu welcher Zeit. Weder in Geschäften kann man sich frei umsehen, Leute stehen Ellenbogen an Ellenbogen neben einander. Ich selbst habe eine solche Masse noch nie in meinem Leben gesehen und staunte Bauklötze. Trotz der Völkerwanderung ist dieses flippige Viertel total spannend zu entdecken-und Geld ausgeben. Im Vergleich zu Joetsu ist Tokyo teuer- im Vergleich mit der Schweiz allerdings immer noch etwas billiger.
Um 3 Uhr trennten sich unsere Wege erneut und wir machten uns zu zweit auf den Weg ins Shoppingviertel Shibuya. Shibuya ist berühmt für den "scrambel-Zebrasteifen" und die Hachiko-Statue. Bei erstem handelt es sich um einen Platz vergleichbar mit dem Times-square, allerdings stoppt bei einem Ampelwechsel jedes Auto und Leute überqueren den Platz in alle Himmelsrichtungen-Meistens diagonal auf die andere Strassenseite.
Die Hachinkostatue ist ein Denkmal für einen Hund, welcher jahrelang vor dem Shibuyabahnhof vergeblich auf seinen verstorbenen Herrn gewartet hat. Was aus Hachinko geworden ist, weiss ich nicht, jedoch hat er nun eine Statue mit den Kanji Herz+Hund und seinem Namen drauf.
Nach einem kurzen Trip in einen Gameshop und in einen Departementstore namens "Forever 21" ,(Kennt diesen jemand? Scheint eine Variante des H&M zu sein), machten wir uns auf zurück in die Wohnung.
Am Mittwochmorgen machten wir uns erneut früh auf den Weg quer auf die andere Seite der Innenstadt. Im Viertel Asakusa gibt es seit neustem den sogenannten Sky-Tree, eine hohe Plattform mit Aussicht auf Tokyo. Doch selbst auf über 400 m Höhe (die Spitze liegt bei 643m) sieht man das Ende Tokyos am Horizont nicht- die Stadt ist gewaltig. Der Lift der uns und sehr viele andere Besucher auf die Plattform brachte, bringt es auf eine Geschwindigkeit von 600m/Min. Dies ist bei der Beschleunigung in den Beinen zu spüren und beim Abstieg anhand des Druckes in den Ohren.
Zum Abschluss unseres Trips besuchten wir im selben Viertel das berühmte "Kaminarimon"-was Donnertor bedeutet. Es ist der Eingang zu einem berühmten Tempel mit einer Einkaufsmeile an Souvenirs vorne dran. Wie immer bei einem Tempelbesuch warfen wir eine 5Yen-Münze (Sie hat ein Loch in der Mitte) in ein Becken, falteten die Hände und hofften, dass unsere Wünsche von Buddha erhört werden.
Es folgte nur noch den Heimweg zurück ins Apartement und von dort aus zur überfüllten Tokyo Station, dem Hauptbahnhof. Von dort gehen alle Shinkansen in alle Himmelsrichtungen, weshalb es Leute aus aller Welt hat und ich mit 2 überfüllten Rucksäcken und 2 Plastiksäcken an Shoppingeroberungen mich kaum bewegen konnte.
Nach 2h im Shinkansen erreichten wir Joetsu Myoko Station-wo uns unser Vater abholte und wir den Abend in Ruhe und Platz zum Atmen verbrachten.
Tokyo ist gross. Tokyo ist laut. Überfüllt, schrill, verrückt und man kann ein Leben lang neue Sachen entdecken. Für mich war es ein neues Highlight meiner Reise. Während diesen 5 Monaten war es vermutlich die Gelegenheit, sich jung zu fühlen und sich zu amüsieren. Nach 3 Tagen nonstop Programm war ich jedoch froh, wieder ins ruhige Joetsu zurück zu kehren, meine Wäsche waschen zu können und nur dem Zirpen der Grillen lauschen zu können.
























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