Dieses Jahr fuhren meine Mutter und ich alleine ins Haus ihrer Eltern nach Tokamachi. Das letzte Mal waren wir zu fünft Anfang Mai dort, jetzt ist es bereits August. Anstatt schmelzenden Schnees sieht man nun Grün, wo man nur hinblickt.
Seit ich das letzte Mal dort war, hat sich mein Japanisch spürbar verbessert- dennoch ist das Vokabular des Grossvaters ziemlich schwierig zu verstehen. Etwas ziemlich besonderes an der japanischen Sprache sind die vielen Synonyme. Meine Schwester in der Schweiz sagte mir einst, dass sich alle Synonyme etwas unterscheiden, da sich sonst alle gemeinsamen Wörter auf ein einziges reduzieren würden.
Im Japanischen funktioniert diese Logik nicht. Man hat für sehr viele Begriffe mindestens 2 Wörter, die Kanji(kombination) ist dann allerdings anders. Die Bedeutung bleibt allerdings dieselbe.
Also hatte ich beim Abendessen eine erneute Herausforderung und lauschte den Erzählungen des Grossvaters mit voller Konzentration.
Vorher zeigte er mir aber noch seine Glühwürmchenzucht, die erst einige Wochen alt ist. Früher gab es eine grosse Anzahl an Leuchtkäfern, doch mit den Überbauungen und dem Austrocknen der Flüsse werden sie rar. Deswegen beginnen immer mehr Leute Petitionen für den Schutz des natürlichen Flusswassers und züchten selbst Glühwürmchen. Die meines Grossvaters befinden sich allerdings noch im Larvenstadium und leuchten leider noch nicht. Total sollen sie circa ein Jahr leben und die "Leuchsaison" ist im Herbst, so viel ich mitbekommen habe.
Zu Anlass des Obons werden vor dem Essen einige Bisse zur Seite gelegt und zum Buddha-Schrein des Hauses gebracht, so fern es einen hat. Jedes japanische Haus verfügt über einen kleinen Shinto-Schrein, die wuchtigen und goldigen Buddha-Maka sind allerdings seltener.
Mit einem kleinen Ritus und Räucherstäbchen begleitet, "opfert" man einige Gaben dem Schrein, alias seinen Ahnen. Zu meiner Überraschung kennt der Grossvater auch die mystisch-seltsamen Gesänge, die der Zeremonie-Leiter (Im Tempel des Priester) singt und währenddessen alle beten. Diese Formen sind uralt und es handelt sich nicht um die japanische Sprache, denn ich konnte kein Wort verstehen.
Nach dem Abendessen stiegen meine Mutter und ich auf den Dachboden-von dort konnte man das Feuerwerk von Tokamachi wunderbar beobachten. Ich habe nun diverse Feuerwerke in Japan gesehen, das von Tokamachi ist das kleinste und zwischen den Schüssen vergehen häufig 1-2 Minuten. Füher dauerte es allerdings bis zu 5 Minuten, erzählte mir meine Mutter. Sie ist in Tokamachi aufgewachsen und hat so mit ihren Jugendfreunden oft das Feuerwerk gesehen.
Im Gegensatz zum jährlichen Sommerfestival, gibt es eine Kunstausstellung in der Gegend des Städtchens, welche nur alle 4-6 Jahre zu sehen ist. Mit historischen Techniken und Material aus Bodenschätzen werden verschiedenste Kunstwerke hergestellt, wie beispielsweise Häuser, die denen aus der Edozeit ähnlich sind. Man fährt mit dem Auto von Ort zu Ort und kann sich die Statuen, Ausstellungen etc. anschauen. Am Mittag vor unserer Heimkehr nach Joetsu machten sich meine Mutter, Grossvater und ich auf den Weg und besuchten 3 dieser Gegenstände.
Auch dort lernte ich mal wieder einiges über Historik und Kultur.
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