Freitag, 24. Juli 2015

Der allerletzte Schultag

Am Freitagmorgen begann ich damit, für die Klasse meine Geschenke einzupacken. Blöderweise regnete es und ich hatte nicht die Kapazität mit 2 Taschen und Rucksack den Bus zunehmen, weshalb mich mein Vater mitsamt Fahrrad in die Schule fuhr. Dort begann ich schnurstracks für alle Mädchen in der Klasse ein Briefchen vorzubereiten. Hier ist der Austausch von Geschenken unglaublich wichtig, und ich wollte mich nicht unvorbereitet fühlen. Ich verbrachte die gesamte erste Unterrichtslektion im Schnellzugstempo damit, auf Briefchen zu schreiben und zu falten. In der 3. und 4. Lektion wurde eine Abschiedsparty für mich organisiert, die für mich zu einer grossen Überraschung wurde. Wir begannen alle damit, Ramen selbst zu kochen. Ramen sind die Nudeln aus China, allerdings mit einem japanischen Arragement. 
Aufgrunddes Zwiebeldampfes in der Küche weinten alle, mit meinen Kontaktlinsen wurde ich mehr oder weniger geschont.
Als schliesslich alle Zutaten in einem riesigen Topf brodelten, wurde mir von der Klasse ein erstes Geschenk überreicht und ich wurde aufgefordert, es sofort zu öffnen. Normalerweise nimmt man ein Geschenk mit nach Hause und öffnet es dort. Es enthielt einen schwarzen Yukata und ein Messageboard von der Klasse! (Ein Message board ist ein grosses, dekoriertes Stück Karton mit persönlichen Nachrichten von der Klasse und Fotos darauf). Zu meiner erneuten riesen Überraschung sollte ich mich gleich in diesen Yukata umziehen und zurück in das Hauswirtschaftszimmer kommen. Dort wurde ich dann mit Luftschlangen beworfen und erneut nach vorne gebeten und weitere Geschenke in Empfang zu nehmen, ich war überwältigt! Jeder aus meiner Klasse (36 Leute!) überreichte mir ein kleines, mehr oder weniger persönliches Geschenk.
Mein Klassenlehrer hatte ebenfalls einen Song eingeübt, den er mit Gitarre als Begleitung vortrug. Wir alle waren begeistert, den Lehrer singen zu hören schien für alle eine Permiere zu sein.
Als wir schliesslich zum Mittagessen übergehen wollten, erklang eine Durchsage: Die Resulte des Kanji-tests seien da! Immernoch im Yukata zockelte ich von Freunden begleitend nach oben zum Lehrerzimmer. Da blöderweise Mittagszeit war, begegnete ich unzähligen Schülern, welche mich mit grossen Augen anstarrten. Doch zu einer weiteren Überraschung hatte ich den Tests mit einem super Resultat bestanden! Mein Niveau an lesbaren Zeichen ist nun auf dem eines Primarschülers der 2. Klasse, gratulation.
Nach dem Mittagessen konnte ich mich nun in die gewohnte Schuluniform umziehen und meine Geschenke in einem riesigen Müllsack(...) ins Klassenzimmer bringen. Die 5. und 6. Lektion verbrachten alle 3. Klässler mit Bewerbungsinterviews, ich traf letzte Vorbereitungen für meine Rede. In der 7. Lektion begab ich mich ein allerletztes Mal unter so vielen Malen in die Turnhalle. Das erste Trimester ist nun beendet und es fand eine kleine Feier statt.
Unter meinen Klassenkameraden sitzend, reflektierte ich nun ein bisschen über den allerersten Tag an der Joetsu Highschool. Der Ablauf war mehr oder weniger derselbe: Der Rektor, Prorektor und Schülerrat sprach und meine Rede sollte zum Schluss folgen. Als es allerdings noch April war, fror ich unter all den anderen, trug eine andere Uniform und fühlte mich fremd. Nun war ich in der Lage, all die Reden und das japanische Schulleben zu verstehen. Nur die Nervsoität vor meiner Rede war geblieben. Anstatt Stille und Zähneklappern hörte man nun das rauschende Zirpen der Grillen. 
Zum Schluss wurde ich auf die Bühne vor all den 347 Schülern gebeten und sprach von meinen Erfahrungen, Schwierigkeiten, Eindrücken und bedankte mich viele Male.
Zurück im Klassenzimmer blieb mir noch das Verteilen meiner Geschenke-und natürlich eine Fotosession. Vor dem Nachhauseweg verabschiedete ich mich noch von allen Lehrern und musste mein logistisches Problem mit den Geschenken lösen. (1 Rucksack, 2 Taschen und ein Berg von Geschenken sind weder mit Bus noch Fahrrad zu transportieren).
Beim Verlassen der Schule wechselte ich natürlich meine Schuhe, doch dieses Mal musste ich meinen Schuhlocker räumen. Mit einem Anflug von Traurigkeit und Nostalgie schwang ich mich schlussendlich auf mein Fahrrad und fuhr von der Abendsonne und dem Zirpen der Girllen nach Hause.
Ich bin kein Fan von Abschieden, dennoch sind diese als Austauschstudent unvermeidlich. Bereits jetzt vermisse ich all die verschiedenen interessanten Persönlichkeiten der Klasse, welche die 3-1 Klasse zu dem machen, was sie ist: Laut, gut gelaunt und unglaublich offenherzig.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen